Dienstag, 23.Oktober 2012: Belitung, Manggar nach Bangka, Ketawai
Es ist ein wunderbarer Sonnenmorgen. Um 6h45 fahren fast alle Schiffe los, westwärts, so auch wir.
Was uns hier auf der Insel Belitung, in der Stadt Manggar geboten wurde, war der absolute Wahnsinn. Eigentlich viel zu viel! Ausser dem Frühstück und einmal einer Suppe, habe ich vier ganze Tage lang nie kochen müssen. Wir wurden immer zum Essen eingeladen. Die Veranstalter haben sich wirklich selber übertroffen. Gut, vieles was auf dem Programm stand wurde dann doch nicht durchgeführt und einiges hat nicht so wirklich geklappt. Aber über allles gesehen hatten wir hier einen supertollen Empfang und Aufenthalt. Alle Leute waren enorm nett und herzlich in dieser 35'000 Personen Stadt (soviele wohnen hier, hat mir der Stadtpräsident gesagt). Jeder, sei es Fischer, Motorradfahrer, Fussgänger, Polizisten, Kinder, Erwachsene grüssen, winken, lachen. Hallo Misteeer!!! Terima kashi (Danke) !!!
Am Nachmittag braut sich an der Nordküste der Insel Belitung ein Riesengewitter zusammen. Man sieht nur eine schwarze Wand. Wir haben Glück und es erwischt uns nicht. In der Nacht steht ein halber Mond am Himmel und leuchtet uns. Es gibt keine Probleme und wir haben eine sehr ruhige Fahrt.
Am Funk hören wir, wie ein Segler (ein Holländer), der aber unter Motor fährt, einen grossen Frachter auffordert, hinter ihm durch zu fahren !!!!
Später erfahren wir, dass der Frachter das nicht gemacht hat.
Mittwoch, 24.Oktober 2012: Bangka, Ketawai, 135,3 sm
Wunderschöner Sonnenaufgang und sehr schönes Wetter. Als es hell ist, und zum Glück erst dann, hat es auf ca. 10 m Wassertiefe Hunderte von Fischfallen mit einem Häuschen obendrauf, wo zum Teil Leute wohnen. Solche haben wir bis jetzt noch nie gesehen. Aber dafür sieht Paul eine Riesenschildkröte abtauchen.
Gegen 9h45 ankern wir zwischen der Hauptinsel Bangka und einer winzigen Insel Namens Ketawai. Es sind schon 14 Segler da und ein paar sind noch hinter uns.
Wir mussten 15 Stunden am Stück motoren, 135,3 sm lang. Kein Wind!
Wir sind kaum eine halbe Stunde am Ankerplatz, bringt man uns schon 100 Liter Gratisdiesel in Kanistern, die wir wieder zurückgeben müssen. Paul füllt sofort 50 Liter ein, den Rest geben wir zurück, haben keinen Platz mehr für 100 Liter.
Nach einer kurzen Mittagsrast sind wir mit Andrea und Jim auf der kleinen Insel Ketawai. Wir werden sofort herzlich begrüsst und von vielen jungen Leuten umringt. Alle wollen wieder mit uns auf die Fotos. Ein junger Mann erkennt uns sogar wieder, er war in Belitung Manggar, als unsere Männer den lustigen Karaokeabend hatten. Wir sind richtige Berühmtheiten.....
Eine Gruppe etwa 16-Jähriger übt die Tänze für den morgigen Empfangsabend. Die Musiker sind alles Kinder bis Jugendliche. Ein ganz Kleiner schlägt meisterhaft die Trommel. Man sagt uns, er heisse Ambika, sei 10 Jahre alt, aber kleinwüchsig.
Anschliessend, ab 17h sind wir bei Andrea und Jim auf der „Island Prism“ zum Apéro eingeladen.
Donnerstag, 25.Oktober 2012: Bangka, Ketawai
Um kurz vor acht kommen die „Persian Sands“ und die „Rylah“ an. Paul schrubbt mit Salzwasser die MABUHAY, aber diesmal werden die Fenster und Luken vorher geschlossen! Ich schmore schreibend am Laptop vor mich hin. Gegen 10h kommt Sam, der „sailindonesia“ Hauptverantwortliche und teilt uns mit, dass um 13h30 auf der Insel ein Empfang für uns stattfindet. Ich sage ihm, dass wir unbedingt aus Indonesien ausklarieren müssen, weil morgen unser Visa abläuft. Aber weil morgen ein Feiertag für die Moslems ist, kann morgen nicht ausklariert werden. Sam will das heute noch für uns erledigen.
Um 13h30 findet auf der Insel Ketawai ein Empfang für uns statt. Jeder bekommt zur Begrüssung einen Hut aus Pandanusblättern, wie ihn hier die Fischer und die Bauern in den Reisfeldern tragen.
Dazu einen Fruchtdrink. Danach wird für uns von den Kindern und Jugendlichen getanzt, die Tänze die wir gestern als Übung schon bewundern durften. Nur sind heute alle in wunderschöne Kostüme gesteckt worden. Es ist sehr, sehr schön.
Anschliessend wandern Paul und ich einmal um die ganze Insel rum, in etwa 40 Minuten. Immer schön dem Sandstrand entlang. Die Insel Ketawei ist eigentlich unbewohnt, oder nur zeitweise von zwei Personen. So wie sie aussieht, wurde hier in kürzester Zeit alles neu aus dem Boden gestampft. Man sieht, dass das Unterholz gerodet, sprich verbrannt wurde, nur die schönen Palmen stehen noch. Es wurde eine offene „Dining Hall“ (Speisesaal), eine Küche, viele Toiletten, eine Dusche und ein neuer Steg hingestellt. Auch ein paar grosse Militärzelte fehlen nicht, wo die Helfer drin schlafen.
Um 19h gibt es für uns ein gutes Abendessen in der „Dining Hall“; Reis, Gemüseomelett, Stachelrochen, Crevetten, Kalamares (Gummiringli), Gemüse. Das Ganze ohne jede Ansprache oder so. Um 21h sind Paul und ich wieder auf der MABUHAY und schon bald im Bett.
Um 22h ruft jemand: „hallo“ und fuchtelt draussen mit einer Taschenlampe herum. Es ist Sam, in einem Boot mit etwa 7 Personen, der uns die Ausklarierungspapiere bringt. Aber unsere Pässe hat er nicht!!!! dabei. Auf unseren Protest hin, verschwindet er mit dem Boot wieder und bringt uns etwa 15 Minuten später die Pässe mit dem Aureisestempel darin. Uff!!!
Freitag, 26.Oktober 2012: Bangka, Ketawai
Wieder ein schöner, sonniger, heisser Tag. Es kommen wieder Segler an. Inzwischen sind etwa 25 Schiffe da. Am Morgen machen Paul und ich einen Abstecher per Dinghy, zu dem in der Nähe gelegenen Wrack eines Frachters. Es heisst Tapan Jaya. Genau genommen sind es zwei Schiffe die hier übereinander liegen. Eines ist gesunken und das andere ist darauf gefahren und auch gesunken! Wir schnorcheln darum herum und sind ziemlich enttäuscht. Die Sicht ist sehr schlecht und Fische sind auch keine da!
Am Nachmittag, gegen 13h30, tuckern 16 Segler, darunter auch die zwei MABUHAYaner, auf einem Holzboot zur Hauptinsel Bangka. Die Fahrt dauert eine Stunde. Hier werden wir in einen schönen neuen Kleinbus umgeladen und fahren 30km in die grosse Stadt Pangkal Pingan. Weil heute ein grosser moslemischer Feiertag ist, sind die meisten Geschäfte und der Markt geschlossen.
Der heutige Feiertag heisst Idul Adah und ist der moslemische Opfertag, zum Gedenken an Abraham, der seinen Sohn opfern wollte. Wer es sich leisten kann kauft Ziegen und Schafe, schlachtet sie und verteilt das Fleisch an die Armen.
Uns führt man in einen riesiges Warenhaus, wo es unter anderem eine Million Jeans und zwei Millionen schöne karierte Hemden zu kaufen gibt. Es hat auch eine Lebensmittelabteilung, die sofort von den Seglern gestürmt wird. Wir kaufen 494 Gramm Eier (8 Stück), die per Gewicht bezahlt werden. Und es hat eine Unmenge von Angestellten, alle in roten T-Shirts, die untätig herumstehen....
Nach einer Stunde wird per Auto eine Bäckerei gesucht. Aber die ist wegen Feiertag geschlossen. Dann wollen einige Segler Bier einkaufen. Gibt es nicht! Also fahren wir zurück zum Fischerhafen und steigen wieder in ein Holzboot ein. Die Vorbereitungen für die Massenhochzeit, die morgen hier stattfinden soll, sind in vollem Gange. 320 Paare sollen morgen heiraten! Der Steg ist voller Menschen und alle winken uns zu und lachen. Hallo Misteeer!!! Beim Ablegen rammt unser Kapitän eine Betontreppe und diverse Holzpfosten, direkt neben mir. Unterwegs zu unserer kleinen Insel bleiben wir mitten auf dem Meer plötzlich stehen und dümpeln herum. Der Motor ist überhitzt. Nach 6 Minuten geht die Fahrt weiter und um 19h sind wir zurück auf der MABUHAY.
Samstag, 27.Oktober 2012: Bangka, Ketawai
Morgens um 8h haben wir schon wieder 30° im Schiff. Aber: kein Gejammere jetzt, wir wollten ja unbedingt warm haben!
Den Morgen benutzen wir um zu haushalten, die nächste Route zu berechnen, zu schreiben. Nach dem Mittagessen kommt Jim um mit Paul die nächste Strecke bis nach Singapur zu besprechen.
Nachmittags um 13h fährt ein Boot auf die Hauptinsel, zur Massenhochzeit. Um 15h werden die Schildkröten freigelassen. Wir müssen uns entscheiden was wir wollen, beides geht nicht. Paul und ich beschliessen, die Schildchrötli auf den Weg zu schicken. Weil der Regent, irgend so ein Stadtpräsident, von der Hauptinsel noch nicht da ist, werden wir mit schöner Musik und Gesang unterhalten. Ein mächtiges Gewitter braut sich zusammen. Paul und andere Segler eilen per Dinghy auf die Schiffe, um alle Luken und Fenster zu schliessen. Die Musikband schafft schleunigst ihre elektronischen Geräte in die „Dining Hall“ ans Trockene. Und schon geht der heftige Regen los. Nach 1½ Stunden hört er endlich wieder auf und der Regent erscheint. Jetzt dürfen die über 200 Stück, 3 Monate alten Schildkrötli ins Meer entlassen werden. Jöhhh, sind die herzig, die kleinen Krabbler!!!
Paul schickt eines auf den Weg, ich drei. Hoffentlich werden sie nicht von den gierigen Fregattvögeln erwischt, die schon am Himmel kreisen. Regen sei Dank hatten diejenigen Glück die an der Massenhochzeit waren. Sie sind rechtzeitig für die Schildkröten-freilassung zurück. Also geht doch beides!
Vor dem Dinner sind wir bei den Oltnern Gisela und Peter auf der „TE APITI“ zum Apéro eingeladen. Um 19h gibt es auf der Insel Abendessen: Reis, halbe, kalte Pellkartoffeln, Gurken- und Rüeblistücke, grüne Salatblätter (alles ohne Salatsauce), Shrimps, Tintenfisch (Gummiringe), Schaf, Huhn, Fisch vom Grill und zum Dessert Ananas-und Melonenstücke. Paul kann sein Schaf nicht essen, zu zäh!!!
Mit Musik, Tanz und „Fireball“, einem Fussballspiel im Dunkeln, mit brennenden Bällen geht es weiter. Um 22h ist Schluss und uns bleibt nur noch, uns bei den grosszügigen Gastgebern und ihren Helfern ganz herzlich für den schönen Aufenthalt hier zu danken.
Andrea und Jim sind noch kurz für einen Schlummertrunk bei uns auf der MABUHAY.
Sonntag, 28.Oktober 2012: Bangka, Ketawai unterwegs nach Singapur, 68,5 sm
In der Nacht gibt es eine zünftige Regenschütte, so dass es uns im Bett auf die Rücken regnet.
Um 5h15 fahren wir zusammen mit der „Island Prism“ los. Wir verlassen die kleine Insel Ketawai, wo es uns sehr gut gefallen hat. Dies war für uns die „Endstation“ der „sailindonesia“. Die drei Monate in Indonesien waren sehr intensiv, ja manchmal sogar stressig (weite Strecken). Aber dafür haben wir sehr, sehr viel Schönes und Interessantes gesehen und erlebt. Diese freundlichen Indonesier werden uns unvergesslich bleiben und das „Hallo Misteeer!“ werden wir vermissen.
Fast alle Schiffe fahren heute los, Richtung Singapur.
Am Morgen gibt es unterwegs einen kräftigen Regenguss. Delfine!!! Die bilden einen Kreis um einen Schwarm Fische zu umzingeln.
Wir motoren die ganze Zeit. Aber trotz des bequemen Motorens, ist es sehr mühsam. Wenn ein wenig Wind da ist, dreht er ständig und es heisst immer und immer wieder: Segel raus, Segel rein, Segel links, Segel rechts....
Heute werden in Europa die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Das heisst, dort ist jetzt UTC + 1 Stunde. Wir haben hier UTC + 7 Stunden. Also haben wir einen Zeitunterschied von + 6 Stunden auf Mitteleuropa. Oh Mann, ich verliere langsam den Überblick!
Montag, 29.Oktober 2012: unterwegs nach Singapur, 94,6 sm
Zuerst haben wir eine helle Vollmondnacht, dann ab 3h Blitze, Donner, Regen. Bis um 11h schüttet, schüttet, schüttet es aus allen Kannen.Und wir sind wieder einmal, volle Pulle, mitten drin! Den ganzen Tag ist es grau und immer wieder Regen. Es hat keine Fischerboote und Fischfallen.
Gegen 13h erreichen wir den „Pass“ bei der Insel Lingga. Bei der engsten Stelle zwischen zwei Inseln haben wir etwa 2 Knoten Gegenströmung und das Wasser kocht und brodelt nur so. Aber alles geht gut und die MABUHAY meistert das bravourös. Die „Island Prism“ folgt uns in gebührendem Abstand.
Um 19h05 überqueren wir den Aequator. Zum wievielten Mal schon? Keine Ahnung! Ist ja auch egal, auf jeden Fall sind wir nun wieder auf der Nordhalbkugel der Erde.
Dienstag, 30.Oktober 2012: unterwegs anch Singapur, 142,1 sm
Die Nacht war zeitweise hell und zeitweise sehr bewölkt. Plötzlich sind sehr viele Fischfallen, Fischerboote und grosse Schiffe da. Jetzt heisst es aber aufpassen und Augen offenhalten! Die „Island Prism“ ist immer in unserer Sichtweite, vor, links, rechts oder hinter uns. Eigentlich wollten wir bei der letzten indonesischen Insel ankern und die Nacht verbringen. Aber es regnet saumässig und Andrea und Jim teilen uns an der Funke mit, dass sie direkt weiter nach Singapur fahren. Und weil es regnet machen wir das auch. Um die Mittagszeit queren wir die Strasse von Singapur, eines der meistbefahrenen Schifffahrtsnadelöhre der Welt. Puhhh, hat das hier viele grosse Pötte! Aber trotzdem ist es nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte, und der Skipper ist ganz ruhig (äusserlich!) , keine Alarmstufe rot!!! Alles ganz easy! Als wir durch sind, scheint die Sonne wieder. Wir biegen westlich der Stadt Singapur in den Fluss ein. Die „Island Prism“ wollen in die Raffles Marina in Singapur.
Wir fahren weiter, unter einer 25m hohen Brücke, die den Stadtstaat Singapur mit dem Festland Malaysia verbindet, hindurch, ca. noch 15 sm den Fluss hinauf in die Danga Bay Marina in Malaysia. Von hier aus startet die „sailmalaysia“, für die wir uns angemeldet haben.
Nach dem etwa 50. Versuch per Funk die Marina zu erreichen, meldet sich endlich jemand. Wir müssen vor der Marina ankern, weil jetzt, um 15h30 Tiefwasser ist und wir mit unseren 2m Tiefgang nicht in die Marina einfahren können. Das Gleiche gilt für die „Obsession 2“, mit dem australischen Partygirl Sue und ihrem Mann Grant. Wir haben seit Ketawai 57 (!) Stunden motort, 305,2 sm (565 km) zurückgelegt, davon nur 1½ Stunden gesegelt (dabei sind wir doch ein Segelschiff!).
Oh nein!!! Ich kriege Vögel!!! Jetzt müssen wir die Uhren schon wieder eine Stunde vorstellen.
Also jetzt UTC + 8 Stunden oder Schweiz + 7 Stunden. Jetzt ist mein Überblick komplett futsch!


















































