Donnerstag, 21.Mai 2015: Delhi – Agra
Wegen dem Verkehrslärm bin ich etwa um 4h30 hellwach. Ich nutze die Zeit um im Bett zu sitzen und Tagebuch zu schreiben und mich über Agra und den Taj Mahal zu informieren. Das Frühstück im ungemütlichen Restaurant im 4.Stock erweist sich als ziemlich schwierig. In unserem Vertrag steht; Zimmer mit Frühstück. Aber das Frühstück muss ein American Frühstück sein. Das kostet auf der Speisekarte 250 Rupien (etwa 3.60 Sfr.) Paul möchte nur ein Glas Lassi (Joghurt Drink). Das würde 80 Rupien (ca. 1.15 Sfr.)) kosten und er müsste das selber bezahlen. Also nein, das geht natürlich nicht! Er MUSS das American Frühstück mit Tee, einem Glas Saft, zwei Spiegeleiern, Toast und Butter nehmen. Davon isst er eine Scheibe Toast und trinkt den Tee. Aber auch der Tee ist ein schwieriges Problem! Ich bestelle Chai (Tee mit Milch) und bekomme eine kleine Thermoskanne voll davon, schön heiss. Paul hat Schwarztee bestellt und bekommt eine grössere Thermoskanne voll mit heissem Wasser. Sein Gesichtsausdruck, als er sich einfach nur heisses Wasser in die Tasse schüttet ist zum Schiessen!!! Jetzt geht er höchst persönlich in die Küche und reklamiert auf Englisch (!!!). Der Servierboy sagt ein paar Mal: “sorry, sorry, sorry“ und gibt ihm zwei Teebeutelchen. Übrigens kommt der Saft und der Tee wieder einmal erst, als wir schon längst fertig gegessen haben. Wir haben eine halbe Stunde darauf gewartet.
Um 9h werden wir von unserem Fahrer Radz abgeholt um nach Agra zu fahren. Radz kommt aus Kalkutta, wo seine Frau und seine drei Kinder wohnen. Bis wir aus der Stadt sind, wieder ein Höllengehupe. Dann auf der Schnellstrasse sehr ruhig und wenig Verkehr. Die Strasse
gebührenpflichtig. Der Weg ist 250 km lang und zwischen Delhi und Agra hat es eine riesige Ebene. Alles flach und alles trocken. Kaum aus Delhi raus, schiessen mitten in der Pampa massenweise Neubauten von Hochhäusern wie Pilze aus dem Boden. Später sehen wir enorm viele hohe Kamine mit schwarzem Rauch, wo Backsteine gebrannt werden.
Die Stadt Agra liegt am Ufer des Flusses Yamuna im Westen des Bundesstaats Uttar Pradesh und hat etwa 1,6 Millionen Einwohner (Volkszählung 2011).
Agra befindet sich auf 169 m ü. M. Wegen des Taj Mahals ist Agra eine der von Touristen am meisten besuchten Städte Indiens.
Um 13h treffen wir in Agra ein. Wir bekommen ein wunderschönes, sehr ruhiges Zimmer im Hotel „Taj Vaheli“. Vom Dach aus sieht man sogar bis zum Taj Mahal. Wir wollen raus aus dem Hotel und bei einer Strassenküche etwas essen. Kaum sind wir draussen kommt uns schon Radz nach- gesprungen und begleitet uns. Paul isst eine Tüte voll Chips und ich zwei Samosas, mit Gemüse gefüllte Teigtaschen. Dazu je eine Cola. Jetzt haben wir frei bis 15h30, dann geht es zum Taj Mahal.
Taj Mahal (deutsch: Tadsch Mahal), heisst wörtlich "Kronen-Palast". Er sollte nach dem Willen Jahans das schönste Bauwerk aller Zeiten werden, prächtiger als alle bekannten Weltwunder. Der mächtige Herrscher wollte seiner Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres 14. Kindes mit 39 Jahren gestorben war, eine Wohnstätte für die Ewigkeit bauen.
Mumtaz Mahal bedeutet übersetzt "geliebtes Juwel des Palasts". Der Taj Mahal ist also der Palast, in dem Jahan sein geliebtes Juwel beerdigt hat. Das strahlend weisse Gebäude soll für alle Zeiten an die Liebe der beiden erinnern.
Der Taj Mahal ist ein 58 Meter hohes und 56 Meter breites Mausoleum (Grabmoschee), das in Agra auf einer 100 × 100 Meter grossen Marmorplattform errichtet wurde.
Vor dem Zentralgebäude liegt ein 18 Hektar grosser Garten mit einem länglichen Wasserbecken im Zentrum.
Die Grabmäler im Zentralraum sind Kenotaphe, auch Scheingrab genannt, ein Ehrenzeichen für einen oder mehrere Tote. Im Gegensatz zum Grab dient es ausschliesslich der Erinnerung und enthält keine sterblichen Überreste. Die eigentlichen, schlichteren Gräber befinden sich in der darunterliegenden Krypta. Die vier um das Hauptgebäude herum angeordneten Minarette sind leicht geneigt, damit sie bei einem Erdbeben nicht auf das Hauptgebäude stürzen. Im Westen, in der Richtung von Mekka steht eine Moschee, die heute als Gebetsstätte der muslimischen Bürger genutzt wird.
Symmetrisch dazu liegt im Osten ein Gästehaus mit gleichem Grundriss.
Schah Jahan liess die besten Handwerksmeister aus ganz Süd- und Zentralasien kommen - insgesamt über 20.000 Menschen. Und mehr als 1.000 Elefanten brachten die edelsten Baumaterialien Asiens herbei: Marmor, Sandstein und 28 verschiedene Arten Edelsteine.
Nach 18 Jahren Bauzeit wurde das prachtvolle islamische Mausoleum dann 1648 fertig gestellt.
Der Herrscher wollte sicherstellen, dass sein Bauwerk einmalig bleibt. Deshalb liess Jahan viele Handwerks-Meister verstümmeln, nachdem der Taj Mahal fertig war. Auf diese Weise wollte er verhindern, dass die Spezialisten noch einmal ein so schönes Gebäude errichten konnten.
Der Taj Mahal brachte Schah Jahan kein Glück. Denn es stellte sich heraus, dass der Prachtbau das ganze Vermögen des Herrschers verbraucht hatte. Einen zweiten, schwarzen Palast auf der anderen Seite des Flusses konnte er sich nicht mehr leisten.
Weil er so viel Geld ausgegeben hatte, wurde Schah Jahan sogar 1658 von seinem eigenen Sohn gestürzt und ins Verlies geworfen. Von dort konnte er aus dem Fenster sein Lebenswerk bewundern. Seine letzte Ruhe fand er 1666 neben seiner Frau im Taj Mahal.
In den folgenden Jahrhunderten verfiel der Kronen-Palast immer weiter. Niemand kümmerte sich um das einst so prachtvolle Grabmal. Im 19. Jahrhundert waren die Inder sogar so weit, dass sie das Bauwerk an einen reichen Engländer verkaufen wollten, der es dann Stück für Stück abgebaut und in seiner fernen Heimat wieder aufgebaut hätte. Doch es fand sich zum Glück kein Käufer. So blieb der Taj Mahal genau dort, wo er hingehört.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Taj Mahal und Teile der grosszügigen Gartenanlagen restauriert und so für die Nachwelt erhalten. Seit 1983 gehört der Palast zum Weltkulturerbe der Unesco. Es ist eines der schönsten islamischen Bauwerke überhaupt und zieht jedes Jahr viele Millionen Touristen an.
Doch die Luftverschmutzung setzt dem Taj Mahal heute sehr zu. Inzwischen dürfen sich Autos und Busse nur noch auf zwei Kilometer nähern. Ausserdem ist vom breiten Fluss, an dessen Ufer der weisse Palast einst errichtet wurde, inzwischen nur noch ein schmaler Bach übrig geblieben. Da das Grundwasser nicht mehr von unten gegen das Fundament drückt, senkt sich das Bauwerk nach und nach und bekommt Schieflage. Nun möchte die indische Regierung einen Staudamm bauen, um den Wasserstand wieder zu heben und den Taj Mahal zu retten.
Nach Bombendrohungen im Jahre 2006 verstärkten die indischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen. Das Gelände des Taj Mahal kann nur noch durch Sicherheitsschleusen betreten werden. Die Mitnahme von Flüssigkeiten, ausgenommen Trinkwasser, ist Besuchern nicht erlaubt. Das Baudenkmal wird von Soldaten rund um die Uhr bewacht. In seinem Umkreis wurde ein Flugverbot erlassen.
Radz hat uns einen Guide organisiert, er heisst Pawan. Er spricht auch Deutsch, aber ich verstehe ihn besser auf Englisch. Pawan besorgt für uns die Eintrittsbillette. Ausländer müssen 750 Rupien (ca. 11 Sfr.) bezahlen, Inder 20 Rupien (ca. 30 Rappen), Kinder unter 15 Jahren nichts. Pawan scheint ein ganz Gefitzter zu sein. Im Nu hat er die ganze Kolonne am Schalter überholt und steht zuvorderst. Genauso geht es mit der Schlange beim Eingang. Frauen und Männer müssen durch separate Eingänge. Bei den Frauen hat es eine Riesenschlange, aber Pawan schleust mich so geschickt nach vorne und quetscht mich zwischen all die Inderinnen, dass es mir gar nicht recht ist. Und die Frauen drängen wie Tiere nach vorne. Ich bin übrigens hier wieder einmal die einzige „ausserindische“ Frau! Nun müssen wir nur noch durch die elektronische Kontrolle, ich werde abgetastet, muss die Hosentaschen ausräumen (nur Papier darin für den Notfall!) und meine Handtasche wird durchleuchtet. Alles ist i.O und ich darf wieder zu Paul und Pawan. Pawan erklärt uns die Story vom Taj (heisst Krone) Mahal (heisst Palast). Zwischendurch macht er Fotos von uns wie ein Profi und umgeht die grossen Menschenmassen. Es hat hier fast keine „weissen“ Touristen.
Aber nun das Wichtigste: der Taj Mahal ist einmalig schön! Sogar mein so cooler Ehemann sagt, er habe eine Gänsehaut !!! Wir schauen ihn (nein, nicht den Ehemann!) aus allen Perspektiven an, draussen und später drinnen, wo die beiden Schein-Särge des Königspaares stehen. Die Originale stehen unten in der Krypta. Man merkt, Pawan ist ein Profi. Und er sagt immer wieder: “My Taj Mahal“. Einfach nur wunderschön dieser Palast, den ein liebender Mann für seine dritte Frau Mumtaj, seine Lieblingsfrau, hat bauen lassen. Sie hat ihm 14 Kinder geschenkt, das erste mit 14 Jahren und sie starb mit 39 Jahren. Wir sind tief beeindruckt….
































