Bonsaicamper

Es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur finden !!!

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Es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur finden !!!

Normandie 6

am Juno Beach

Donnerstag, 20. August 2020: 24.Tag, Courseulles-sur-Mer - Arromanches, 16,6 km

In der Nacht gab es kurze Regenschauer. Bei unserer Abfahrt um 10h15 ist es 22° warm, leicht bewölkt. Als erstes müssen wir wieder mal einkaufen gehen. Unser Kühlschrank ist ziemlich leer geworden. Aber, seit wir im Dorf Camembert zwei Camemberts gekauft haben, erfüllt jedes Mal, wenn wir den Kühlschrank öffnen, ein intensiver Käsegeruch den ganzen BONSAI-Camper…! Nach dem Einkauf geht es an den Juno Beach.

Courseulles-sur-Mer, erster Blick auf den Juno Beach

hier trefen sich Charles de Gaulle und Winston Churchill am 14. Juni 1944

Juno Beach war der Operationsname während der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg für einen französischen Küstenabschnitt in der Normandie. Juno Beach erstreckte sich zwischen Saint-Aubin-sur-Mer im Osten und Courseulles-sur-Mer im Westen. Im Rahmen der Operation Overlord wurde dieser Strandabschnitt kanadischen Truppen zugewiesen.  Die 3rd Canadian Division unter Major General Rod Keller, unterstützt von Royal Marines Commandos, landete am D-Day (6. Juni 1944) an diesem Strandabschnitt, der daher auch oft Kanadischer Strand genannt wird. Juno Beach war der von der deutschen Wehrmacht am zweitheftigsten verteidigte Strand nach Omaha Beach. Im Vergleich mit Omaha hatte der Strand von Juno selbst weniger Tiefe, der künstliche Wall war sogar höher und das Wasser wesentlich stärker vermint. Omaha hatte dagegen 30 m hohe Klippen und war schwer einzunehmen, weil auf ihnen Stellungen mit freiem Schussfeld waren. Dieser Abschnitt war von deutscher Seite her der 716. Infanterie-Division unter Befehl von General Wilhelm Richter zugewiesen worden. Dazu kamen elf schwere Batterien mit 155-mm-Geschützen, sowie neun mittlere Batterien mit 75-mm-Geschützen. Zahlreiche deutsche Bunker und Befestigungen lagen dem Landungsabschnitt gegenüber; sie konzentrierten sich besonders auf der Seite von Courseulles-sur-Mer.

Allerdings bestand diese Deutsche 716. Division hauptsächlich aus unter 18-Jährigen und Männern über 35, darunter weitgehend Veteranen des Krieges gegen die Sowjetunion, die behindernde Verletzungen hatten. Das minderte die Kampfkraft der Deutschen beträchtlich. Die vorausgegangenen nächtlichen Luftangriffe auf die deutschen Stellungen hinterliessen zunächst keine nennenswerten Schäden. Selbst beim anschliessend von See aus unmittelbar vor der Landung durchgeführten starken Dauerbeschuss zwischen 6:00 Uhr und 7:30 Uhr, bei dem die Schiffsgeschütze und sogar an Deck stehende Panzer und Artillerieeinheiten eingesetzt wurden, konnte nur etwa jeder siebte Bunker entlang des Strandes zerstört werden. Als sich die Landung selbst auch noch wetterbedingt um eine gute halbe Stunde verzögerte, gab dies alles den Verteidigern noch einmal Zeit sich neu zu formieren. Der Angriff wurde von der 3. Kanadischen Infanteriedivision und der 2. Kanadischen Panzerbrigade durchgeführt, während das 1. Kanadische Fallschirmjägerbataillon am Flankenschutz der Landungen beteiligt war. 14.000 Kanadier betraten im Zuge dessen am 6. Juni 1944 französischen Boden. Zur Unterstützung der Infanterie brachten Landungsboote DD-Tanks bis auf etwa 700 Meter an das Ufer. Allerdings konnten nur einige wenige dieser Schwimmpanzer zu Wasser gelassen und angelandet werden, dadurch kamen sie wesentlich später als die erste Welle der Soldaten an, die deshalb hohe Verluste hinnehmen mussten. Am östlichen Ende des Juno Beach war die See noch rauer und so stürmten die dort gelandeten Kanadier völlig ohne Panzer ans Ufer, was sie überproportional viele Opfer kostete. Trotz dieses hohen Blutzolls gelang aber auch ihnen letztendlich der Durchbruch. In der ersten Stunde nach dem erfolgten Angriff beliefen sich die gesamten kanadischen Verluste schon etwa auf die Hälfte aller an Land gegangenen Soldaten (und ist damit nur für diese eine Stunde vergleichbar mit den weltbekannten amerikanischen Verlusten am Omaha Beach.)

Den wenigen angelandeten Schwimmpanzern gelang es dann aber, die Verteidigungspositionen der erbittert kämpfenden deutschen Verteidiger erfolgreich zu bekämpfen, nicht zuletzt indem sie – dem Häuserkampf ähnlich – gezielt die am Strand befindlichen Häuser zusammenschossen, in die kurz vorher deutsche Stellungen beordert wurden. Nachdem es den Kanadiern nach über einer Stunde Kampf dann endlich gelungen war, den Wall von der Strandseite her zu überwinden, konnten sie dann wiederum mit diesen Panzern ins Hinterland vordringen und die dortigen – zur Landseite hin nur unzulänglich gesicherten – deutschen Stellungen rückwärtig schnell ausschalten. Gegen Mittag war die komplette 3. Kanadische Division an Land und bereits einige Kilometer in das Hinterland vorgedrungen, sie konnte dann die Brücken über den Fluss Seulles einnehmen und die Stadt Saint-Aubin-sur-Mer war gegen 18:00 Uhr in kanadischer Hand. Am Ende des D-Day war es den Kanadiern gelungen, so weit wie keine andere alliierte Einheit auf französischen Boden vorzudringen, obwohl sie bei der Landung auf ähnliche Gegenwehr gestossen waren wie die Amerikaner am Omaha Beach. Dabei verloren an diesem einen Tag 359 kanadische Soldaten ihr Leben, weitere 715 wurden verwundet.

Der Marsch über Bayeux zur Grossstadt Caen konnte beginnen, wo die Schlacht um Caen die Entscheidung brachte, dass sich die Invasionstruppen dauerhaft in der Fläche auf französischem Boden festsetzen konnten. Erst danach konnte man die Einnahme der Hafenstadt Cherbourg angehen, ohne dass die Invasionstruppen von der deutschen Wehrmacht noch komplett auf der Halbinsel Cotentin hätten eingekesselt werden können.

Juno Beach

Wir schauen uns den Strandabschnitt an, besuchen aber nicht das Kanadische Museum. Am Nachmittag sind wir in Arromanches, ein sehr entscheidender Ort für die Landungstruppen. Wir parkieren auf dem offiziellen Stellplatz oberhalb der Klippen. Dann machen wir uns auf den Weg hinunter ins Dorf Arromanches, um am Strand zu baden (ich mit irgendwie schlechtem Gewissen, hier zu baden, wo so viele Soldaten gefallen sind!). Aber das Bad in den Wellen ist trotzdem sehr schön. Wir laufen wieder hinauf auf die Klippen, ziehen trockene Sachen an und gehen ins 360° Kino, um uns einen 19-minütigen Film mit dem Titel „die 100 Tage der Normandie“ anzuschauen. Sehr eindrücklich! Eintritt 5.50€ für Rentner (sonst 6.50€).

Und jetzt laufen wir zum zweiten Mal heute wieder runter nach Arromanches um ins D-Day-Museum zu gehen. Eintritt 8.20€. Aber irgendwie ist dieses Geld schlecht investiert. Zuerst müssen wir über 30 Minuten warten weil nur 40 Personen aufs Mal eingelassen werden. Dann sind wir endlich drin und jetzt erzählt eine Frau mit einem Mikrofon an ein paar Modellen die Geschichte des künstlichen Hafens für die Landungsbrücke. Sie erzählt auf Französisch, mit Maschinengewehr-Tempo!!! Ich verstehe nur „Bahnhof“! Die Sachen, die sonst noch ausgestellt sind, sind alle auf Französisch und Englisch angeschrieben. Schade!

Am Abend lesen wir bei Wikipedia nach und nun wird uns vieles sehr viel klarer und verständlicher.

Arromanches

Arromanches-les-Bains ist eine französische Gemeinde im Département Calvados (Region Normandie) mit 489 Einwohnern. Arromanches liegt an der Küste des Ärmelkanals, rund acht Kilometer nordöstlich von Bayeux und 25 Kilometer nordwestlich von Caen.

Bei den alliierten Landungen in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs 1944 lag Arromanches im Landeabschnitt Gold Beach. Nach der Landung wurde vor der Küste einer der beiden künstlichen Häfen (Mulberry B) gebaut, über den Truppen und Nachschub an Land gebracht wurden. Reste dieses Hafens sind heute zu besichtigen.

Arromanches

Teil der Landungsbrücke

Die Mulberry-Häfen waren zwei im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten errichtete künstliche Nachschubhäfen an der Küste der Normandie. Die Planung des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force sah im Rahmen der Operation Overlord nach der erfolgreichen Landung in der Normandie die Errichtung zweier grosser Anlegestellen für Transportschiffe vor. Mulberry „A“ sollte vor Vierville-sur-Mer (Omaha Beach) von den Amerikanern und Mulberry „B“ vor Arromanches (Gold Beach) von den Briten errichtet werden. Die Einzelteile wurden in England vorgefertigt und dann vor der Küste der Normandie zusammengesetzt.

Das Prinzip war für beide Häfen das gleiche. Sie sollten Schutz vor der rauen See bieten und die Entladung der Schiffe auch trotz des Tidenhubs erlauben. Ersteres konnte durch das Anwenden von Senkkästen und die Selbstversenkung älterer Schiffe erreicht werden, die ein künstliches Riff rund um den Hafen bildeten, an dem sich die Wellen brachen. Weiter draussen auf See wurden grosse Metallstrukturen, sogenannte Bombardons, verankert, die ebenfalls zur Abschwächung der Wellen dienten. Für eine „Rund-um-die-Uhr-Entladung“ mussten sich die Piers mit Ebbe und Flut auf- und abbewegen. Auch hierfür wurden Senkkästen benutzt, in die lange Metallpfähle eingelassen waren. An diesen glitten die Pierköpfe mit der Tide auf und ab.

Das Strassensystem zum Abtransport der Nachschubgüter umfasste im Hafen rund 500 Hektar. An Land bauten die Alliierten grosse Speicherhäuser und Fuhrparks. Alte Strassen wurden verbreitert und neue zum schnelleren Transport der Güter zur Front angelegt.

Der Baubeginn der beiden Häfen war der 7. Juni 1944, einen Tag nach der Landung. Schon nach drei Tagen konnten die ersten Schiffe entladen werden. Die Fertigstellung sollte am 20. Juni erfolgen. Ein heftiger Sturm, der am 19. Juni begann und sich erst nach drei Tagen abschwächte, zerstörte Mulberry „A“, der noch nicht entsprechend den Vorgaben gesichert war, fast vollständig. Die Amerikaner verzichteten auf die Reparatur, so dass die noch verwendbaren Teile zur Komplettierung des leichter beschädigten Hafens Mulberry „B“ benutzt wurden. Bei Vierville-sur-Mer/Saint-Laurent-sur-Mer entluden die Amerikaner allerdings noch Transportschiffe an Land, was sich später sogar als effektiver erwies als die Entladung auf See. Der britische Hafen Mulberry „B“ in Arromanches ging kurz darauf voll in Betrieb. Insgesamt konnten hier bis zum 31. Oktober 628.000 Tonnen Nachschubgüter, 40.000 Fahrzeuge und 220.000 Soldaten an Land gebracht werden.

Teile des künstlichen Hafens von Arromanches bei Ebbe

Elemente für die Landungsbrücke

so sah der künstliche Hafen "Mullberry B" aus

Abend über Arromanches

Freitag, 21. August 2020: 25.Tag, Arromanches – Colleville-sur-Mer, 22,7 km

Wir schlafen sehr lange!!! Eigentlich wären wir noch sehr gerne einen Tag länger hier geblieben, um nochmals im Meer zu baden. Aber es bläst ein saukalter Wind, so dass wir es vorziehne, ein Stückchen weiter zu fahren. Um 10h30 sind wir abfahrbereit, es ist 21° warm, aber der Wind erscheint uns viel kälter. Bei sonnigem und bewölktem Himmel fahren wir los, bevor uns noch der Wind von den Klippen weht. 40 Minuten später sind wir in Colleville-sur-Mer, wo wir uns beim Stellplatz eines Bauern niederlassen. Nach dem Mittags-Picknick machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Meer. Hier schauen wir uns das „Widerstandsnest 62“ der Deutschen an.

wir laufen zum Meer, zum Omaha Beach

im Deutschen Bunker beim Widerstandsnest 62

Das Widerstandsnest 62 (kurz WN 62) war ein befestigter und teilweise verbunkerter deutscher Stützpunkt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, der sich als Teil des Atlantikwalls an der Küste der Normandie, am Omaha Beach befand. Die Bekanntheit dieser Verteidigungsstellung rührt aus der Tatsache, dass die US-amerikanischen Landungstruppen, die 1944 im Rahmen der Operation Overlord anlandeten, durch das Abwehrfeuer dieser Stellung enorm hohe Verluste erlitten. Das Widerstandsnest 62 umfasste ein etwa 332 Meter × 324 Meter grosses Areal, das ungefähr 50 bis 100 Meter von der Küstenlinie entfernt lag. Es befand sich etwa einen Kilometer nördlich von Colleville-sur-Mer auf einer – in Richtung Hinterland etwa 20 Grad ansteigenden – Erhebung aus Kalkstein. Die unterschiedlichen Stellungen und Bauten dieses Stützpunkts lagen 10 bis 50 Meter über dem Meeresspiegel und erlaubten einen relativ guten Überblick über das davor liegende Strandgelände.

Als die Operation Overlord begann, fiel der Bereich des Widerstandsnest 62 in den amerikanischen Landeabschnitt Omaha Beach. Der Stützpunkt wurde küstenseitig durch einen vier Meter breiten und 1,7 Meter tiefen, wassergefüllten Panzerabwehrgraben begrenzt, der eine Gesamtlänge von ca. 300 Metern aufwies. Das gesamte Stützpunktgelände war durch Stacheldrahtbarrieren geschützt.

An Verteidigungswaffen waren stationiert: zwei erbeutete tschechische 7,65-cm-Geschütze zwei 5-cm-Panzerabwehrkanonen zwei leichte Granatwerfer (Kaliber 50 mm) zwei erbeutete wassergekühlte polnische Maschinengewehre Modell 1917 (Ckm wz. 30) (eines davon in einem Erdbunker) ein Zwillings-MG 34 (zwei Läufe nebeneinander) zur Tieffliegerabwehr ein gewöhnliches (einläufiges) MG 34 ein MG 42 in offener Feldstellung ein MG 42 auf einer Drehlafette in einem Unterstand Ferner existierten ein Artilleriebeobachtungsposten sowie zwei ortsfeste Festungsflammenwerfer. Das Vorfeld des Stützpunkts war, wie an vielen anderen Stellen der Normandieküste auch, mit Hindernissen versehen. Einige dieser Hindernisse waren so installiert worden, dass sie sich bei Flut unterhalb der Wasserlinie befanden. Dadurch wollte man erreichen, dass feindliche Landungsboote aufliefen und nach Möglichkeit zum Kentern gebracht wurden (Rommelspargel). Das Gebiet vor dem Widerstandsnest 62 war durch verlegte Landminen zusätzlich geschützt.

Insgesamt waren lediglich 41 Soldaten (von denen zumindest 18 den Angriff der Amerikaner überlebten) im WN 62. Das Widerstandsnest 62 wurde, wie auch die anderen 14 Widerstandsnester im Landeabschnitt Omaha, am frühen Morgen des 6. Juni 1944 von amerikanischen B-24-Bombern angegriffen. Dabei wurden Schäden verursacht. Anschliessend beschossen angloamerikanische Kriegsschiffe die zukünftigen Landezonen. Gegen 6:30 Uhr näherte sich die erste von insgesamt elf Wellen amerikanischer Landungstruppen dem Strand vor dem Widerstandsnest 62. Durch das vom Stützpunkt aus gelenkte Artilleriefeuer und insbesondere auch durch das Maschinengewehrfeuer des Gefreiten Heinrich Severloh, der etwa 12.000 Schuss MG-Munition verschoss, wurden den Landungstruppen enorm hohe Verluste zugefügt. Severloh und der Gefreite Gockel schossen zusätzlich zum MG-Feuer jeweils noch 400 gezielte Einzelschüsse mit ihren Karabinern auf die Landungstruppen ab. Gegen 15:30 Uhr verliessen die letzten Überlebenden den Stützpunkt und zogen sich ins Hinterland zum Widerstandsnest 63 zurück. Ein Teil der Stellungen ist heute noch erkennbar, insbesondere die Reste der betonierten Stellungen.

Blick vom Bunker

Normandy American Cemetery and Memorial

Das World War II Normandy American Cemetery and Memorial wurde als Ehrung für die während der Operation Overlord gestorbenen US-amerikanischen Soldaten am 8. Juni 1944 von der 1. US-Armee gebaut. Der Friedhof befindet sich bei Colleville-sur-Mer in der Normandie, Frankreich. Er liegt nordwestlich von Bayeux, sowie etwa 274 km westlich von Paris. Das Areal umfasst 49 ha und auf den immergrünen Rasenflächen erinnern 9387 Gräber, weisse Marmorkreuze und Davidsterne in präzise ausgerichteten Reihen auf zehn Gräberfeldern an einen Teil der zahlreichen Opfer der amerikanischen Landungstruppenim Abschnitt Omaha Beach. An den Wänden des halbkreisförmigen Gartens auf der Ostseite des Denkmales sind die Namen von 1557 vermissten Amerikanern eingraviert.

Zu Beginn des Films „Der Soldat James Ryan“ von Steven Spielberg aus dem Jahre 1998 besichtigt der Protagonist James Ryan das Grab des fiktiven Captain John Miller (gespielt von Tom Hanks). Dieses Grab wurde eigens für die Filmszene auf dem Friedhof platziert und danach wieder entfernt.

9387 Gräber von Amerikanischen Soldaten

Tief beeindruckt und nachdenklich kehren wir nach 8,35 km zu unserem BONSAI zurück.

Samstag, 22. August 2020: 26.Tag, Colleville-sur-Mer - Montebourg, 80,4km

Auch heute haben wir wieder sehr lange geschlafen, wie die Murmeltiere! Es nieselt leicht, 19°, stark bewölkt. Genau in dem Moment, wo ich meine Haare waschen will, geht der Wasserpumpen-Schlauch ab und es kommt kein Tropfen Wasser mehr. Aber: no problem, mein Bord-Sanitär repariert das im Handumdrehen und ich kann meine Haare nun doch noch waschen. Als wir um 10h losfahren, schüttet es in Strömen. Wir fahren an all den vielen Museen des Omaha Beach und D-Days vorbei, bis nach La Cambe, wo sich der Deutsche Soldatenfriedhof befindet. Wir haben Glück, als wir den Friedhof besuchen regnet es gerade nicht.

Beim Soldatenfriedhof von La Cambe

Der Soldatenfriedhof von La Cambe (franz. Cimetière militaire allemand de La Cambe) ist eine deutsche Kriegsgräberstätte in dernormannischen Gemeinde La Cambe nahe der Stadt Bayeux in Frankreich. Dort ruhen mehr als 21.000 deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Die Anlage war zunächst eine Kriegsgräberstätte, die während des Krieges durch den Bergungs- und Identifikationsdienst für gefallene Soldaten der United States Army am Rande der Kampfzone angelegt wurde. Amerikanische und deutsche gefallene Soldaten der See- und Luftstreitkräfte wurden in zwei benachbarten grossen Grabfeldern bestattet.

Nach Kriegsende wurden die Kriegsverwüstungen beseitigt. Parallel dazu wurden die sterblichen Überreste der gefallenen Amerikaner exhumiert und entsprechend den Wünschen ihrer Familien überführt. Zwei Drittel ihrer Gefallenen überführten die Amerikaner ab 1945 von La Cambe in die USA. Die übrigen wurden zum neuen ewigen American Cemetery and Memorial in Colleville-sur-Mer oberhalb der Landestelle in Omaha Beach überführt und dort begraben.

Wegen des amerikanischen Kriegsfortschrittes waren die deutschen Kriegstoten über eine weite Fläche in der Normandie verstreut begraben. Viele wurden in einzelnen Feldgräbern oder auf kleinen Friedhöfen am Rande des Kriegsgeschehens beigesetzt. Nach Kriegsende strebte der Volksbund Deutsche Kriegsgräber an, sechs grosse deutsche Kriegsgräberstätten in der Normandie zu errichten. La Cambe war gut geeignet, eine der sechs zentralen Kriegsgräberstätten zu werden, weil dort bereits deutsche Kriegstote ruhten, weitere Zubettungen vom englischen und französischen Gräberdienst vorgenommen worden waren, und weil es bereits informell vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegt wurde. 1954 befanden sich bereits 8.000 tote deutsche Soldaten auf dem Friedhof. In der Folgezeit konnten die sterblichen Überreste von 12.000 deutschen Soldaten von 1.400 Bestattungsorten in den französischen Départements Calvados und Orne umgebettet werden. Später wurden mehr als 700 Soldaten, die an den Kriegsplätzen der Normandie noch gefunden wurden, dorthin überführt.

Die Neugestaltung des Friedhofes begann unmittelbar nach der offiziellen Übergabe der Kriegsgräberstätte. Im Jahr 1958 wurde durch ein internationales Jugendlager der Friedhof erweitert und an der Aufschüttung des sechs Meter hohen Tumulus gearbeitet. La Cambe wurde offiziell am 21. September 1961 als deutsche Kriegsgräberstätte eingeweiht. Der Tumulus wird von zwei Statuen flankiert und ist durch ein grosses dunkles Basaltlavakreuz markiert. Dort sind 207 unbekannte und 89 identifizierte deutsche Soldaten in einem Massengrab beigesetzt. Um den Tumulus angeordnet befinden sich 49 rechteckige Grabfelder mit jeweils bis zu 400 Gräbern, die auf einer grünen Rasenfläche durch Grabplatten gekennzeichnet sind. Die Mehrzahl der in La Cambe Beigesetzten fiel zwischen dem 6. Juni und dem 20. August 1944. Sie waren zwischen 16 und 72 Jahren alt und starben während der Landung der Alliierten und in den nachfolgenden Kämpfen. Mit Stand Juli 2008 waren 21.222 deutsche Soldaten der Marine und Luftwaffe in La Cambe beigesetzt. Nach 50 Jahren wurden immer noch Kriegstote in der Normandie geborgen. Auf dem Friedhof sind auch tote Soldaten der Waffen-SS beigesetzt.

der Tumulus mit dem Massengrab

auf diesem Friedhof liegen 21.222 deutsche Soldaten

In Isigny-sur-Mer gibt es eine Caramel-Fabrik, die wir uns gerne anschauen möchten. Aber weil am Wochenende nicht produziert wird, gibt es auch nicht sehr viel zu sehen und so lassen wir den Besuch bleiben. Wir kaufen nur in der Caramel-Boutique 250gr frische „Beurre d‘Isigny“ (Butter). Leider ist der Glacé-Stand, wo wir gerne eine Caramel-Glacé schlecken würden, gerade geschlossen…!

Jetzt verlassen wir den Omaha Beach und fahren Richtung Cherbourg, vorbei am Utah Beach. In Ste. Mère-Église machen wir den nächsten Halt. Bekannt wurde der Ort durch das Missgeschick des amerikanischen Fallschirmjägers John Steele vom 505. Fallschirmjägerregiment der 82. US-Luftlandedivision. Er blieb mit seinem Fallschirm an einem der Ecktürme des Kirchturms hängen und konnte sich anschliessend nicht befreien, da der Kirchplatz heftig umkämpft war. Ausser ihm blieb noch ein zweiter Soldat, der 17-jährige Ken Russell, an der Kirche hängen. Von dort oben mussten sie mit ansehen, wie ihre Kameraden im Kampf fielen. Russell berichtete später, dass Sergeant John Ray sie retten wollte, als er bemerkte, dass es ein deutscher Soldat auf sie abgesehen hatte. Der deutsche Soldat schoss Ray in den Bauch, der, als er zu Boden fiel, dem deutschen Soldaten in den Hinterkopf schoss und somit die Leben der beiden Fallschirmjäger Steele und Russell rettete.

die Kirche von Ste. Mère-Église

Kirchenfenster mit Fallschirmspringern

Am frühen Morgen des D-Days, dem 6. Juni 1944, landeten 14.000 (nach anderen Angaben 15.000) alliierte Fallschirmjäger der US-amerikanischen 82. US-Luftlandedivision (82nd Airborne) im Zuge der Operation Overlord in der im Hinterland des Strandabschnitts Utah Beach gelegenen Stadt. Die Übernahme des Ortes sollte durch die 82. US-Luftlandedivision erfolgen, tatsächlich haben wegen eines Absetzfehlers auch viele Fallschirmjäger der 101. US-Luftlandedivision daran teilgenommen.

Das Ereignis wurde in „Der längste Tag“ verfilmt. Allerdings wird hierbei lediglich das Schicksal des Soldaten Steele gezeigt. Russell kommt in dem Film nicht vor. Heute erinnert eine Puppe an der Kirchturmspitze an den ungewollten Landepunkt der beiden Fallschirmspringer.

 Auch hier hat es jede Menge Museen über Fallschirmspringer und Flugzeuge usw., aber wir haben im Moment gerade genug von (Kriegs)Museen. Gegen 14h sind wir in Montebourg, wo wir uns auf dem offiziellen WOMO-Stellplatz niederlassen.

in Montebourg

Sonntag, 23. August 2020: 27.Tag, Montebourg – Gatteville le Phare, 30km

Es nieselt leicht. Um 10h, bei starker Bewölkung und 18° Kälte fahren wir los. Wir machen in Barfleur halt. Der Ort mit dem kleinen Hafen am Meer gehört zu den 100 schönsten Orten Frankreichs. Beim Hafen findet seit drei Tagen ein grosser Antiquitäten-Markt statt. Wir schlendern durch den schönen alten Ort und schauen uns auch die mächtige Kirche St. Nicolas an.

Danach fahren wir zum Phare de Gatteville, einem grossen Leuchtturm, der der Zweitgrösste von ganz Frankreich sein soll. Wir stellen den BONSAi ab, wo wir heute übernachten werden und laufen bei Sturmwinden rund um den Leuchtturm. Es bläst uns fast in den Ärmelkanal ! Für 3€ könnte man die 365 Treppenstufen auf den Leuchtturm hinauf steigen. Aber Paul will auf gar keinen Fall da hinauf...!!!

Nachdem ich etwa zwei Stunden an diesem Bericht gearbeitet habe, machen wir einen langen Spaziergang ins Dorf Gatteville le Phare. Im Dorf hat eine Bäckerei geöffnet und es gibt Kaffee und für mich eine sehr feine Himbeerschnitte. Auf dem Rückweg scheint sogar wieder die Sonne.

in Barfleur