Indonesien: Wakatobi, 21.08. - 23.08.2012, Teil 2
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Dienstag, 21.August 2012: Wakatobi

Ich will schnell noch einen Brotteig kneten. Aber das Mehl ist sehr „bewegt“! Es wimmelt nur so von schwarzen, kleinen Käfern. Ein paar würden uns ja nichts ausmachen, aber soooo viele! Das Mehl wird sofort als Fischfutter entsorgt. Die Kontrolle der anderen 500gr-Mehlportionen ergibt keine weiteren blinden Passagiere.

Nach dem Mittagessen schnorcheln wir ein wenig herum. Für unsere (verwöhnten) Begriffe nichts Besonderes. Nur an einem hölzernen Wrack tummeln sich viele kleine Fische. Später gehen wir in den Ort in einen Laden, um das Handy-Guthaben aufzuladen. Wir fragen den jungen, einarmigen Mann, ob es ein offenes Restaurant gebe, wo wir zu Abend essen können. Er schliesst kurzerhand seinen Laden zu, fordert uns auf, in sein Auto zu steigen und führt uns zu einer Strassenküche. Alle anderen Restaurants sind noch geschlossen wegen dem Ende des Ramadans! Nun chauffiert uns Buddy (so heisst der junge Mann) zur Stelle zurück, wo unser Dinghy liegt. Er bietet uns an, heute Abend mit uns eine Rundfahrt über die Insel zu machen. Aber wir haben mit den Neuseeländern (aus Auckland) Angela und Ian von der „Sea Eagle II“ abgemacht, zusammen essen zu gehen.

Swen und Katrin von der „Solar Planet“ verlegen ihr Schiff nach ausserhalb der Lagune, damit sie morgen nach Flores auslaufen können, ohne auf das Hochwasser achten zu müssen.

Um 18h treffen wir uns bei Ginos Büro und laufen zur Strassenküche, die Buddy uns gezeigt hat. Es riecht schon herrlich nach Sate, Spiesschen mit Hühnerfleisch vom Grill. Zuerst bestellen wir eine Hühner-Gemüsesuppe. Die ist prima. Danach bestellen wir Sate. Aber das ist gar nicht so einfach! Angela hat ein indonesisch-englisches Wörterbuch. Wir verstehen, dass ein Sate-Spiesschen 10'000 Rupiah kostet. Aber wir finden das sehr teuer, 1 SFr, oder 1 US$ für so wenig Fleisch. Wir bestellen für Paul und mich je 2 Stück. Angela und Ian wollen zusammen 3 Stück. Als die Sate dann kommen, gibt es grosse Aufregung! Wir bekommen im ganzen für alle vier 50 Sate-Spiesschen!!! Wir retournieren sie umgehend, wenn jedes 10'000 kostet werden wir ja richtig arm, das wären dann 50 Fr.! Zum Glück kommt endlich jemand dazu, der Englisch spricht. Er klärt die Situation auf. Ein Spiesschen kostet 1000, also 10 Rappen, 10 Stück (das ist eine Portion) kosten 10'000, also 1 SFr.. Aha, damit können wir leben und ordern den Berg Spiesschen sofort wieder an. Und sie sind wirklich herrlich, mit einer feinen Erdnusssauce, mmm... Am Schluss bezahlen wir für die Suppen und Spiesschen, dazu Wasser, für 2 Personen 40'000 Rupia = 4 SFr oder 4 US$. Und sehr gut war's!

Nach dieser Aufregung trinken wir auf der MABUHAY noch zusammen ein Bier und besprechen wieder einmal die Weiterreise.

Mittwoch, 22.August 2012: Wakatobi

Heute ist es leicht bewölkt. Am Morgen wird gehaushaltet. Am Nachmittag gehen wir in den Laden, wo wir beim einarmigen Buddy das Handy-und Internetguthaben aufgeladen haben. Das Internet mit dem Flashnet-Stick funktioniert absolut nicht. Nach einer Stunde hat Buddy und sein Kollege herausgefunden, dass die SIM-Karte die wir in Saumlaki gekauft haben, irgendwie defekt ist. Also kaufen wir eine neue SIM-Karte und die Verbindung zum Internet scheint zu funktionieren. Trotzdem will ich zum Internet Hotspot, um den neuen Bericht mit Fotos nach Hause zu senden. Als wir dort ankommen, ist gerade Stromausfall.... Also wieder nichts mit Internetverbindung! Oh Mann, ist das mühsam.

Um 18h erhalten wir plötzlich einen Telefonanruf auf die indonesische Handynummer. Es ist Giuseppe, der Italiener aus Sizilien. Er kommt in etwa 2 Stunden mit seinem Schiff (eine Swan) aus Banda hier an. Weil er einen Tiefgang von 3.10m hat kann er nicht durch die Riff-Einfahrt in die Lagune kommen. Er fragt mich, ob es draussen vor der Lagune noch freie Bojen hat. Ja es hat, aber ich teile ihm mit, dass er auf VHF Kanal 16 mit Gino Kontakt aufnehmen soll. Ich rufe Gino über die Funke an und teile ihm die Ankunft von Giuseppe mit. Um 20h kommt Giuseppe an und wird von Ginos Helfern an die Boje geleitet. Hier merkt man, dass Giuseppe's Schiff viel zu gross (60 Fuss = ca. 18 m) und zu schwer ist für die Boje und er muss auf 38 m Tiefe ankern. Vorher wird das Schiff beinahe noch auf das Riff gesetzt.

Donnerstag, 23.August 2012: Wakatobi

Um 9h sind wir mit Angela und Ian bei Gino's Büro. Die Schwestern Nawar und Uli begleiten uns auf einen Ausflug. Per Taxi fahren wir in ein Resort, wo wir unser Mittagessen bestellen. Danach besuchen wir das Bajo Dorf, das direkt neben dem Bajo-Resort liegt.

Die Bajo's sind ein Volk von Seenomaden. Diese hier wohnen aber nicht auf Schiffen, sondern auf Stelzenhäusern, die im Wasser stehen.

Seenomaden

Die Bajo sind ein Volk von Seenomaden, das in Südostasien zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean lebt. Formal haben sie die indonesische Staatsbürgerschaft, sie besitzen aber eine eigenständige Sprache und Kultur. Von den Festlandbewohnern werden die Bajo als „orang lao“ (Volk des Meeres) bezeichnet.

 

Die kleinen überdachten Boote, auf denen die Bajo einen Grossteil ihres Lebens verbringen, heissen „Lepas“. Auf ihnen lebt auf etwa zwei Quadratmetern oft eine ganze Familie. Mehrere dieser Boote zusammen bilden ein Dorf. Die Bajo verlassen sie praktisch nur wenn es absolut nötig ist, beispielsweise um Feuerholz oder Material für Werkzeug zu beschaffen. Selbst Stürme treiben sie nicht an Land, sondern veranlassen sie lediglich dazu Schutz in der Nähe von Inseln, in Buchten oder Mangrovenwäldern.

 

Das Hauptnahrungsmittel der Bajo ist Fisch in allen Variationen. Bei der Jagd machen sie sich eine spezielle Klappe im Boden ihrer Boote zu nutze, um den Bewegungen der Fischschwärme unter ihnen zu lauschen. Angeblich sind sie sogar in der Lage die Aktivität der Meeresböden wahrzunehmen und sollen den Tsunami vom 26. Dezember 2004 nahen kommen gehört haben.

 

Obwohl die indonesische Regierung versucht sie an Land anzusiedeln, entscheiden sich viele Bajo dagegen, da dies einen weitgehenden Verzicht auf ihre Tradition bedeuten würde. Andere nehmen diese Möglichkeit wahr, um ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen.

 

Während etwa 2 Stunden schauen wir uns die Bajo-Siedlung an und sind ziemlich erschüttert. Dass man so einfach leben kann, können wir uns gar nicht mehr vorstellen. Es ist überall schmutzig und es wimmelt nur so von Kindern. Aber fast in jedem Haus läuft ein Fernseher und die meisten Leute haben ein Handy in den Fingern. Und auch hier fehlen die elenden Knatter-Mopeds nicht. Wir kommen an einem Fest mit ohrenbetäubend lauter Musik vorbei. Etwa 8 Knaben sitzen geschminkt und in festlichen Kleidern in einer Reihe auf Stühlen. Sie sind alle 10 Jahre alt und werden, gemäss Moslemglauben auf das religiöse Erwachsenenleben vorbereitet. Nächstes Jahr werden sie vielleicht schon am Ramadan-Fasten teilnehmen. Die Ärmsten, sie sehen alle nicht sehr glücklich aus!!!

Uli und Nawar zeigen uns noch, auf welcher Insel die Bajo ihre Toten begraben.

Wir kehren zurück zum Bajo-Resort und freuen uns auf unser Mittagessen. Es dauert unendlich lange, bis wir nur schon einen Fruchtsaft, Sprite oder Cola bekommen. Wir haben am Morgen 3 Hühnersuppen bestellt, aber es hat jetzt nur 2. Paul und ich essen die Hühnersuppen. Es ist sehr viel Huhn drin, aber so zäh, dass wir es nicht kauen können.... Ian bekommt anstatt Suppe fritiertes Huhn, das scheinbar essbar ist. Wir hatten 4 mal Sate (Hühnerspiesschen) bestellt, bekommen aber nur 3. Paul isst keine Spiesschen. Angela und Ian möchten noch eine Fanta, ist aber keines mehr da. Oh je! Uli und Nawar essen Reis und fritiertes Huhn. Am Schluss teilen wir uns mit Angela und Ian die ganze Rechnung und bezahlen auch das Essen der beiden Schwestern. Aber ein Danke hören wir nicht. Das Taxi kostet 100'000 Rupia (10 SFr., egal wieviele Leute drin sind) und wenn wir jetzt noch das Fort (ein paar eingefallene Mauern) besichtigen wollen kostet es nochmals soviel. Wir lehnen dankend ab. Wir müssen noch mit den beiden Schwestern ins Fotostudio um von unserem Fotoapparat zwei Fotos auszudrucken, wo wir alle zusammen drauf sind. Die Indonesier sind ganz scharf auf Fotos wo sie zusammen mit uns Weissen drauf sind. Übrigens sagt uns die 16-jährige Nawar ein paar mal, dass ihr unsere Nasen gefallen. Wir wissen aber nicht, ob das ernst gemeint ist.

Um 14 h sind wir zurück auf der MABUHAY, wo wir alle 4 noch einen Kaffee trinken. Giuseppe kommt mit seinen Gästen vorbei und dankt mir für die gestrige Hilfe.

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