Indonesien: Banda (Gewürzinseln) 04.08. - 10.08 2012, Teil 1
1 View

Samstag, 04. August 2012: unterwegs nach Banda, 1.Tag

Obwohl wir immer noch auf den Fisch von Jacky warten, fahren wir um 8h los nach Banda. Gestern hat „Liberté“ eine Liste von 28 Segelschiffen verteilt. Wir sind die einzigen Schweizer. Es hat 5 Deutsche (Berlin, Heilbronn, Heidelberg, Stuttgart und Köln), 1 Japaner, 2 Italiener (1 Sizilianer, 1 Mailänder), 1 Dänen, 1 Monegasse (das Schiff aus Monaco hat genau die gleiche Landesflagge wie Indonesien, oben Rot, unten Weiss), 1 Franzosen, 1 Kanadier (aus Vancouver Island), 2 Amis, der Rest sind Neuseeländer und Australier.

Die ganze Woche hat es hier geblasen wie verrückt. Heute, wo wir lossegeln wollen, ist der Wind eher mässig mit 10-15 Knoten. Zwischen ganz vielen kleinen Inseln hindurch fahren wir NNW-wärts. Indonesien hat über 17'000 Inseln. Man stelle sich das einmal vor!

Der Morgen ist bewölkt, der Nachmittag sonnig bis bewölkt. Es läuft sehr gut und gemütlich, ohne grosse Wellen. Um 17h sehen wir eine Gruppe ganz grosse Delfine. Wir sind in der Banda-See.

 

Sonntag, 05. August 2012: unterwegs nach Banda, 2.Tag, 135 sm

Die Nacht ist eher kühl, ohne besondere Vorkommnisse. Am Tage sehen wir noch einige Segelschiffe vor und hinter uns. In der Nacht ist kein einziges Licht mehr zu sehen. Wo sind die bloss alle hin verschwunden? Paul versucht um 5h (8h in Fidschi) das Winfried-Funk-Netz zu hören. Vergeblich, es klappt nicht.

Heute ist ein herrlich schöner Sonnen-Sonntag. Aber der Wind ist sehr kühl. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass wir nur noch 5 Breitengrade unter dem Aequator sind. Der SE-Wind bläst ziemlich stetig und wir haben eigentlich das Gefühl, gut voran zu kommen. Trotzdem sind wir langsamer als fast alle anderen Schiffe. Liegt es daran, dass wir nur mit dem Vorsegel fahren können?

Kurz nach 19h, es ist schon stockdunkel, kommt von links ein Frachter auf uns zu. Wir sind klar auf Kollisionskurs! Wir machen zusätzlich zu der Navigationsbeleuchtung, noch mehr Lichter an, um besser gesehen zu werden. Danach rufe ich das Schiff über Funk an. Ja! Man hat uns bemerkt! Der Frachter ändert seinen Kurs und fährt hinter uns durch.

Seit Vanuatu, seit dem 30.Juni hat Paul keinen Reis mehr essen müssen! Er hat mir versichert, dass es ihm ohne Reis sehr gut gehe... Aber darauf kann ich heute keine Rücksicht nehmen. Zum Abendessen gibt es Risotto mit viel Parmesan....

 

Montag, 06. August 2012: Insel Banda, 108,7 sm

Nichts Besonderes während der Nacht, ausser vielleicht, dass es ziemlich bewölkt war. Am Morgen ist es nur noch teilweise bewölkt. Wir nähern uns der Insel Banda, umrunden den markanten Vulkan Gunung Api (656 m hoch) und ankern zwischen den beiden Inseln Banda und Neira. Um 11h30 sind wir mit Buganker und Heckleine festgemacht. Da das ziemlich knifflig ist, braucht es 2 Versuche, bis wir gut liegen. Wir sind das 19. Schiff von 28, das jetzt hier ist. Von den 18 Schiffen finden es nur 2 Deutsche nötig, uns zu helfen, Sven von der „Solar Planet“ und Hans von der „Taimada“, neben der wir liegen.

Sven und Hans helfen Paul unser Rollgross-Segel herauszuziehen. Die beiden helfen solange, bis es sauber herauskommt und wieder eingerollt werden kann, das dauert ungefähr 45 Minuten.

Nach dem Mittagessen müssen wir an Land, schnell zum Hafenkapitän, uns anmelden. Der stopft unsere Papiere (zwar nur Kopien davon) achtlos in einen Plastiksack.

Das dauert 3 Minuten oder so. Er will uns Diesel verkaufen. Aber wir haben keinen Bedarf und so will er nur je eine Kopie von allen unseren Papieren haben.

Inzwischen macht der Katamaran „Persian Sands“, von Peter, Penny und Dorn neben uns fest. Wir helfen beim Festmachen an Land. Scheinbar hält der Anker vom Katamaran nicht so gut, der Kat drückt ständig auf uns.

Um 17h kommen Kathrin und Sven von der „Solar Planet“ zu uns zum Sundowner. Wir wollen uns bei Sven für seine Hilfe bedanken.

Es wird ein lustiger Abend. Paul und Sven führen eine heftige Diskussion über Strom und Batterien. Jeder hat seine Ideen und hält eisern daran fest. Nachdem unser Pfund frischgebackenes Brot den Weg in unsere Mägen gefunden hat, und nix mehr da ist, lösen wir die Runde um 22h15 auf.

Die Banda-Inseln sind eine indonesische Inselgruppe im Archipel der südlichen Molukken. Die Angaben in der Literatur schwanken zwischen zumeist sechs, bis zu zehn Vulkan- und Koralleninseln. Sie liegen etwa 2.000 km östlich von Jakarta.

Eine der bekannteren Eilande der Gruppe, die Insel Run, welche die Holländer von den Engländern gegen Manhattan tauschten, ist etwa 4 km lang und nicht ganz einen Kilometer breit.

 

Geschichte: Der portugiesische Entdecker und Nautiker António de Abreu war vermutlich der erste Europäer, der die Inseln gegen 1512 erreichte, damals aber nicht kartographierte.

Erst der Handel mit Muskatnuss brachte die Gruppe in den Blickpunkt der westlichen Kolonialstaaten. Der Gewürzbaum war damals nur auf den Gewürzinseln zu finden, die man heute als Molukken in Indonesien kennt.

Der Name "Banda-Inseln" geht auf den holländischen Kaufmann Jacob van Neck zurück, der dort Muskatnüsse mitnahm und in seiner Heimat mit einen Preisaufschlag von 32.000 Prozent (!) wieder verkaufte. Im darauffolgenden Wettlauf mit den anderen Nationen gründete Holland die Niederländische Ostindien-Kompanie.

Diese damals wichtigen Inseln waren erst in portugiesischer Hand, bevor sie von den Holländern von Batavia aus erobert wurden. Nachdem die Einheimischen ausgerottet wurden, mussten asiatische Sklaven die Arbeit in den Plantagen verrichten. Übrigens waren diese Gewürzinseln das eigentliche Ziel von Christoph Kolumbus.

 

Mittlerweile werden die Inseln wieder von Seglern, Anglern und vor allem Tauchern wegen der aussergewöhnlichen Fischwelt besucht.

Die Inselkette ist über das Verwaltungszentrum der Molukken, die Stadt Ambon, zu erreichen. Die meisten Besucher landen mit kleinen zweimotorigen Flugzeugen am einzigen Flughafen in der Region in der Stadt Bandaneira.

Bewohner: Bandanesen

Hauptort: Bandaneira, etwa 7.000 Einwohner, ist grösster Ort der Inselgruppe. Das holländische Fort Belgica ist mittlerweile vollständig restauriert.

Vulkane: Gunung Api, 656m hoch, zuletzt 1988 ausgebrochen, die Siedlungen mussten evakuiert werden

Dienstag, 07. August 2012: Insel Banda

In der Nacht hat es ganz kurz, aber umso heftiger geregnet. Der Morgen ist regnerisch. Unsere ganze Flotte liegt mit dem Heck zur Mauer des Ortes. Um 8h, als wir frühstücken, machen sich die Einheimischen ein Vergnügen daraus, Segelschiffe oder deren Bewohner zu beobachten. Sie stehen zu acht oder zu zehnt auf der Mauer und schauen in unsere Cockpits. Tolles Freizeitvergnügen, Touristen begucken !!!

Um 9h45 kommt ein grosser Dampfer in die Bucht (aus Ambon, der Hauptstadt der Molukken), 7 Stunden bis hier. Er legt am Kai an und nun geht ein Riesengetümmel los. Wie die Ameisen drängeln sich die Kulis ins Schiff und kommen beladen wieder heraus. Andere lassen Gpäckstücke aussen am Schiff herunter und verladen es auf die kleinen Boote, die schon darauf warten, und später mit den Waren auf die kleinen Inseln fahren. Ununterbrochen verlassen Passagiere das grosse Schiff, auch sie mit viel Gepäck beladen. Es ist ein echt sehenswertes Schauspiel. Nach ca. einer Stunde Zuschauen, gehen wir in den Ort Bandaneira. Auch hier herrscht ein unglaubliches Gewusel und Gedrängel. Unmengen von Kleinmotorrädern transportieren Gepäckstücke, Rikschas und Fussgänger verstopfen die Strasse. Auf beiden Seiten der Strasse sind Stände mit Süssigkeiten und diversem Zeug aufgebaut. Wir kaufen einen geräucherten Fisch und machen uns wieder auf den Rückweg zum Schiff. Nach ca. 1½ Stunden verlässt das grosse Schiff den Hafen wieder und sofort kehrt Ruhe ein.

Am Nachmittag wollen Paul und Sven im Hafenbecken tauchen. Der Hotelbesitzer, vor dessen Hotel Maulana wir liegen, hat uns erzählt, dass es hier den seltenen Mandarinfisch gibt. Ich will nicht mit, weil ich leicht erkältet bin. Die Taucherei wird kurzfristig abgesagt, weil das grosse Schiff heute morgen eine Unmenge Müll einfach über Bord ins Hafenbecken gekippt hat.

Abends essen wir im Hotel Maulana, direkt hier an der Mauer, zu Abend. Paul und ich sind die einzigen Gäste. Aber das Essen ist sehr gut und vor allem viel. Zuerst gibt es eine gute Gemüsesuppe, dann für Paul 4 Stücke paniertes und fritiertes Hähnchen, für mich einen ganzen geräucherten und gebratenen Fisch. Dazu Roti (eine Art Päckchen aus Omeletten Teig, gefüllt mit Nudeln und Pouletfleisch) einen Topf voll Reis, ganz feine Glasnudeln mit Gemüse, grünes Blattgemüse, gefüllte Auberginen mit Mandelsauce oben drauf (au, very hot!), dazu eine Sauce die wir nicht anrühren, weil sie scharf aussieht. Alles sehr gut. Während wir essen dürfen wir das Läptöpli und die Batterie des Fotoapparates laden. Nach dem Essen machen wir einen langen Spaziergang durch das Dorf. In der Moschee findet gerade das Abendgebet statt. Die Männer sind vorne im Hauptraum der Moschee, die Frauen (auch kleine Mädchen), alle ganz weiss vermummelt, befinden sich hinten, in einem separaten Raum, das heisst, fast schon draussen im Hof..

 

Mittwoch, 08. August 2012: Insel Banda

Es hat in der Nacht mehrmals kurz geregnet. Der Tag ist sehr trüb und bewölkt. Wir putzen ein bisschen an der MABUHAY herum und machen mit dem Honda-Generator Strom, weil kein Wind und keine Sonne da sind. Einige Segler steigen heute auf den Gunung Api Vulkan. Wir wollen uns das nicht antun, es dauert zwar nur 4 Stunden hin und zurück, aber der Weg sei sehr steil und slippery (schlüpfrig), und wir wollen keine Knochen brechen.

Paul schrubbt das Cockpitdach und versucht die Hinterlassenschaft unserer Vogel-Gäste zu entfernen. So eine Sauerei!

Am Nachmittag gehen Paul und Sven tauchen. Aber nicht im Hafenbecken, sondern draussen bei der Einfahrt zur Bucht. Ich gehe nicht mit, weil ich immer noch leicht erkältet bin.

Als Paul zurück kommt ist er ganz begeistert von der Taucherei. Das Wasser sei glasklar! Ich will ihm helfen, die Tauchsachen aus dem Dinghy an Bord zu heben. Dabei löst sich unsere Hecktreppe. Das schwere Ding schrammt mir über die Hinterseite des Oberschenkels und über den Arm. Aua! Die Haut ist abgeschürft und es tut zünftig weh!

Am Abend machen die 3 Japaner aus einem Thunfisch Sushi. Wir gehen nicht hin, Paul will ja sowieso keinen Fisch essen.

Heute ist Sam, von der „sailindonesia“-Organisation hier in Banda eingetroffen. Bis jetzt wurde nämlich hier noch nichts Offizielles geboten.

Wir haben uns für morgen für eine Bootstour zu den Inseln Ay und Run angemeldet. Run ist die Insel, die die Holländer gegen Manhattan (New York) eingetauscht haben.

 

Donnerstag, 09. August 2012: Insel Banda

Seit etwa 4h heute morgen regnet es in Strömen. Um 9h sollten wir bei Abba, in seinem Gästehaus „Mutiara“ sein, um den Bootsausflug mitzumachen. Da es bis um 9h30 weiterhin schüttet, gehen Paul und ich nicht mit. Andere Segler gehen auf den Ausflug und vielleicht werden wir es bereuen nicht mitgegangen zu sein. Die beiden Inseln Ay und Run sollen sehr schön zum Schnorcheln und Tauchen sein.

Ich habe einen schönen, dicken blauen Fleck am Oberschenkel...

Paul hat im Dinghy Regenwasser gesammelt und putzt nun damit das Cockpit richtig gründlich.

Am Nachmittag flickt Paul den Aussenborder von Henri, dem Holländer und seiner spanischen Freundin Mercedes, von der „Delight“. Die „FEE“ hat ihnen Paul als „Aussenborder-Spezialist“ empfohlen. Das ist ja ein sehr schönes Kompliment, aber Paul sollte dafür etwas verlangen....

Sam hat für heute Abend19 h, für die Segler ein gemeinsames Essen mit Unterhaltung im Hotel Maulana organisiert. Kosten pro Person 8 SFr. oder 80'000 Rupiah. 36 Segler nehmen teil.

Um 19h kommen die 13 Segler, die den Ausflug zu den Inseln Ay und Run gemacht haben, endlich zurück. Sie sind alle total nass, durchgefroren und sehr müde! Die Italiener sind von dem Ausflug entsetzt und finden, wir hätten recht gehabt, nicht mitzugehen, bei dem Wetter.

Das Büffet-Essen ist gut und reichhaltig. Aber auf die Informationen und Unterhaltung, die man uns von der „sailindonesia“ versprochen hat, warten wir vergeblich.

Freitag, 10. August 2012: Insel Banda

Den Morgen verbringen wir mit dem stundenlangen Versuch, die Fotos zum Bericht Papua Neu Guinea nach Hause zu senden. Unmöglich, es klappt einfach nicht. Ausserdem versuchen wir, die Seekarten, die uns Giacomo, der Italiener, geliehen hat, zu kopieren. Zuerst schläft der Mann im Kopierladen noch, wir sollen etwa in 2 Stunden wiederkommen. Und als wir es wieder versuchen, macht er uns eine Kopie, auf der man überhaupt nichts lesen kann. Vermutlich die Druckerpatrone leer. Wir machen einen langen Spaziergang über den Markt, inklusive Fischmarkt und kehren zur MABUHAY zum Mittagessen zurück. Am Nachmittag laufen wir zum Fort Belgica hinauf, das von Holländern, Portugiesen und Engländern hart umkämpft wurde. Die sogenannten „Gewürzinseln“ waren von verschiedenen Ländern sehr begehrt. Das Fort ist heute geschlossen, Freitag ist der Feiertag der Moslems, und so laufen wir nur drum herum und danach durch den Ort Banda Neira. Hier hat es enorm viele schöne, alte Häuser aus der holländischen Kolonialzeit, die still vor sich hingammeln und langsam zerfallen. Schade! Zwischen den Häusern und auf den Trottoirs sehen wir Muskatnüsse und Nelken zum Trocknen ausgebreitet. Hmmm..., das riecht herrlich! Auf dem Rückweg kaufen wir lange Bohnen und Salat, essen im Gästehaus „Delfika“ eine Glacé und ich trinke einen herrlichen Zimttee. Kurz nach 16h sind wir auf der MABUHAY und verbringen den Abend gemütlich an Bord. Wir laden Hans auf ein Bier zu uns ein, für seine Hilfe beim Anlegen und mit dem Gross-Segel.

Kommentare
()
Einen neuen Kommentar hinzufügenEine neue Antwort hinzufügen
Ich stimme zu, dass meine Angaben gespeichert und verarbeitet werden dürfen gemäß der Datenschutzerklärung.*
Abbrechen
Antwort abschicken
Kommentar abschicken
Weitere laden