Montag, 18.Mai 2015: Mumbai
Nun suchen wir ein Reisebüro, wir wollen per Bus oder Flug nach Agra. Weil wir uns hier in einem totalen Muslim-Quartier befinden, hat es unzählige Reisebüros, aber alle organisieren nur Reisen für die Pilger nach Mekka. Endlich finden wir doch noch eines, das sich unseres Problems annimmt. Man rät uns vom Bus ab, viel zu weit! Also ein Flug. Aber es gibt keine direkte Flugverbindung nach Agra. Man muss nach Delhi fliegen und von dort kann man einen Bus nach Agra nehmen. Und da Paul ja sowieso möglichst schnell nach Hause will, er hat ein bestimmtes Heimweh (Cervelatsalat und frisches Brot vom Stärnebeck) buchen wir für übermorgen Mittwoch, einen Flug nach Delhi. Die Frau im Reisebüro ist sehr, sehr nett und sie spendiert uns sogar einen Chai (Tee). Wir laufen durch die Strassen und staunen über diese andersartige Welt. Wir sehen viele Menschen, die auf den Strassen herum liegen und schlafen. Als wir gegen 16h in unser Zimmer kommen, suchen wir in allen unseren Gepäckstücken unser neues Samsung Smartphone, das wir vor keinen zehn Tagen in Colombo gekauft haben. Es ist weg, verschwunden! Wir können nur vermuten, dass es uns Raju, der Taxifahrer, während unserer Besichtigungstour geklaut hat. Wir können es natürlich nicht beweisen, aber es gibt keine andere Möglichkeit. Gestern haben wir es in Goa in den Rucksack gesteckt und seit dem nicht mehr gebraucht. Wenn das wirklich so ist, sind wir sehr enttäuscht…, wir haben ihm vertraut.
Dienstag, 19.Mai 2015: Mumbai
Zwischen 9h und 16h sind wir zu Fuss unterwegs. Wir laufen durch die ganze, lange SVP-Strasse (Sardar V Patel Road), bis zum Chowpatty Strand. Bis etwa 11h sind die Strassen fast noch autoleer. Viele Geschäfte öffnen erst um 10h30 oder 11h. Aber dann geht es los! Es hupt und hupt und hupt ununterbrochen. Und es herrscht ein ziemliches Tohuwabohu. Alle Verkehrsteilnehmer wuseln und drängeln wild durcheinander. Aber es ist interessant und wir wissen gar nicht mehr wo schauen. Bei den Markthallen würden wir gerne mal reinschauen, aber der Gestank des Fleisches hält uns davon ab. Unterwegs werden wir oft von Kindern, Frauen und Männern angebettelt. Aber das skurrilste was wir sehen, ist ein Mann mit einem Bart, der nur ein kurzes Hemd trägt, sonst nichts. Oh Schreck!!! Jetzt habe ich den Kulturschock, den uns alle prophezeiht haben…!
Eigentlich sind wir unterwegs, um ein neues Smartphone zu kaufen. Zuerst finden wir lange, lange keinen Handy-Shop, aber dann einen nach dem anderen. Und tatsächlich kaufen wir wieder ein Samsung Smartphone, nur eine SIM-Card bekommen wir nicht. Der Handy-Verkäufer kommt mit uns in einen Papeterieladen und dort verhilft uns ein Restaurantbesitzer zu der SIM-Card. Eigentlich sind die SIM-Cards nur für die Einheimischen und kosten nichts. Wir müssen den Pass zeigen, 100 Rupien bezahlen und haben jetzt ein Guthaben von etwa 1.50 Sfr. auf dem Phone. Davon geht ungefähr die Hälfte weg für ein Test-SMS in die Schweiz.
Abendessen je ein Hühnerbein, fein grilliert und je zwei Chapati dazu.
Mittwoch, 20.Mai 2015: Mumbai – Delhi
Nach dem Frühstück über die Strasse, mit einem Glas Lassi und einem frischen Brötchen, begegnen wir wieder dem bärtigen Mann ohne Hose. Er kommt uns ganz gemütlich auf dem Trottoir entgegen. Oh Graus! Um 10h ist Checkout-Time und wird werden fast aus dem Hotel hinaus geschmissen. Per Taxi geht es in 40 Minuten zum Inlandflugplatz von Mumbai. Unterwegs ziemlich krasse Bilder von Slums und Leuten die unter den Brücken wohnen. Beim Flugplatz sehen wir beim
Aussteigen aus dem Taxi gerade noch, wie eine grosse Ratte um ihr Leben in die Eingangshalle des Flughafengebäudes rennt. Dort schreit eine Frau markerschütternd, weil ihr die Ratte über die Füsse und an ihr hinauf springt . Die Frau hat die totale Panik. Wir finden zwar den Flughafen sehr sauber. Um 14h30 fliegen wir zwei Stunden lang mit „IndiGo“ nach New Delhi. In Mumbai waren 35°, hier in Delhi sind es 40°! Wir landen auf dem Inlandflugplatz und müssen mit einem Shuttlebus zum Internationalen Flugplatz. Hier wollen wir unsere schwere Reisetasche abgeben. Die Frau am Gepäckaufbewahrungsschalter ist sehr unfreundlich.
Unsere Tasche ist 20 Kilo und 65 Gramm schwer. Bis 20 Kilo kostet es pro Tag 400 Rupien (ca 6 Sfr.), über 20 Kilo 600 Rupien pro Tag (ca. 9 Sfr.). Wir müssen die Tasche öffnen und nehmen ein Buch heraus. Wir verschliessen sie wieder fein säuberlich und sie wird wieder gewogen. Jetzt sind immer noch 20 Gramm zuviel drin! Also nochmals aufmachen, eine Short raus nehmen und jetzt ist die Frau zufrieden. Die Tasche wiegt nun 19 Kilo und 995 Gramm !!! So und jetzt geht es per Taxi in die Stadt. Wir wollen zum Busbahnhof und morgen per Bus nach Agra fahren. Unterwegs in die Stadt müssen wir noch 10,8 kg Gas tanken und das dauert! Das Verkehrsgetümmel ist unglaublich! Der Taxidriver und sein Bruder bringen uns zu einem Reisebüro, wo wir das Busticket kaufen sollen. Paul bleibt im Taxi und bewacht das Gepäck. No Problem! Der Mann im Reisebüro sagt mir, die nächsten 9 Tage seien alle Busse ausgebucht. Dann schaut er bei der Bahn nach. Auch hier die nächsten 6 Tage alles besetzt. Er schlägt mir vor, wir sollen ein Auto mit einem privaten Fahrer nehmen. Ich laufe immer wieder hinaus zu Paul um mich mit ihm zu beraten. Wir finden den Preis einfach zu hoch. 18'500 Rupien pro Person für 6 Tage Auto mit Fahrer und 6 Nächte Hotel mit Frühstück. Ich handle mit dem Mann, er heisst Sameer, noch den Eintrittspreis für den Taj Mahal (750 Rupien/Person) ein und wir werden uns einig. Sameer meint, er habe noch nie mit einer Frau verhandelt wie mir und genau wegen solchen Frauen sei er noch nicht verheiratet. Frecher Kerl! Wir werden von unserem neuen Fahrer ins Hotel „Sajen Continental“ gefahren und bekommen ein schönes Zimmer im 3.Stock. Im 4. Stock befindet sich ein sehr ungemütliches Restaurant, wo wir nur schnell ein Bier trinken. Wir haben seit Mumbai nichts mehr getrunken. Danach gehen wir zum „Chicken Corner„ an der nächsten Ecke und essen je zwei Hühnerschenkel mit scharfer Sauce (aber gut!) und je ein Roti (Brotfladen) und eine Cola dazu. Wir sitzen draussen und der Verkehrslärm ist ohrenbetäubend. Und es ist heissss! Auch jetzt noch, um fast 22h ist die Luft wie aus einem heissen Föhn. Zum ersten Mal sind wir froh um eine Klimaanlage im Zimmer. Aber an schlafen ist trotzdem noch lange nicht zu denken. Es hat Familien mit vielen Kindern im Hotel und die Kleinen spielen und schreien vergnügt bis um 23h30 im Gang vor unserem Zimmer herum.
























