Samstag, 23.Mai 2015: Jaipur
Unser Fahrer Radz ist enorm pünktlich. Wenn er sagt 9h, ist er um 9h auch da. Er schläft irgendwo in einer billigen Unterkunft, wir wissen nicht wo. Zuerst fährt er uns zum Fort Amber. Hier könnte man auf einem Elefantenrücken bequem zum Fort hinauf reiten. Aber da wir ja sowieso nur ständig faul im gekühlten Auto herum sitzen, laufen wir den Berg hinauf. Die Händler die uns unendlich Ramsch andrehen wollen sind überaus lästig, 200 Mal „nein“ sagen hilft überhaupt nichts. Oben beim Fort muss man (als Ausländer) 200 Rupien (3 Fr.) pro Person Eintritt bezahlen. Das Fort oder der Palast sind echt schön, aber die elenden vielen Verkäufer von irgendwelchem Krimskrams, siehe oben...
Amber, die alte Hauptstadt des Fürstenstaates Jaipur, liegt nur wenige Kilometer nördlich von Zentrum Jaipurs und gehört mit dem ab 1592 durch Maharaja Man Singh erbauten Fort Amber inzwischen ebenfalls zum Stadtgebiet.
Das Fort Amber ist wegen der vergleichsweise gut erhaltenen Rajputen-Einrichtung von überregionalem touristischen Interesse.
Im unmittelbar beim Fort Amber gelegenen Fort Jaigarh befindet sich die aus dem Jahr 1720 stammende, grösste jemals gebaute bewegliche Kanone auf Rädern.
Danach fahren wir in die pinkfarbene Altstadt von Jaipur die teilweise von einer Stadtmauer mit Zinnen und Stadttoren umzogen ist.
Jaipur wird wegen der einheitlich rosaroten Farbe der Gebäude im Altstadtviertel „Pink City“ („rosa Stadt“) genannt. Den Anstrich erhielt sie 1876 in Vorbereitung auf den Besuch von Kronprinz Albert Eduard, Prince of Wales. Rosarot ist Rajasthans traditionelle Farbe der Gastlichkeit.
Das berühmteste Wahrzeichen von Jaipur ist der sich nach oben verjüngende Hawa Mahal („Palast der Winde“). Er wurde 1799 von Maharaja Sawaj Pratap Singh erbaut. Die auffällige Konstruktion diente den zahlreichen Damen des Hofes, die sich nicht unter das einfache Volk begeben durften, als Beobachtungsposten vor allem bei den beliebten Prozessionen. So sah, hörte und roch man alles von der Strasse, konnte aber aufgrund der abdunkelnden Bauweise von aussen nicht bemerkt werden. Ihren Namen erhielt die Schaufassade wegen der raffinierten Luftzirkulation, die stets eine frische Brise durch die Räume ziehen liess.
Radz fährt uns kreuz und quer durch die quirlige pinkfarbene Altstadt. Die ist wirklich sehenswert.
Und danach will er uns unbedingt in eine „Fabrik“ bringen, wo man Kleider, Hemden, Blusen nach Mass schneidern lassen kann. Man zeigt uns, wie mit Holzstempeln und natürlichen Farben Tischdecken, Bettüberwürfe usw. hergestellt werden. Das ist sehr interessant. Dann sehen wir, wie junge Männer in Handarbeit kostbare Saris und Hochzeitsanzüge für Männer besticken. Jede einzelne Perle wird von Hand aufgenäht. Und jetzt kommt Paul endlich mal in den Besitz von zwei schönen neuen Hemden. Uff, das war echte Schwerstarbeit, ihn davon zu überzeugen! Das Material ist herrlich weich, leicht und bügelfrei, ein Gemisch aus Seide und Baumwolle. Wir feilschen und feilschen und zum Schluss hat Paul zwei Hemden zum Preis von einem. Heute Abend 18h werden sie ins Hotel geliefert.
Jetzt besuchen wir noch das Observatorium. Die mit gelblichem Gips überzogenen Dreiecke, Kreise und Säulen aus Ziegelstein, die das Observatorium („Jantar Mantar“) des Stadtgründers und Hobbyastronomen Jai Singh II. bilden, stehen im südlichen Hof des Palastkomplexes. Zwischen 1728 und 1734 wurden insgesamt 18 Instrumente errichtet, darunter die 27 Meter hohe Sonnenuhr. Obwohl der Herrscher durch Forschungsarbeiten ausländischer Astronomen und den Rat seiner Lehrer, darunter auch seine Mutter, beeinflusst wurde, hat er etliche dieser Messinstrumente selbst entworfen. Mit ihnen lassen sich die Position und Bewegung von Sternen und Planeten bestimmen, die Zeit ablesen und sogar Voraussagen über die Intensität des Monsuns treffen.
Dieses Observatorium wäre bestimmt sehr interessant, wenn man dazu Erklärungen hätte und etwas verstehen würde. So verstehen wir überhaupt nichts davon….
Gleich daneben liegt der im Jahre 1890 gebaute Stadtpalast, von hohen Mauern umschlossen zwischen Gärten und Höfen mitten im Stadtzentrum und ist als „Maharaja Sawai Mansingh II Museum“ für die Öffentlichkeit zugänglich. Einige Teile des Palastkomplexes sind Teil des
Museums. Noch heute bewohnen Nachfahren der Herrscherfamilie einen Teil des Palastes und bei formellen Anlässen durchschreiten Familienangehörige in einer aufwendigen Prozession das grosse Tripolia-Tor der südlichen Stadtmauer.
Aber jetzt haben wir endgültig genug von Palästen und Forts. Wir machen noch einen Besuch bei einem Gewürzhändler und lassen uns dann ins Hotel bringen. Bis morgen sind wir nun frei. Wir laufen über die Strasse und essen in einem Einheimischen-Lokal zu Mittag. Thali. Ein Gericht mit wenig Reis, 4 verschiedenen ziemlich „very spicy“ Saucen und einer Joghurtsauce. Dazu zwei Rotis. Alles sehr gut und eine Portion ist genug für uns beide. Aber leider, leider ist das blöde Koreanderkraut auch hier überall drin, ausser an einer Sauce.
Das Internet funktioniert in unserem Hotel nur bei der Reception und es ist sehr mühsam einen Flug zu buchen.
Endlich, um 19h30, statt um 18h werden Paul's 2 neue Hemden gebracht. Sie sind sehr schön geworden und eines davon wird sofort angezogen. Wegen den 1½ Stunden Verspätung bekommt der Überbringer der Hemden kein Trinkgeld. Der macht vielleicht Augen!
Das Abendessen nehmen wir im gleichen Restaurant wie das Mittagessen ein. Wir bestellen „Paneer Tikka Masala“, haben aber keine Ahnung, was wir eigentlich bestellt haben. Auf jeden Fall geht Paul himself zum Koch und teilt ihm mit, dass wir KEINEN Koriander (auf Indisch Dania) haben wollen. Das klappt prima und wir bekommen je ein Knoblauch-Nan (Brotfladen) und zusammen eine Portion „Paneer Tikka Masala“ und es ist supergut und vor allem genug. Es ist Tofu, an einer sehr guten roten Gemüsesauce, mmm!


















































