Samstag, 18.August 2012: Wakatobi
Irgendwann, am Morgen sichten wir die Inselgruppe Wakatobi. Der Name WAKATOBI setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der vier Hauptinseln der Inselgruppe zusammen. Wangiwangi, Kaledupa, Tomia und Binongko zusammen. Die Inselgruppe befindet sich in Zentralindonesien und gehört zu Sulawesi.
Am VHF-Funk hören wir, wie die „sailindonesia“ Teilnehmer aufgefordert werden, sich zu melden. Ich melde uns und mit vielem Hin-und Hergeschreie an der Funke werden wir von Gino und seinen zwei Helfern mit einem Boot abgeholt und Gino kommt zu uns an Bord. Er steuert die MABUHAY durch eine enge Riff-Passage, die bei Hochwasser nur 4 m tief ist (wir haben 2m Tiefgang), in die Lagune vor dem Ort Wanci (oder Wanji). Hier werden wir von den Helfern an einer Boje festgemacht und fühlen uns hier sofort sehr wohl. Die Lagune ist herrlich schön blau und das Wasser sehr ruhig. Gino erklärt uns, dass er der einzige „sailindonesia“-Komitee -Vertreter in Wakatobi sei. Er heisst uns herzlich willkommen und sagt uns alles Wichtige: Müll, Wasser, Diesel, Benzin, Internet. Wir spendieren ihm ein Bier an Bord der MABUHAY. Seine Helfer wollen nichts, sie sind Moslems und dürfen bis heute Abend, Sonnenuntergang, nichts essen und trinken. Heute ist der letzte Tag des Ramadan. Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und der islamische Fastenmonat.
Paul schenkt den beiden je eine 200 gr Tafel Schokolade aus Neuseeland, aber erst für morgen!, und die zwei freuen sich wie die Kinder. Nach einem kurzen Mittagessen (Spiegeleier und Brot), geniessen wir bei herrlichstem Sonnenschein ein entspannendes Bad im Meer. Ahhh, ist das schön!
Komischerweise sind in dieser Bucht nur 2 andere Segelschiffe anwesend. Die „Australis 3“ und die Japaner „Harmony 6“. Hinter uns kommt direkt die „Kakadu“ aus Neuseeland, mit Anne und Graham. Sie nehmen mit uns Funk-Kontakt auf und wir helfen, sie in die Lagune zu lotsen.
5 Schiffe sind auf der nahen Insel Hoga gelandet und 6 auf der Insel Tomia. Dabei war als Ziel klar und deutlich Wangiwangi angesagt. Hier soll nämlich am Montagabend eine „welcomeparty“ für uns stattfinden. Wir müssen unsere Uhren hier wieder um eine Stunde zurückstellen. (6 Stunden Vorsprung auf die Schweiz).
Gegen 16h30 wassern wir unser Dinghy und gehen in den Ort Wanji. Jetzt ist Tiefwasser und wir können kaum auf den Steg hinauf klettern. Der Spaziergang über den kleinen Markt durch Wanji ist sehr schön und interessant. Die Leute sind enorm nett und alle lachen uns an. Von überall her tönt es : “Hallo Misteeer!“ Hier sind meist Moslems und die Frauen scheinen nicht so wichtig zu sein....
In den Gärten und Höfen sehen wir, wie Güggeln (Hähnen), Hühnern und Enten der Kopf abgeschnitten wird, für das morgige Festmahl, zur Feier des Ramadanendes. Ein kleiner Junge trägt stolz einen(noch) lebenden Güggel auf den Armen. Ich frage seine Mama, ob ich den Kleinen fotografieren darf. Sie bejaht und ich zeige den beiden anschliessend das Foto. Der Knabe hält den Hahn so hin, dass er das Foto auch sehen kann! Wir sehen eine Vespa, beladen mit der ganzen Familie, Mann, Frau, zwei Kindern und quer noch einen riesigen (bestimmt 1m ) grossen Thunfisch. Die meisten Restaurants sind geschlossen, werden erst nach Sonnenuntergang geöffnet. Aber wir finden doch noch eine Gaststätte wo wir schon um 18h einen Teller voll Nasi Goreng Telur (gebratenen Reis mit einem Spiegelei) essen können. Mit einem grossen Glas Tee und 4 dl Mineralwasser bezahlen wir für alles 35'000 Rupiah (3.50 SFr.) für 2 Personen.
Das Hinabklettern vom Steg ins Dinghy ist wieder sehr abenteuerlich (jetzt ist es dunkel). Zurück auf der MABUHAY sitzen wir im Cockpit und schauen noch etwa 1½ Stunden dem Feuerwerk zu, das rund um die Bucht zur Feier des Ramadanendes überall in den Himmel geschossen wird. Es ist ein wunderschöner Abend! Wir sind hier in Hörweite von 4 (vier) verschiedenen Moscheen und die Muezzine wetteifern stundenlang um den schönsten, natürlich verschiedenen „Gesang“. Schade, dass die sich nicht ein wenig koordinieren können. Wir schlafen (um 20h) mit „Allah-uh-Akbar“ ein...
Der Ramadan „Sommerhitze“ ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und der islamische Fastenmonat. Vormonat ist der Scha'ban, ihm folgt der Schauwal.
Beginn und Ende des Ramadan
Während das tägliche Gebet und die islamische Pilgerfahrt auf festgelegten Zeiten beruhen, ist der Beginn und das Ende des Fastenmonats Ramadan im islamischen Überlieferungswesen stets widersprüchlich überliefert und diskutiert worden. Den Anfang des Ramadan zeigt die Sichtung der neuen Mondsichel am Ende des letzten Tages/in der letzten Nacht des Vormonats Scha'ban an. Der Grundtypus des Propheten lautet:
„Der Monat besteht aus 29 Tagen. Fastet erst, wenn ihr die Mondsichel seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie wieder seht. Und wenn der Himmel über euch bedeckt ist, so vervollständigt die Zahl der Scha'ban-Tage/ auf 30 Tage“.
Ausschlaggebend für den Beginn bzw. für das Ende des Ramadan ist jeweils die Sichtung der Mondsichel durch einen oder durch mehrere Zeugen.
Die klaren Anweisungen im Koran haben zur Klärung des im späten 7. Jahrhundert diskutierten Sachverhalts über den Beginn und das Ende des Fastenmonats nichts beigetragen. Die Festlegung des Ramadanbeginns gibt in der arabisch-islamischen Welt bis in die Gegenwart hinein jedes Jahr Anlass zu kontroversen Diskussionen. Denn der Verzicht auf die Sichtung der neuen Mondsichel als Anfang des Ramadan durch eine astronomische Berechnung führt zwangsläufig zur Ignorierung des prophetischen Gebots: „...fastet erst, wenn ihr die Mondsichel seht...“ usw.
Der tägliche Fastenbeginn und Fastenabschluss
Das Fasten wird dem Tag, das Fastenbrechen der Nacht zugerechnet, wobei die koranische Direktive:
„...und esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weissen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt!“
ebenfalls einer näheren Klärung bedurfte. Der Koranvers verlangt unmissverständlich den Fastenbeginn bei Morgendämmerung. Und zwar dann, wenn die ersten Hell- bzw. Dunkelwerte voneinander zu unterscheiden sind. Eine genauere Klärung erzielte man durch das Heranziehen z. B. mit folgendem Wortlaut: „esst und trinkt, bis Ibn Umm Maktum zum Gebet ruft“.
In der unmittelbaren Fortsetzung dieses Koranverses wird dann das Ende des täglichen Fastens beschrieben:
„Hierauf haltet das Fasten durch bis zur Nacht“
Die Diktion der Offenbarung „bis zur Nacht“ ist auch in diesem Fall sowohl näher erörtert worden, weil offensichtlicher Klärungsbedarf bestand. Dass man darunter nicht unbedingt nur den Sonnenuntergang und das Erlöschen des Sonnenlichts verstand
Die Rechtslehre hatte angesichts der vagen Formulierungen des Korans einen mehr oder weniger tragfähigen Konsensus betreffs des täglichen Fastenbeginns bzw. Fastenendes getroffen. Bei der Schaffung eines einheitliche Ritualvollzuges war der Zeitpunkt des Sonnenaufgangs bzw. Sonnenuntergangs massgebend, wobei man die Morgendämmerung - Fastenbeginn - zeitlich aufzuteilen bestrebt war: Morgendämmerung gemäss Koran mit dem ersten aufsteigendem Licht und die „zweite Morgendämmerung“, die Morgendämmerung, die sich als feiner Streifen über den Horizont ausbreitet. Letztere ist dann als Zeitpunkt des täglichen Fastenanfangs kanonisiert worden; sie ist die Morgendämmerung, deren Licht - wie es in der Hadithliteraur heißt - „Häuser und Wege mit Licht erfüllt“.
Die Pflichten während der Fastenzeit
Das Fasten im Sinne des Gesetzes ist: Enthaltung von das Fasten brechenden Sachen: vom Verzehr jedweder irdischer Substanzen, Speisen und Getränken, Rauchen, Geschlechtsverkehr, Menstruation, Trunkenheit, Irrsinn machen das Fasten ungültig. Zum Fasten ist jeder Muslim verpflichtet, der in vollem Besitz seiner Geisteskräfte, volljährig und physisch dazu imstande ist. Das Fasten eines Nicht-volljährigen mit Unterscheidungsvermögen ist ebenfalls gültig.
Neben diesen praktischen Aspekten der Fastenpflicht gibt es mehrere ethisch-moralische Komponenten, die der Muslim im Ramadan zu beachten hat. Unbedingt zu vermeiden sind üble Nachrede, Verleumdung, Lügen, Beleidigungen aller Art, ferner solche Handlungen, die zwar nicht verboten sind, die aber die Leidenschaft in sich oder bei anderen erregen könnten.
Es war die Aufgabe der islamischen Jurisprudenz in ihren unterschiedlichen Richtungen, die praktischen Regelungen des Fastens festzulegen. Aber schon der Koran ließ Ausnahmen zu:
„Und wenn einer krank ist oder sich auf einer Reise befindet und deshalb nicht fasten kann, ist ihm eine entsprechende Anzahl anderer Tage zur Nachholung des Versäumten auferlegt. Gott will es euch leicht machen, nicht schwer. Macht darum durch nachträgliches Fasten die Zahl der vorgeschriebenen Fastentage voll und preiset Gott dafür, dass er euch rechtgeleitet hat! Vielleicht werdet ihr dankbar sein.“
Schwangere Frauen und Kranke sowie Kinder vor Erreichen der Pubertät sind zum Fasten nicht verpflichtet.
Sonntag, 19.August 2012: Wakatobi
... und erwachen mit „Allah-uh-Akbar“ bereits um 3h30 wieder. Nach kurzem Wiedereindösen, geht es gegen 6h wieder los. Und jetzt kommen -zig knatternde Holzboote an der MABUHAY vorbei. Die Leute sind festlich angezogen und die Motoren tönen wie Helikopter. Ich habe, während ich noch im Bett liege, das Gefühl mitten auf einem Helikopterlandeplatz zu sein.
Heute ist Idul Fitri das Ende des Ramadan.
Um 7h15 waschen wir schon eine Maschine Wäsche. Von den Moscheen tönt das vielstimmige „Allah-uh-Akbar“ (Allah ist gross) der Gläubigen zu uns herüber. Um 8h00 ist der Gottesdienst (oder wie heisst das bei den Moslems?) vorbei und alle Boote knattern wieder an uns vorbei und alle Leute winken uns fröhlich zu. Es ist ein herrlicher Sonnentag. Um 10h30 machen wir einen 2-stündigen Spaziergang durch den Ort. Da herrscht ein enormes Geknatter von unendlich vielen Mopeds. Die Frauen sitzen mit ihren schönsten, spitzenverzierten Schleiern und Stöckelschuhen hinten drauf, oder fahren auch selber die Vespas. Und immer wieder:“hello Misteeer!!!“ Irgendwo entdecken wir eine Höhle mit einem unterirdischen Fluss, wo zwei Männer baden. Sie laden uns zu sich ins Wasser ein, aber wir verzichten dankend.
Zurück auf der MABUHAY geniessen wir den Sonntagnachmittag. Zwei Segler, die Italiener „Tamata“ und die Deutschen “Solar Planet“ trudeln ein.
Das Ende des Ramadanfastens (Idul Fitri)
Mit dem Beginn des neuen Monats Schawwal, den man ebenfalls durch die Sichtung der neuen Mondsichel festlegt, im Zweifelsfalle den Ramadan auf dreissig Tage verlängert, feiert man das Fest des Fastenbrechens. Die Festlichkeiten beginnen mit dem obligatorischen Gemeinschaftsgebet, nachdem man die pflichtmässige Spende, die Almosensteuer des Fastenbrechens spätestens am 1. Schawwal an Bedürftige entrichtet hat. Da dieses Fest der schweren Fastenzeit ein Ende bereitet, wird es über drei Tage fröhlich und festlich begangen.
Montag, 20.August 2012: Wakatobi
Seit heute morgen etwa 6 h steckt ein grosses Holzschiff, seit der Ebbe, mitten in der Einfahrt fest. Es dauert Stunden, bis es um ca. 12h30 endlich wieder frei schwimmt.
Heute kommen 4 Segelschiffe von der Insel Hoga hier an. Gino hat alle Hände voll zu tun, sie um 13h, bei Hochwasser in die Lagune zu lotsen.
Es ist ein schöner sonniger Tag. Wir sind bereits um 9h30 draussen am nahen Riff und wollen schnorcheln. Aber oha! Meine Taucherbrille und der Schnorchel sind nicht mitgekommen. Sie liegen immer noch auf dem Deck der MABUHAY. Paul macht einen kurzen Schnorchelprobegang um zu sehen, was es da zu bestaunen gibt. „Nichts Besonderes“, meldet er. Also habe ich nichts verpasst. Zurück an Bord, machen wir uns einen gemütlichen Lesevormittag und beobachten zwischendurch die ankommenden Schiffe. Das ist sehr interessant. Manchmal werden auf kleinen Holzbötchen Motorräder samt Fahrer mit Helm transportiert...
Um 14h sind wir bei Gino im Büro beim Fähranlegehafen und werden per Auto zu einem Festplatz in der Stadt gekarrt. Da wimmelt es nur so von Leuten. Wir sind etwa 15 Segler. Wir werden auf eine kleine Tribüne geleitet und müssen uns da auf den Boden setzen. Irgendwann, gegen 15h15 geht das Fest los, nachdem endlich auch der Bürgermeister eingetrudelt ist. Wir müssen die Plätze wechseln, weil wir irgendwie im Weg sind. Jetzt sitzen wir auf Teppichen am Boden, genau hinter dem Bürgermeister. Das Fest das heute stattfindet, heisst "Kabuenga-Festival“ und dient dazu, junge Leute als Braut und Bräutigam zusammen zuführen. Zuerst gibt es lange Ansprachen, von denen wir kein Wort verstehen. Aber das macht nichts, es ist interessant, die Leute zu beobachten. Vor allem die Frauen, vom kleinsten Mädchen bis zur Grossmutter sind alle in festliche Gewänder gehüllt, mit Schmuck behängt und wunderschön geschminkt. Wir lernen die beiden Schwestern Uli (18) und Nawar (16) kennen, die das Festival präsentieren. Auch sie beide bezaubernd schön zurecht gemacht. Bevor das Fest zu Ende ist, nach ca. 2 Stunden, dürfen wir noch von den traditionellen Speisen probieren, die vorbereitet wurden. Das war eine tolle Erfahrung, dieser Nachmittag. Die Leute sind alle wahnsinnig nett und wollen unbedingt mit uns Weissnasen zusammen fotografiert werden.
Vorbei am öffentlichen Bad im Fluss, links für Männer, rechts für Frauen, aber gut sichtbar von der Strasse aus, laufen wir zurück zu den Autos und werden wieder zum Hafen geführt. Dort erfahren wir, das sich das monegassische Schiff „Odilon“, kurz nach 14 h, als wir weggefahren sind, von der Boje gelöst hat und übers Riff gedriftet ist. Zum Glück waren noch einige Segler auf ihren Schiffen und Peter von der „Persian Sands“ konnte das Schiff wieder in die Lagune schleppen, ohne dass Schaden entstand.
Es ist bereits 19h als wir mit ein paar Autos zum Abendessen in das etwa 50 Minuten entfernte „Patuno Resort“ gefahren werden. Jetzt sind wir über 20 Segler. Es gibt ein herrliches Büffet mit lauter traditionellen indonesischen Gerichten. Mmmm... herrlich! Danach gibt es wieder ein paar Ansprachen, eine vom Bürgermeister (klar, das Resort gehört ihm!), eine vom Tourismusdirektor und eine kurze von den Seglern als Dank für die grosszügige Einladung (wir müssen nur die Getränke bezahlen). Jedem Segler wird ein handgewebter Schal umgehängt und nach ein paar schönen indonesischen Tänzen einer Tanzgruppe und Gesängen vom Polizeidirektor geht es um 22h zurück zum Hafen. Kurz nach 23h sind wir wieder auf unseren Schiffen. Wow, was für ein toller Tag!










































