La Réunion, Teil 3, 23.10.2016 - 31.10.2016
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Sonntag, 23. Oktober 2016: La Réunion

Kurz vor 8h sind wir unterwegs zum Busbahnhof. Weil Sonntag ist, dauert es ewig, bis ein Bus kommt, der nach Dos d‘âne fährt. Endlich kommt der 8a. Aber anstatt sofort hinauf in die Berge zu fahren, müssen wir mit dem Bus noch einen Umweg machen, um tanken zu gehen. Wir tanken 148,3 Liter Diesel à 0,95 €. Nun geht die Fahrt los, wieder mal über unzählige, zum Teil enorm steile und enge Kurven, hinauf nach Dos d‘âne (Eselrücken). Das Dorf ist unendlich langgezogen und wir fahren viel zu weit. Also steigen wir aus und laufen durchs ganze Dorf zurück. Gegen 10h gibt es endlich an einer Bude einen Kaffee und ein Blätterteig-Gebäck. Und weiter geht unsere Wanderung bis zum Cap Noir, (1170 m hoch) von wo man einen umwerfenden Blick in den Cirque de Mafate und auf den Rivière des Galets hat, den Fluss der sich gaaanz weit unten im Tal befindet. Wir kehren um und essen in der Nähe des Parkplatzes unser mitgebrachtes Picknick. Um 13h stellen wir leider fest, dass an Sonntagen der nächste und letzte Bus erst um 15h40 wieder runter nach Le Port fährt. Was nun? Wir fackeln nicht sehr lange und beschliessen, nach einem Espresso im Restaurant, zu Fuss hinunter zu laufen, bis der Bus uns einholt. Und das machen wir auch. Auf der asphaltierten Hauptstrasse laufen wir zügig bei grösster Hitze (ist ja klar!), ca. 12 km in 2 Stunden 40 Minuten von Dos d âne nach Sainte-Thérèse. Die Sonne brennt und die Füsse und die Rücken tun uns schon längst sehr weh. Immer wieder eine Kurve und noch eine Kurve… Und Wasser haben wir auch keines mehr! Restaurants, falls es eines hätte, sind alle wegen Sonntag geschlossen. Bei der Kirche von Sainte-Thérèse warten wir eine halbe Stunde auf den Bus. Der Busfahrer schenkt uns 0,60 € weil Paul nur 3 € Münzen hat. Wieder in Le Port trinken wir im Restaurant „Boucanier“ je ½ Liter kühles Bier, das unterwegs in den Magen sofort verzischt.

Wir schätzen, dass wir heute mindestens 20 km gelaufen sind.

Montag, 24. Oktober 2016: La Réunion

Wir haben beide ganz zünftigen Muskelkater und alle Knochen tun uns weh. Ich habe ausserdem eine schöne grosse Blase am Fuss. Aber, was für ein Gejammer von uns, wenn ich da an die „Verrückten“ denke, die über das Wochenende den Lauf „La Diagonale des Fous“ über die Insel gemeistert haben. Puhhh!!!

Der Gewinner hat 24 Stunden, 44 Minuten und 57 Sekunden dazu gebraucht. Die schnellste Frau ist die Schweizerin (!!!!!) Andrea Huser mit 27 Stunden, 44 Minuten und 13 Sekunden. Sie wurde im Gesamtklassement 11. Letztes Jahr war sie 3. bei den Frauen. 1687 Teilnehmer kamen ins Ziel, 31% haben aufgegeben.

 

Andrea Huser (* 11. Dezember 1973 in Alt St. Johann) ist eine Schweizer Mountainbikerin, Triathletin und Multisportlerin. Sie ist Mountainbike-Europameisterin (2002) und Schweizer Meisterin Mountainbike-Marathon (2004, 2014).

2009 siegte sie beim Neujahrsmarathon Zürich und war damit für ein paar Tage Inhaberin der Jahresweltbestzeit im Marathonlauf. Sie konnte auch bereits zwei Mal den Inferno Triathlon im Berner Oberland gewinnen (2011, 2012). 2013 wurde sie Dritte bei der Europameisterschaft im Winter-Triathlon. Seit Herbst 2013 ist sie auch im Ultra-Traillauf aktiv.

Andrea Huser arbeitet heute im Berner Reha-Zentrum und lebt in Sigriswil. Sie startet für den Verein Pro Sport Sigriswil.

 

P.S. Andrea Huser, eine bekannte Schweizer Mountainbikerin und Triathletin, verstarb am 28. November 2020 in Saas-Fee, nachdem sie während eines Trainings nicht zurückkehrte. Sie wurde am folgenden Tag von Einsatzkräften tot aufgefunden, nachdem sie beim Überqueren eines Baches ausgerutscht war und etwa 140 Meter in die Tiefe gestürzt war. Huser war 2002 Mountainbike-Europameisterin und hatte in verschiedenen Disziplinen bedeutende Erfolge erzielt, bevor sie sich 2020 von ihrer aktiven Sportkarriere zurückzog. Ihr Tod hat die Sportwelt und die Trailrunning-Community tief erschüttert.

Dienstag, 25. Oktober 2016: La Réunion

Wir haben immer noch mächtigen Muskelkater! Paul ist es ziemlich langweilig. Nach dem Frühstück ist er etwa 2 Stunden in der neuen und der alten Marina unterwegs, um nicht nur hier an Bord herum zu sitzen. Ludovic kommt vorbei um ein wenig mit uns zu plaudern.Gegen Abend kommt Ludovic nochmals auf ein längeres Plauderstündchen zu uns und später auch noch Dominique.

 

Mittwoch, 26. Oktober 2016: La Réunion

In der Nacht hat es geregnet. Wir laufen (aua, die Beinmuskeln und die Blase am Fuss!) zum Markt. Heute ist ja schon wieder Mittwoch. Nach dem obligaten Kaffee in der Bäckerei kehren wir zu unserem schwimmenden Zuhause zurück. Es bläst ein kalter Wind und der ganze Tag ist grau, aber kein Regen. Am Nachmittag läuft Paul rüber in die alte Marina um bei Ben nachzufragen, wo unser Ersatzteil aus Frankreich bleibt. Er kommt zurück und meldet, unser Paket sei im Flugzeug unterwegs….Wir warten!

Donnerstag, 27. Oktober 2016: La Réunion

Und wir warten immer noch….

Paul „muss“ wieder laufen gehen, um seine Knochen zu bewegen. Ich recherchiere inzwischen am Computer über Südafrika. Paul meldet, dass unser Paket scheinbar, vielleicht, eventuell, morgen hier ankommt!?!?!?

Am Nachmittag kommt Ben höchstpersönlich vorbei um uns zu versprechen, dass er morgen Freitag, sobald unser Paket da sei, zu uns zum arbeiten komme. Er bringt das Vorsegel mit, das wir ihm zum Nähte nachnähen gegeben haben. Gegen 16h30 kommen Dominique und Vincent überraschend zu Besuch. Nachdem die beiden sich verabschiedet haben kommt Ludovic auf 1½ Biere zu uns. Er hat feine „bouchons“ mitgebracht. Kleine Teigbündel, gefüllt mit Poulet- oder Schweinefleisch. Er ist bis 20h hier. Das Hauptthema unserer Gespräche ist das Wetter und die Strömungen um nach Südafrika zu gelangen.

Freitag, 28. Oktober 2016: La Réunion

Wir warten! Der Morgen ist fast schon vorbei und kein Ben in Sicht!

Heute kommt die ARC-World hier in Le Port, im alten Hafen an. 16 Schiffe die in 15 Monaten (vom 9.1.2016 - 8.4.2017) von St. Lucia in der Karibik, organisiert rund um die Welt segeln um nach 48‘100 km wieder in St.Lucia anzulanden.

Paul läuft wieder einmal rüber zum alten Hafen um sich die Langeweile zu vertreiben. Am Nachmittag geht er zur Bank um Geld zu holen, damit wir Ben bezahlen können. Endlich, um 16h20 kommt Ben mit seiner Assistentin Dorian und sie machen sich sofort an die Arbeit. Paul kommt etwa eine ½ Stunde später dazu und hilft kräftig beim montieren der neuen Rollanlage für das Vorsegel mit. Er regt sich enorm auf über die Arbeitsmethode von Ben und vor allem, dass er kein richtiges Werkzeug hat, und dieses noch in einem Plastiksack. Paul muss ständig wieder Werkzeug aus unseren Beständen herausholen. Einer von Paul‘s Schraubenziehern wird von Ben im Wasser versenkt. Gegen 18h30 ist die meiste Arbeit erledigt und Ben und Dorian sitzen noch bei einem Bier bei uns.

Samstag, 29. Oktober 2016: La Réunion

Um 7h45 verlässt unser kanadischer Nachbar, ein Einhandsegler, seinen Platz, um nach Südafrika zu segeln. Wir helfen ihm beim Ablegen. Kurz nach 9h kommen Ben und Dorian um die restlichen Arbeiten zu erledigen. Ich laufe inzwischen rüber zum alten Hafen, ins Marinabüro, um dort mitzuteilen, dass wir am Dienstag, 1.November, La Réunion verlassen wollen. Jerôme faxt diese Mitteilung sofort an den Zoll, damit diese zu gegebener Zeit kommen, um uns auszuklarieren. Ich bezahle die Liegegebühren bis zum 31.Oktober (40 Tage) und kehre zur MABUHAY zurück. Als ich hier eintreffe ist das Vorsegel oben und die Arbeiten abgeschlossen. Ufff, endlich!

Paul mach sich sofort ans Schiffschrubben, während ich dies schreibe. Alles glänzt!

Am Nachmittag werkeln wir allerlei herum und gegen Abend ist Ludovic auf ein Stündchen bei uns. Ihm scheint es bei uns gut zu gefallen.

Sonntag, 30. Oktober 2016: La Réunion

Wir spazieren bei schönstem Wetter zur Bäckerei und trinken dort Kaffee/warme Schoggi und essen ein Croissant/Pain au chocolat dazu. Diese Bäckerei läuft wie verrückt. Ständig steht eine Kolonne von Leuten an, um etwas zu kaufen. Die haben sogar am Sonntag von 06h – 19h30 geöffnet. Gemütlich geht es wieder zurück zur MABUHAY.

Es ist etwa 10h30 als ich mich an den Laptop setze. Wir haben ein e-mail von der „Mares“ erhalten. Einer seiner beiden Motoren wird wieder heiss und Mario erbittet Rat von Paul. Ausserdem möchte er die Mailadresse von Mechaniker Andrea (einem Italiener), der ihm die Motoren repariert hat. Paul macht sich sofort zu Fuss auf den Weg in den alten Hafen um zu schauen, ob die Mailadresse aussen an der Werkstatt angeschrieben steht. Heute ist Sonntag und natürlich sind alle Werkstätten geschlossen! Nach ca. 1½ Stunden ist Paul zurück, mit der mailadresse von Andrea.

Nachdem er jede Ausrede gefunden hat, das Projekt noch ein wenig hinauszuschieben und zu verzögern, macht sich Paul endlich daran, die Tauchausrüstung auf den Rücken zu schnallen um das Unterwasserschiff und den Propeller vom Bewuchs zu befreien. Ich kann ihn und seine Verzögerungstaktik ja schon verstehen, das Wasser ist scheinbar sehr kalt.

Um 19h treffen wir uns mit Dominique, Vincent, Florence, Boris, Ludovic und Clara im Restaurant „Boucanier“ zum Abendessen. Wir sind eine lustige Gruppe und das Essen wie immer gut. Zum Abschied schenkt uns „Madame Boucanier“ sogar noch eine Flasche mit Rum arrangé.

Montag, 31. Oktober 2016: La Réunion

Heute haben wir sehr viel zu tun. Brot backen, Badezimmer putzen, Wäsche waschen, Wasser auffüllen, einkaufen gehen usw.

Phhh… jetzt sind wir aber echt überrascht! Drei Leute vom Zoll waren eben jetzt, 16h20 hier, um uns in 2 Minuten auszuklarieren. Die zwei von mir schon ausgefüllten Formulare angeguckt, jedem von uns einen Stempel in den Pass geknallt, fertig! Das ist Weltrekord, das hatten wir noch nie!

Morgen wollen wir ja los, nach Südafrika! Wir rechnen mit 10 – 12 Tagen unterwegs und wir haben ziemlichen Respekt vor dieser Strecke. Ob wir Neptun wohl die Flasche Rum arrangé spendieren sollten?

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