Montag, 9. Mai 2016: unterwegs nach Rodrigues, 10.Tag 108,1 sm
Es ist total bewölkt, Regen und wunderschöner, ganzer Regenbogen. Um 12h Funk mit Julio, die „Ilusión“ ist 20sm backbords, querab von uns. Beim 18h Funk ist die „Ilusión“ noch 18sm querab von uns. Den ganzen Tag abwechselnd Wolken, Wind, Squalls, mit Regen. 4-5m hohe Wellen, obwohl es sehr schwierig ist die Wellenhöhe zu schätzen. Wir wissen nicht, wie andere Segler das machen.
20h00, noch 600 sm bis Rodrigues.
Die „Ilusión“ teilt uns ihren Entschluss mit, mit uns nach Rodrigues zu segeln. Eigentlich wollten sie ja direkt nach La Réunion segeln.
Dienstag, 10. Mai 2016: unterwegs nach Rodrigues, 11.Tag 94 sm
Leicht bewölkt und sonnig. Beim 6h Funk sagt Julio, er wolle SE fahren. Paul bittet ihn, „vorwärts“ zu fahren und nicht zurück, wenn es irgendwie geht! Wir haben eine sehr anstrengende Nacht hinter uns. Entweder war zu wenig Wind, oder viel zu viel davon. Von 4 – 35 Knoten aus allen Windrichtungen, das volle Programm mit riesengrossen Wellen und Regen. Paul kommt kaum zum Schlafen. Funken um 9h nochmals mit Julio. Jetzt fährt er den gleichen Kurs zum Ziel wie wir, nur weiter südlich. Soledad und Julio schlagen sich sehr tapfer mit nur noch etwa 1/3 des Ruders. Julio jammert an der Funke nie, im Gegenteil, er bedankt sich jedesmal für unsere Hilfe. Dabei können wir den beiden ja eigentlich nicht wirklich helfen.
Heute wäre superguter Segelwind aus SE, aber wir bremsen den ganzen Tag wie die Weltmeister, um die „Ilusión“ näher kommen zu lassen. Um 15h sind noch 14 sm bis zu uns und um 21h sehen wir die Lichter der „Ilusión“.
Mittwoch, 11. Mai 2016: unterwegs nach Rodrigues, 12.Tag 114,8 sm
Beim 6h Funk sind Soledad und Julio „wahnsinnig happy“, dass sie jetzt neben uns sind und uns sehen können. Enorm mühsames Segeln. Es läuft zwar gut, 18 – 25 Kn Wind, aber mit Riesenwellen. Um 20h30 sitze ich im Cockpit, Paul inspiziert unten unseren Kühlschrank. Plötzlich schlägt eine mächtige Welle an die Backbordwand und ergiesst sich anschliessend voll in unser Cockpit. Ich bin von den Haarspitzen bis zu den Zehennägeln und bis auf die Knochen im Salzwasser gebadet. Alle Badetücher und Sitzkissen sind tropfend salznass. Das hatten wir in den ganzen letzten 10 Jahren noch NIE! Und das wiederholt sich nun ständig wieder, bis zu unserem Ziel in Rodrigues. Die ganze Nacht Höllenritt! Wir segeln mit zwei Zipfelchen Segeltuch und sind immer noch 6 Kn schnell. Die „Ilusión“ ist jetzt immer in unserer Sichtweite.
Donnerstag, 12. Mai 2016: unterwegs nach Rodrigues, 13.Tag 121,3 sm
Sonne und bewölkt. Ganze Nacht und ganzer Tag Horror-Rodeoreiten! Dazu immer wieder heftige Squalls mit Regenschauern
Wir sehnen uns nach frischen Früchten, Gemüsen, Salaten, Käse und Paul träumt von Schweinekotletts! Mmm! Und ich träume von einem Bett, in dem ich eine ganze Nacht durchschlafen kann!
Freitag, 13. Mai 2016: unterwegs nach Rodrigues, 14.Tag 126,3 sm
Grau in grau, Squalls, Regen, wir stecken in einer starken Strömung und kommen nicht los von ihr.
Freitag der 13.! Wir sind die ganze Nacht mit 20 – 35 Kn Wind gesegelt wie der Teufel. Sind ständig am Verkleinern der beiden Segel. Und der Tag geht genau so anstrengend weiter. Während ich mit Julio am Funken bin, meldet Soledad, dass ihr Hauptsegel zerrissen ist. So ein Mist! Wie sollen wir helfen bei dem Wind und 5 m hohen Wellen??? Wir haben ja mit uns selber genug zu tun. Wir drosseln wieder mal das Tempo und warten auf die „Ilusión“. Es sind noch 180 sm bis Rodrigues und es hört nicht mehr auf mit den Pannen. Bei uns muss Paul zum Bug kriechen. Die Rolle des Aufrollmechanismus des Vorsegels dreht sich nicht mehr. Aber Gott sei Dank, Paul kann es richten und es tut wieder.
Die Küche bleibt heute kalt, zu viel Höllenritt! Es gibt nur Butterschnitten mit dem gestern frisch gebackenen Brot. Die MABUHAY kann den Kurs nicht halten, Wind, Wellen und Strömung sind zusammen zu stark. Die MABUHAY „driftet“ seitlich Richtung Rodrigues.
Wir reissen eine Schiene für das Grosssegel aus dem Baum, können das Segel aber trotzdem noch einigermassen nutzen. Freitag der 13!
Samstag, 14. Mai 2016: unterwegs nach Rodrigues, 15.Tag 108,4 sm
Wenig sonnig, bewölkt. Um 9h haben wir das Gefühl, die Wettersituation bessert sich langsam. Haben nur noch 15 Kn Wind aus E. Aber um 12h haben wir schon wieder 28 Kn Wind und Regen.
Die „Ilusión“ ist aus unserem Blickfeld verschwunden. Sie ist etwa 10 sm von uns weg, aber wir halten Funkkontakt. Noch 80 sm bis Rodrigues. Wir haben Wasser in der Bilge, wissen aber nicht woher es kommt. Paul sucht überall, wird aber nicht fündig, trotzdem haben wir es gut unter Kontrolle. Die „Ilusión“ kommt wieder in Sicht. In der Nacht kommt sie uns sogar viel zu nah (0,4sm gemäss AIS), so dass Paul ununterbrochen flucht!
Sonntag, 15.Mai 2016: Rodrigues, Port Mathurin, 16. Tag, 92,3 sm
Gegen 8h melden wir uns bei den Behörden von Port Mathurin in Rodrigues per VHF-Funk an. Wir stellen unsere Uhren um eine Stunde zurück. Mario von der MARES heisst uns auf Schweizerdeutsch am Funk herzlich willkommen. Oh, ist das schön!!! Wir haben der „Ilusión“ den Vortritt in die Ankerbucht gelassen, schliesslich ist ihr Schiff havariert. Wir warten draussen noch einen gewaltigen Regenschauer ab. Um 10h ankern wir in der Hafenbucht von PortMathurin.
Wir sind enorm froh und erleichtert, als wir am Sonntagmorgen alle vier total müde und erledigt, aber gesund in Rodrigues ankommen. Mann, sind wir erlöst, die „Verantwortung“ für die Spanische „Ilusión“ abzugeben und nur noch unsere eigenen Wunden zu lecken.
Wir können kaum den Anker in den Schlick werfen, kommt schon die Coast Guard und die Gesundheitsbehörde an Bord um uns einzuklarieren. Der Coast Guard Beamte will das Innere der MABUHAY sehen und hebt sogar das Bodenbrett über der Bilge an und schaut darunter. Dank unserer „Bremserei“ kommen wir an einem Sonntag an und müssen deshalb „overtime“ bezahlen. Später kommt noch der Immigration-Mann und der Zoll-Mann dazu. Mir scheint diese Einklarierung ein elender Papierkrieg zu sein. Nur für den Zoll muss ich schon 13 Formulare (!!!!!) ausfüllen, Paul muss sie alle mit unserem MABUHAY-Stempel stempeln und dann unterschreiben. Uff!!! Aber alle sind sehr nett zu uns.
Nach der ganzen Prozedur kommen Soledad und Julio von der „Ilusión“ mit dem Dinghy an unsere Bordwand und bedanken sich für unsere Hilfe und Begleitung. Und schon rauschen sie mit ihrem Dinghy davon, an Land. Unser Dinghy ist noch auf der MABUHAY verschnürt, es muss erst noch abgeladen, ein wenig aufgepumpt und der Motor muss auch noch daran montiert werden……
Am Nachmittag rudern Esther, Mario und Laura von der MARES zu uns und bringen uns zum Willkomm eine Trinkkokosnuss und zwei frische Baguettes. Wow! Ist das schön, so willkommen geheissen zu werden!
Wir verlegen die MABUHAY von der Ankerbucht rüber an die Hafenmauer. Esther und Mario helfen beim Festmachen. Aber Paul fühlt sich hier nicht besonders wohl mit den fast 2m Tide und ausserdem ist die MABUHAY sofort total verdreckt vom schwarzen Sand auf der Hafenmole.
Den ersten Kälteschock haben wir auch schon hinter uns. In den Malediven hatten wir immer 33 °, hier schöne 25 oder 26°. In der Nacht deutlich weniger. Zum schlafen richtig angenehm.
Wir haben von den Malediven (von Gan) bis Rodrigues 1549,8sm oder 2870,2km zurückgelegt. Dafür haben wir 120 Liter Diesel verbraucht.
Aber nun wollen wir uns erholen und die wunderschöne Insel Rodrigues, geniessen wo es Baguettes, Camembert, Salami und Schweinefleisch gibt. Wir wollen einen ganzen Monat hier bleiben.









