Mittwoch, 1. Juni 2016: Rodrigues, Port Mathurin
Um 06h läutet bereits der Wecker. Weil für die nächsten 3 Tage Starkwind bis 32 Knoten angesagt ist, verlegen wir die MABUHAY an die Mauer des Hafens. Esther und Mario helfen uns anlegen. Nun liegen wir zwischen den Katamaranen „WOW“ und der „Pedoja“. Den ganzen Morgen gibt es immer wieder sehr kurze Regenschauer von etwa 1 Minute. Kaum sind alle Luken geschlossen, kann man sie schon wieder öffnen. Wir machen einen kurzen Rundgang im Ort, Bäckerei und Markt. Wir staunen immer wieder über die hiesige Mode. Alles ist erlaubt, Hauptsache schön bunt. Und ob die Farben zusammen passen oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle. Und hauteng muss es bei den Frauen auch sein, seien es die Oberteile oder die Jeans und Leggins.
Donnerstag, 2. Juni 2016: Rodrigues, Port Mathurin
Gestern, nachdem wir nun schon 2½ Wochen hier in Rodrigues sind, hat man uns ausrichten lassen, dass wir zum Zollamt müssten, um die Kosten für „overtime“ für das Einklarieren an einem Sonntag zu bezahlen. Der Zollbeamte, der uns einklariert hat, hat gesagt, dass wir „overtime“ bezahlen müssen, hat uns aber nicht gesagt, wann, wo und wieviel. Um 9h machen wir uns auf den Weg und suchen das Zollamt. Nachdem wir 2 mal einen Polizisten gefragt haben, finden wir es endlich. Die „Overtime-Gebühr“ kostet 2000 Rupien (fast 60 Sfr.!!!). Für unsere Gutmütigkeit, dass wir die Spanier mit ihrer defekten „Ilusion“ begleitet haben und dafür ständig bremsen mussten, werden wir nun also bestraft…!
Wir laufen zum Busbahnhof und fahren mit dem 10h10 Bus nach Pointe Coton. Im Bus dröhnt höllenlaute Reggae-Musik. Neben Paul sitzt eine schwarze Frau, die ihren kleinen Buben stillt. Wir kommen uns hier vor wie in der Karibik oder in Afrika. Aber schön ist es. In Pointe Coton steigen wir um 11h aus. Im Restaurant „Chez Madame la Rose“ bestellen wir für 12h 2 mal Schweinskoteletts. Wir spazieren eine Stunde lang am Strand herum und schauen zu, wie das Meer tobt und schäumt. Der Wind bläst kräftig mit bestimmt 30 Knoten. Das Schweinekotelett entpuppt sich als seeehr fettig, aber mir schmeckt es trotzdem. Paul ist enttäuscht, hatte er sich doch so sehr auf ein Kotelett gefreut, wie er es von Europa her kennt. Dazu gibt es Reis, Kürbismus, Auberginen, Kabissalat und Linsensauce. Ich finde alles gut und putze meinen Teller leer. Aber jetzt wissen wir, warum es hier auf dieser Insel so viele „wohlgenährte“ Leute gibt. Es muss das creolische Essen sein. Eigentlich wollten wir nach dem Essen wieder ein Stück laufen, aber weil es zu regnen anfängt, nehmen wir zurück auch wieder den Bus. Um 14h sind wir schon wieder zu Hause auf der MABUHAY. Es regnet immer wieder in kurzen Böen. Am Nachmittag kommt ein Schiff herein, ein alleinsegelnder Engländer, mit einem gebrochenen Vorstag, und das seit etwa einer Woche. Oh je, der arme Kerl!
Zum Abendessen gibt es wieder einmal ein selbergebackenes Brot. Die Baguettes sind ja zwar schon gut, aber überall haben wir davon Brotbrösmeli herumliegen, und das nervt mich. Ausserdem ist halt so ein frisches Brot mit Körnern immer wieder gut. Wegen den lästigen Brotbrösmli haben wir uns schon überlegt, zwei Bibeli (Kücken), so richtig schöne gelbe Federknäuelchen, zu kaufen, die alles aufpicken.
Freitag, 3. Juni 2016: Rodrigues, Port Mathurin
Die ganze Nacht war sehr unruhig. Die MABUHAY hat ständig an den Leinen gezerrt und geruckt, dass es nicht mehr schön war. Dazu immer wieder heftige Windböen. Es regnet immer wieder in kurzen Schüben und es ist eher kalt. Wir sind den ganzen Tag an Bord. Abends wäre um 19h in einem Restaurant während zwei Stunden Jazzmusik angesagt. Aber da alle Segler dorthin gehen wollen, bleiben wir zu Hause und kochen Spaghetti mit Späckwürfeli. Es sind uns einfach zu viele Leute. Im Nachhinein erfahren wir, dass praktisch NIEMAND hingegangen ist….
Samstag, 4. Juni 2016: Rodrigues, Port Mathurin
Wieder war so eine ungemütliche Nacht wo die MABUHAY ruckt uns zerrt. Am Montag kommt das Versorgungsschiff, dann müssen wieder alle Schiffe weg von der Hafenmauer und dann werden wir gleich draussen vor Anker bleiben. Die MABUHAY sieht aus wie eine Kohlengrube….
Wir sind um 8h30 beim Markt. Man merkt, dass Samstag ist, es hat viel mehr Händler als an normalen Wochentagen. Heute fahren zwei Schiffe weg nach Mauritius und La Réunion, Ludovic mit seiner „tupenny“ und die Akrobaten mit ihrer „la loupette“.
Am Nachmittag machen wir mit Laura von der „Mares“ einen 2½ stündigen Spaziergang bis zur Baie des Huîtres. In dieser Bucht befindet sich das Gefängnis von Rodrigues. Man hat uns erzählt, dass die Gefangenen über das Wochenende nach Hause dürften und das Gefängnis geschlossen sei. Also wenn das wirklich stimmt, ist das doch toll, oder?
An einem Samstagnachmittag ist der Ort Port Mathurin wie ausgestorben. Ab 12h sind alle Geschäfte geschlossen. Am Abend sind wir auf der „Mares“ zu einem überraschenden Abendessen eingeladen. Nochmals merci für den gemütlichen Abend!
Sonntag, 5. Juni 2016: Rodrigues, Port Mathurin
Auch diese Nacht war wieder sehr unruhig. Heute ist Neumond und wenn das Meer besonders hoch über das Riff schlägt, gebärden sich die Schiffe an der Mauer wie wild.
Wir haben eine neue Leidenschaft entdeckt: Bus fahren! Das Wetter ist schön. Nach dem wir ein Picknick eingekauft haben, nehmen wir den 10h10 Bus, ein uralter Klepper, und fahren quer über die Insel. Der Bus klettert keuchend über die hohen Berge (der Höchste ist 389,3m hoch!) und nach 55 Minuten steigen wir in der Anse Mourouk aus. Wir laufen etwa eine Stunde dem Meer entlang und schauen uns die Gegend an. Weil wir an einem Meeresarm nicht mehr weiterkommen, kehren wir um und weil es anfängt zu regnen, essen wir im Restaurant „tilapa“ zu Mittag. Es dauert ewig (fast eine Stunde), bis das Essen endlich kommt, aber dann ist es gut. Wenigstens mein Huhn, Paul ist von seinem Schwein nicht sehr begeistert. Das Picknick bleibt im Rucksack. Nun laufen wir ein Stück der Strasse entlang und halten unterwegs den Bus auf, der dem Meer entlang nach Rivière Coco fährt. Dort trinken wir einen Kaffee und kehren mit dem 14h30 Bus wieder nach Port Mathurin zurück, wo wir gegen 16h eintreffen. Unterwegs gibt es immer wieder kurze Regenschütten und dann scheint die Sonne wieder heiss vom Himmel.
Montag, 6. Juni 2016: Rodrigues, Port Mathurin
Heute kommt wieder das Versorgungsschiff „ANNA“. Auf der Tafel beim Hafeneingang stand gestern, dass alle Segler um 8h30 raus müssen, damit das grosse Schiff an der Mauer anlegen kann. Ich bin kaum aufgestanden, heisst es schon: „Das Schiff kommt, alle müssen ganz schnell weg!“ Nun kommt aber Hektik auf! Wir sind das zweite Schiff von etwa 13, das durch die lange Einfahrt hinaus aufs Meer fährt. Und klar ist ja auch wieder, dass es genau in dieser Zeit, wo wir alle rausfahren einen Megasquall gibt mit Wind und Regen. Das wäre ja sonst auch zu langweilig. Um 9h sind alle Schiffe wieder in der Hafenbucht vor Anker. Beim Frühstück schauen wir zu, wie von der „ANNA“ ein Container nach dem anderen abgeladen wird. Paul kriegt fast einen Herzanfall, als er sieht, wie die „ANNA“ in Schräglage kommt und zu kentern droht. Uff!!!
Heute ist ein ganz besonderer Tag. Am 6.6.2006 haben wir die Leinen der MABUHAY in Südfrankreich gelöst und sind mit ihr auf die grosse Abenteuerreise gestartet. Und diese 10 Jahre müssen doch gefeiert werden, oder? Um 17h30 machen wir uns schick, so gut das eben mit den Schiffsklamotten geht, und machen uns auf den Weg für ein feines Abendessen. Der Ort Port Mathurin ist wie ausgestorben. Um 16h machen die meisten Läden dicht. Das Restaurant „Les deux frères“, wo wir hin möchten, hat geschlossen. Auch das „Ti Piment Rouge“ ist geschlossen. Wir versuchen es noch bei einem anderen Lokal und werden nochmals enttäuscht. Zum Schluss gehen wir ins „Nilla“, wo wir unser erstes Essen hier in Rodrigues hatten. Wir essen zusammen eine Portion „bol renversé“. Es ist sehr gut und wir werden beide satt. Ein Bier dazu gibt es nicht, wir trinken Wasser und um 18h20 (!!!) sind wir zurück auf der MABUHAY und schenken uns ein Glas Rotwein ein. Später erfahren wir, dass die Restaurants erst um 19h öffnen.























