Mittwoch, 31.Oktober 2012: Danga Bay Marina, Johor Bahru, Malaysia
Nun sind wir also in Malaysia. Um 9h30 sagt man uns, die Tide (Wasserstand) sei nun hoch genug und wir können in die Marina einfahren. Paul's Tidenprogramm sagt zwar, dass heute erst um 11h53 Hochwasser sei, aber wir schaffen es reinzukommen. Zwar meint Paul, wir schleifen mit dem Kiel durch den Schlamm. Aber stecken bleiben wir jedenfalls nicht, wie das andere Segler gemacht haben.
Wir bekommen den äusserten Platz an Steg 2. Nach dem Anmelden im Büro, machen wir bei Kathrin und Swen auf der „Solar Planet“ einen kurzen Besuch.
Nach dem Mittagessen braut sich eine gewaltige schwarze Wand zusammen und kurz darauf regnet es. Um 14h30 müssen wir beim Marinabüro sein, um zum Einklarierungsamt zu fahren. Es darf nur eine Person pro Boot mitfahren. Also bleibt Paul zurück, weil er kein Englisch spricht. Aber er hätte genau so gut gehen können. Im Einklarierungsamt (Zollfreie Zone) müssen wir einfach unserem Fahrer alle Pässe abgeben und sonst gar nichts. Wir warten etwa 1½ Stunden und ich hole inzwischen Malayische Ringgits an der Geldmaschine. Unterdessen schüttet es wieder mal aus allen Rohren! Um 17h sind wir zurück in der Marina, die Personen und Schiffe sind jetzt einklariert. Nun dürfen wir 90 Tage hier in Malaysia bleiben.
Malaysia
Amtssprache: Malaiisch
Hauptstadt: Kuala Lumpur
Staatsform: Föderale parlamentarische Wahlmonarchie
Staatsoberhaupt :König Abdul Halim Mu'adzam Shah
Regierungschef: Premierminister Najib Razak
Nationalfeiertag: 31. August (Unabhängigkeitstag von Großbritannien 1957).
Fläche: 329.758 km²
Währung: Ringgit (1 Ringgit: 0,305 Sfr./ 1 Sfr.: 3,27 Ringgit, am 1.11.12)
Einwohnerzahl: 28.334.135 (Volkszählung 2010)
Bevölkerungsdichte 84,09 Einwohner pro km²
Zeitzone: Indo-China-Time (UTC+8)
Malaysia ist ein Staat in Südostasien und besteht aus zwei durch das Südchinesische Meer getrennten Landesteilen, der malaiischen Halbinsel im Westen und Teilen der Insel Borneo im Osten. Der Westteil grenzt im Norden an Thailand, im Süden befindet sich auf einer vorgelagerten Insel der Stadtstaat Singapur, der Ostteil teilt sich eine lange Grenze mit Indonesien und umschließt im Norden das Sultanat Brunei. Der Großteil der etwa 28,3 Millionen Einwohner lebt im westlichen Teil.
Malaysia wurde aus verschiedenen Gebieten gebildet, die in unterschiedlicher Form alle Teil des British Empire waren, seine endgültige Unabhängigkeit erhielt es 1963. Staatsoberhaupt ist der König Malaysias, der alle fünf Jahre aus einer Reihe von neun Adelsträgern gewählt wird, damit ist das Land eine der wenigen Wahlmonarchien der Welt. Das Parlament Malaysias setzt sich nach britischem Vorbild aus Ober- und Unterhaus zusammen.
Tanjung Piai, das sich im südlichen Staat Johor befindet, ist der südlichste Punkt des asiatischen Kontinents, wenn man die Insel Singapur, die mit dem Kontinent nur durch eine künstliche Brücke verbunden ist, ausser Acht lässt. Zwischen der malaiischen Halbinsel und der indonesischen Insel Sumatra befindet sich die Strasse von Malakka, ein für den Welthandel bedeutender Seeweg und eine der meistbefahrenen Schiffsrouten der Welt.
Donnerstag, 1.November 2012: Danga Bay Marina, Johor Bahru, Malaysia
Ich kann bis um 3h morgens kein Auge zu tun. Paul schläft im Cockpit oben. In der Lazio Bar der Marina wird bis um 2h gesungen. Anstatt mich schlaflos im Bett herumzuwälzen, sende ich den Bericht Flores, Rinca, Komodo nach Hause und Fotos dazu. Aber nach der ersten Portion Fotos klemmt es bei Bluewin, oder ist es hier in Malaysia? Ich muss wieder unverrichteter Dinge ins Bett und kann keine Fotos mehr senden. Grr... Frust!!!
Kurz nach 9h sind wir schon unterwegs im Bus in die Riesenstadt Johor Bahru. Paul will zum Zahnarzt, er braucht eine Totalsanierung. Wir finden tatsächlich die Zahnklinik und erschrecken dann über den Preis den man uns dort nennt! Also dann gehen wir halt, wenn wir schon mal da sind, zum Coiffeur. Paul kostet 10 Ringgit (etwa 3.35 SFr.), ich 15 (ca.5 SFr.). Zufällig sehen wir eine andere Dentalklinik und versuchen es nochmals. An der Rezeption sitzen in Reih und Glied 4 (vier) Frauen mit Kopftuch nebeneinander um uns zu empfangen. Paul muss ein wenig warten, dann wird er vom Zahnarzt untersucht und seine Kiefer geröntgt. Hier ist der Preis schon sehr viel annehmbarer, aber die Zeit ist zu kurz in der wir in Malaysia sind, und so kommt das auch nicht in Frage.
Nach einem nicht so besonderen indischen Mittagessen bekommt Paul seine erste malayische Glacé, einen Bananasplit und ich ein Käffchen. Später finden wir einen indischen, sehr schönen Tabakladen, wo Paul sich wieder einmal ein paar „Villiger Stumpen“ leistet. Wir spazieren ein wenig in der Stadt herum, bis es unheimlich anfängt zu regnen und wir irgendwo unterstehen müssen. Mit dem Bus geht es zurück zur Marina.
Johor Bahru (وهر بهجرو)
Höhe: 37 m
Fläche: 185 km²
Einwohner: 1.463.800
Metropolregion: 2.374.778
Dichte: 7912,4 Ew./km²
Die Hafenstadt Johor Bahru (das „neue Juwel“); ist eine Stadt in Malaysia an der Südspitze der malaiischen Halbinsel, unmittelbar der Insel Singapur gegenüberliegend. Umgangssprachlich wird die Stadt in der Region als „JB“ bezeichnet. Sie ist eines der wirtschaftlichen Zentren Malaysias.
Durch die Nähe zu Singapur wurde die Stadt zu einem Verkehrsknotenpunkt mit hohem Handelsaufkommen.
Aus Johor Bahru kommt mittels grosser Rohrleitungen über den „Causeway“, einen Strassendamm, ein erheblicher Teil der Wasserversorgung für Singapur.
In der Schlacht von Malaya im Zweiten Weltkrieg eroberte die japanische Armee am 31. Januar 1942 die Stadt und die Residenz des Sultans und wurde zu einem Planungszentrum für die Eroberung Singapurs, die Nachbarstadt Johor Bahrus. Kurz nach dem Krieg wurde die Stadt zu einem Zentrum des malaiischen Nationalismus.
In den 60er Jahren erfuhr die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dadurch kam es zu Erschliessung von Siedlungsgebieten und Industrieniederlassungen.
Der Bundesstaat Johor und die malaysische Bundesregierung unterstützen das Wirtschaftsprogramm mit Staatsgeldern.
Freitag, 2.November 2012: Danga Bay Marina, Johor Bahru, Malaysia
Der Morgen ist sehr heiss und drückend, am späteren Nachmittag giesst es wieder aus vollen Kannen.
Die Danga Bay Marina wäre eigentlich eine sehr schöne Marina. Sie ist ungefähr 4 Jahre alt und leider schon sehr vergammelt. Vermutlich wurde die ganzen Jahre nichts für den Unterhalt getan und jetzt muss überall saniert werden. Vor etwa einem Monat wurde der Manager ausgewechselt und nun gleicht die Marina einer grossen Baustelle.
Die Angestellten sind nett, aber kein Vergleich mit der Herzlichkeit der Indonesier. Die Malayen sind alle eher ein wenig reserviert.
Von 16h bis 18h findet die Begrüssung und Information für die Teilnehmer der „sailmalaysia“ statt. Es sind etwa 70 Schiffe, die von hier bis an die Grenze Thailands segeln. Nach der Info gibt es Nudeln und ganz kleine Frühlingsrollen zu futtern.
Paul und ich sind um 20h bereits im Bett. Aber wir können beide nicht schlafen. Also sitzen wir um 21h30 im Cockpit und trinken etwas. Gegen 23h30 wird plötzlich auf der Baustelle, direkt neben der Marina, Sand herangebaggert, zwecks Landgewinnung. Wir können es nicht glauben. Die Maschinen machen so einen Saulärm, dass an Schlafen erst recht nicht zu denken ist. Von der Lazio Bar im Marinagebäude ertönt Musik und Gesang...
Und nun hat Skipper Paul die grandiose Idee, er mache jetzt à la Carte, von 6 Eiern Rührei für zwei Personen. Und das macht er tatsächlich und wir essen um kurz vor Mitternacht Rühreier (nur der Schinken oder Speck fehlt!).
Samstag, 3.November 2012: Danga Bay Marina, Johor Bahru, Malaysia
Wir wechseln wieder einmal die Schweizerflagge aus. Die Alte sieht ziemlich zerfleddert aus.
Per Bus fahren wir in den Supermarkt „Giant“, um wieder einmal ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.
Paul kauft 11 Liter Benzin (1 Liter 1.90 Ringgit = knappe 60 Rappen) und 5 Liter Motorenöl und am Nachmittag macht er Ölwechsel am Yanmar. Er hockt im Motorenraum und lange Zeit höre ich nichts. Aber plötzlich geht das Gefluche los: Im letzten Moment schmeisst er noch den Behälter mit dem alten Öl um...!!!
Abends regnet es stundenlang. Wir sitzen im Cockpit und hören zu, wie es auf's Dach trommelt.
Bevor wir ins Bett gehen, frage ich Paul, ob wir den Wecker stellen sollen, um rechtzeitig für den Ausflug aufzustehen. „Nein, nein, kein Problem, ich erwache schon rechtzeitig.“
Sonntag, 4.November 2012: Danga Bay Marina, Johor Bahru
Um 6h50 schrecke ich aus dem Schlaf auf. Wir haben verschlafen und ich wecke Paul. Aber er meint ganz cool: “Ich bin schon lange wach!“ Toll, mein Wecker! Um 7h00 sollen wir beim Bus für den Tagesausflug sein!!! Zum Frühstück gibt es einen Becher kalte Milch (für den unzuverlässigen Wecker mit Kakaopulver) und einen Waffelriegel dazu.
Aber wir sind rechtzeitig im Bus, der dann doch erst um 7h30 losfährt. Es sind drei Busse im Einsatz. Das Wetter ist schön. Zuerst fahren wir zur Puteri Marina, wo ein paar Segelschiffe der „sailmalaysia“ stationiert sind, und wir holen die Leute dort ab. Rund um die Marina wird unheimlich gerodet und gebaut. Überhaupt herrscht hier eine wahnsinns Bauwut. Überall schiessen Hochhäuser und riesige Einfamilienhaussiedlungen mit etwa 500 fast identischen Einfamilienhäuschen aus dem Boden. Von den Shopping Malls ganz zu schweigen. Es gibt sogar ein „LEGOLAND“. Die Strassen führen unter-und übereinander hindurch und wir sind froh, nicht selber fahren zu müssen. Jetzt geht es auf superschönen Schnellstrassen Richtung „Kota Iskandar“, das ist das ganz neu erbaute Regierungsviertel des Sultanats Johor Bahru, im Grünen.
Wunderschöne Paläste für jedes Ministerium. Phhhh..., wir dürfen uns das Parlamentsgebäude von innen anschauen und sind alle platt über die Pracht! Die Gebäude sind mit Springbrunnen und Wasserfällen verschönt und liegen in unendlichen Rasenflächen. Wir sind beeindruckt! Von hier geht es wieder zurück zur Puteri Marina, wo man uns zuerst die Marina und die umliegenden Appartements schmackhaft machen will (zum Geld investieren!). Dann gibt es um 10h45 zu Essen. Nudeln, Samosa und Frühlingsrollen. Alles sehr gut. Weiter geht die Fahrt zu einem kleinen „Nanas“-(malayisch für Ananas) Museum. Nach dem Pflanzen dauert es 9 Monate, bis eine Ananas geerntet werden kann. Die Pflanze kann 2 mal eine Frucht hervorbringen, dann muss eine neue Pflanze gesetzt werden. In Malaysia wird das ganze Jahr geerntet. Wir bekommen jeder zwei Stücklein Ananas und ein Wassereis aus Ananassaft, zum probieren.
In einem schönen Restaurant, wo wir mit Trommeln empfangen werden, gibt es um 13h schon wieder zu Essen. Mmm..., sehr viele gute Sachen. Um 14h fahren wir los in den „Tanjung Piai“, in den Nationalpark, an der „Malakka Strasse“ wo es 25 verschiedene Sorten Mangroven gibt. Die Malayen haben nach dem Tsunami 2002 gemerkt, dass man die Mangroven schützen muss und setzen seitdem mit Studenten neue. Wir laufen ein Stück durch den Park, hören und sehen dabei die Langschwanz Makaken lauthals streiten und einander auf die Bäume jagen. Am südlichsten Punkt des asiatischen Festlandes machen wir das obligate Foto und kehren zu den Bussen zurück. Hier sind wir ca. 100 km von der Stadt Johor Bahru entfernt. Es regnet. Unterwegs haben wir die Gelegenheit frische Ananas und Bananen zu kaufen. Auf der Rückfahrt machen wir noch in einem Outletshop halt, wo es Klamotten, Schuhe, Parfüms von 80 Marken günstig zu kaufen gibt. Der Guide bewilligt uns eine ½ Stunde. Die meisten nutzen diese Zeit um einen Kaffee zu trinken. Nach der ½ Stunde sitzen wir alle im eisgekühlten Bus und warten auf 3 Franzosen, die noch fehlen. Endlich kommen sie gemütlich an, nach dem stolzen Kauf einer pinkfarbenen Jeans (für eine Frau in meinem Alter). Ihr Mann meint cool, er habe verstanden, wir hätten eine ganze Stunde Zeit! Die anderen beiden Busse sind schon längst weg. Um 18h45 sind wir endlich, total durchgefroren, zurück in unserer Marina. Es regnet immer noch.
Montag, 5.November 2012: Danga Bay Marina, Johor Bahru
Morgens um 6h gibt es einen kurzen aber heftigen Sturm. Paul geht hinaus um nach dem Rechten zu sehen. Dabei holt er die neue Schweizerflagge herein. Die braucht nicht schon wieder zerfetzt zu werden.
Von 9h bis 11h30 sind wir im Marinagebäude zu einer Besprechung. Verschiedene Marinas auf dem Weg nach Thailand preisen uns ihre Marinas an.
Wir hatten eigentlich mehr Infos über das Befahren der Strasse von Malakka erwartet. Da fahren immerhin 7'000 Schiffe pro Monat hindurch. Aber man sagt uns, es gebe keine Piraterie dort.
Abends um 19h30 sind wir alle eingeladen zu einem „Official Rally Dinner“ und man hat uns gesagt, wir müssten anständig angezogen sein!!! Mal sehen, ob wir überhaupt noch was „Anständiges“ an Bord haben.
Und wir werden mit einen delikaten Abendessen verwöhnt. Diesmal ist es kein Büffet, sondern serviert, wir sitzen an runden 8-er Tischen.
Eine Musikband spielt, eine Tanzgruppe tanzt und drei Sänger lösen sich mit Singen ab. Das Essen wird genau nach Menükarte gebracht und einzeln gegessen. Es ist alles super gut und der Service tadellos. Das einzige Haar in der Suppe: wir erfrieren fast in dem tiefgekühlten Raum. Paul eilt schnell auf's Schiff und holt sich einen warmen Pullover. Ich habe zum Glück mit einem Schal vorgesorgt. Um 22h ist Feierabend. Danach sitzen wir mit Kathrin und Swen draussen bei einem Bier und wärmen uns wieder auf.
MENÜ
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Grand Bayview Combination
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Braised Hot & Sour Szechuan Soup
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Pan-fried Prawn served with Superior Soy Sauce
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Crispy Roasted Chicken with Minced Garlic
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Braised Mushroom with Broccoli
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Steames Live Snapper Nyonya Style
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Yang Chew Fried Rice
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Chilled Honeydew Melon with Sago
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dazu literweise grünen Tee
Dienstag, 6.November 2012: Danga Bay Marina, Johor Bahru
Um 9h können wir am Steg 3 die 135 Liter Diesel abholen, die wir bestellt haben. Das sind 6 Kanister voll. Nein, diesmal nicht gratis! 1 Liter = 3 Ringgit, etwa 91 Rappen. Für die Einheimischen ist er billiger. Nachdem das erledigt ist gehen wir auf den Bus und in die Stadt. Wir suchen ein Internetlokal, wo wir in kürzester Zeit ruckzuck alle Lombok - und Balifotos versenden können. Im Hafen dauert das Unendlichkeiten.
Nach ein paar kleinen Einkäufen (für mich eine Agenda für 2013, damit ich weiter Tagebuch schreiben kann), gibt es im Fresstempel „Galeria“ zu Mittag und um 13h30 sind wir wieder auf der MABUHAY. Paul bleibt auf dem Schiff und ich gehe ins Büro zum ausklarieren. Es sind 7 offizielle Beamte von Zoll und Immigration da und etwa 40 Yachties. Nach 1½ Stunden warten kann ich endlich das begeherte Stück Papier in Empfang nehmen. Inzwischen schüttet es wieder einmal aus allen Kübeln. Als ich auf die MABUHAY zurück komme, ist der Skipper dabei (in Unterhosen im strömenden Regen) das Schiff auf Hochglanz zu putzen.
















































