Donnerstag, 16. Juni 2016: unterwegs Rodrigues – Mauritius, 3.Tag 115,8 sm
In der Nacht wunderbarer Sternenhimmel. Immer noch sehr viel Wind und kalt. Wir mummeln uns ein wie die Mumien. Begegnen nachts 9 Cargoschiffen und Tankern. So wie das aussieht, sind wir hier mitten auf der Hochsee-Autobahn. Ein Tanker fährt zum Beispiel von Indien nach Angola. Zum Glück ist der heutige Tag nicht mehr so grau sondern leicht bewölkt bis sonnig.
Freitag, 17. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Sind heute, am Freitag, um 11h, nach 3 Tagen sehr kaltem Segeln (nur segeln!) gut in Mauritius angekommen. Den Motor müssen wir nur für die Einfahrt in den Hafen anschmeissen. Die Reise war 350 sm lang oder 650 km.
Wir legen an der hohen Mauer beim Zoll-und Coast-Guard-Gebäude an. Um auf die Mauer zu kommen, müssen wir über ein Geländer klettern. Ich, weil der Skipper kein Englisch oder Französisch spricht, muss zur Coast-Guard und denen mitteilen, dass wir da sind und einklarieren möchten. Paul muss auf dem Schiff bleiben. Obwohl Rodrigues und Mauritius zusammengehören, muss man hier nochmals die ganze Einklarierungsprozedur machen. Von hier schickt man mich zur Immigration. Dazu muss ich ein Taxi oder ein Taxiboot nehmen um rüber zur Capitaneria zu gelangen. Es ist fast Mittag und der Immigrationbeamte hat sich in seinem Büro eingeschlossen. Ich weiss nicht, ob um in Ruhe zu Mittag zu essen, oder für ein Mittagsschläfen. Auf jeden Fall öffnet er die Türe und stempelt die beiden Pässe. Wir bekommen die Aufenthaltsgenehmigung für 60 Tage.
Mauritius
Amtssprachen: Englisch und Französisch
Hauptstadt: Port Louis
Staatsform: Parlamentarische Republik
Staatspräsidentin: seit Juni 2015 Ameenah Gurib (eine Frau!)
Fläche: 2.040 km²
Einwohnerzahl: 1.296.303 (2013)
Bevölkerungsdichte: 635 Einwohner pro km²
Währung: Mauritius-Rupie (MUR) (100 MUR = 2.84 SFr., am 23.6.16)
Unabhängigkeit: 12. März 1968 (vom Vereinigten Königreich)
Mauritius ist ein Inselstaat im Südwesten des Indischen Ozeans ungefähr 870 Kilometer östlich von Madagaskar. Das afrikanische Festland befindet sich etwa 1700 Kilometer, das französische Übersee-Département La Réunion etwa 200 km westlich von Mauritius.
Der Staat Mauritius besteht aus zwei grossen und mehreren kleineren Inseln: Auf Mauritius selbst, der grössten Insel des Staates, liegt die Hauptstadt Port Louis.
Samstag, 18. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Wir haben beide 12 Stunden tief und fest am Stück geschlafen. Am Morgen, als wir erwachen, ruckt und zieht die MABUHAY an ihren Leinen. Wir haben Angst, dass sie sich an den scharfen Kanten der Hafenmauer verletzt. Man hat uns gesagt, dass der Katamaran „Happy Planet“ heute die Marina verlässt und wir könnten an seinen Platz gehen. Wir fragen bei den Leuten des Katamarans nach und die teilen uns mit, dass sie erst am Mittwoch wegfahren werden. Also, entscheiden wir uns, wie uns der Marinachef gestern empfohlen hatte, „im Päckchen“ an die „Flomaida“ anzulegen. Um 11h liegen wir fest und sicher im Päckchen an der „Flomaida“ von Dagmar und Christoph, aus Deutschland, die wir seit den Malediven kennen. Sie sind im Moment zu Hause in Deutschland.
Paul schmeisst als erstes einmal einen seiner Croqs ins Wasser und muss ihn mit dem Bootshaken wieder herausfischen. Er betont hoch und heilig, dass die MABUHAY heute noch nicht geschrubbt wird. Er installiert den Wasserschlauch und will eine ½ Stunde später anfangen zu schrubben. Als er das Wasser aufdreht, platzt der Schrumpfschlauch (vor 2 Jahren in Frankreich gekauft) an einer Stelle. Der Skipper investiert eine ganze Stunde, den Schlauch zu reparieren, d.h. ihn an der defekten Stelle zu kürzen. Nachdem er dies getan hat, wird der Wasserhahn wieder aufgedreht und der Schlauch platzt wieder, diesmal aber an diversen Stellen. Psst, ich darf nicht lachen!!! Der Schlauch wird entsorgt und der neue Schrumpfschlauch kommt in Betrieb!!! Zum Glück hält dieser. Paul schrubbt etwa die Hälfte des Schiffes ausgiebig. Dabei tritt er rückwärts in den Wasserkessel…
Ich bin damit beschäftigt, die Händler die kommen, abzuwimmeln. Ständig will einer was von uns. Einer will Wäsche zum waschen, ein anderer will uns Schiffsersatzteile verkaufen ein dritter bietet uns Touren an und ein vierter ist Taxidriver. Oh Mann, ist das mühsam! Ein Inder, der hier auch ein Schiff hat, bietet uns auch seine Dienste an. Er heisst Sunil und holt mit seinem Roller 7 Kilo Gas für uns. Er will nichts dafür haben, er mache das einfach so. Er kennt auch einen Schreiner, der am Dienstag zu uns kommen will, um den Schaden am Holz, den wir aus den Malediven mitgebracht haben, zu reparieren. Gegen Abend kommt einer der heisst Robin. Er sagt uns, er habe eine Schwester in Unterwasser (Kanton St.Gallen) die dort mit einem Schweizer verheiratet sei. Er sei schon etwa 14 Mal in der Schweiz gewesen. Robin will uns unbedingt irgendwohin fahren, er sei Touroperator. Er hole uns abends um 19h ab und fahre mit uns in die „Grande Baie“ zum Lobster essen. Ich teile ihm mit, dass wir keine Lobster oder Meeresfrüchte essen. Also dann will er morgen Sonntag, etwas mit uns unternehmen. Ich teile ihm mit, dass wir morgen keine Zeit hätten, das Schiff müsse geschrubbt und in Ordnung gebracht werden. Grundsätzlich seien wir aber schon interessiert, mit ihm eine Tour zu unternehmen.
Den ganzen Nachmittag regnet es immer wieder ganz kurz und leicht.
Sonntag, 19. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
8h30, wir sind gerade fertig mit dem Frühstück, steht Robin da und will wieder mit uns irgendwohin. Mann, das nervt uns aber! Ich erkläre ihm, dass wir heute nicht weg wollen, höchstens am Nachmittag ein wenig in der Stadt spazieren gehen. Ich sage ihm, er soll uns einen Vorschlag von einer Tour unterbreiten mit Zielen und Preisen. O.K. er will heute Abend um 17h kommen und uns einen Vorschlag machen. Während ich mich mit Robin herumschlage, putzt Paul das Cockpit innen und aussen. Dabei haut er sich am Baumende den Kopf an und das Blut läuft ihm über das Gesicht. Ich verarzte ihn und klebe ihm ein schönes Pflaster auf die Schramme auf der Stirne. Mensch, ist das aufregend hier!
Am Nachmittag schlendern wir ein wenig durch die Stadt um uns zu orientieren. Bei einem kleinen Chinesen-Snack-Lädchen trinken wir eine Cola und schauen zu, wie die Männer kommen und eine einzelne Zigarette kaufen!
Es ist fast 17h30 als Robin kommt. Er hat keinen Tour-Vorschlag ausgearbeitet, aber einen saftigen Preis für eine 4-Tages-Tour. Er trinkt zwei Dosen Bier und langt bei den Erdnüssen zünftig zu. Nach etwa 1¼ Stunden und langen, zähen Verhandlungen einigen wir uns endlich auf etwa 1/3 des ersten Preises. Nur wissen wir noch nicht, wann wir diese Reise antreten werden. Wir wollen ja hier das kaputte Holz reparieren lassen, von dem Crash-Schaden in den Malediven. Bevor das nicht erledigt ist, wollen wir nicht unterwegs sein. Robin ist Hindu und hat indische Wurzeln. Seine Vorfahren kamen als Plantagenarbeiter nach Mauritius.
Montag, 20. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Paul ist wieder am schrubben wie verrückt, hat keine Ruhe bis alles blitzt! Wenn er nur nicht ständig in die offenen Luken, die er selber geöffnet hat, Wasser ins Schiff spritzen würde!
Am Nachmittag rufen wir Rashid, den pakistanischen Taxifahrer an. Mit ihm fahren wir in zwei verschiedene Schiffszubehörläden. Paul braucht ein paar Teile, aber leider werden wir nicht fündig. Auf dem Rückweg hält Rashid bei einem kleinen Supermarkt an, wo wir Eier und ein paar Kleinigkeiten kaufen. Mmm…, wunderschöne, grosse und vor allem sehr gute Eier. Uns schaudert, wenn wir an die scheusslichen Eier der Malediven zurück denken…
Rashid verspricht uns, morgen ein frische Baguettes zum Schiff zu bringen. Ehrlich gesagt, ich glaube nicht so recht daran.
Wir liegen direkt vor dem Hotel Labourdonnais. Beim Eingang stehen 5 Fahnenmasten. Rechts sind die Indische und die Französische Flagge aufgehängt, links eine Hotelflagge und die von Mauritius. Und in der Mitte, he? Wer hat's erfunden??? Ja genau, die Schweizer. Auf meine Frage, weshalb hier eine Schweizerfahne weht sagt mir der Marinamanager, dass der Hoteldirektor ein Schweizer sei. Eine Angestellte die ich frage sagt, das sei für wichtige Gäste. Aber die Fahnen sind genau gleich, seit zwei Wochen!
Dienstag, 21. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Schönes und warmes Wetter, obwohl hier heute Winteranfang ist. Und Rashid bringt uns doch tatsächlich zwei Baguettes, und er schenkt sie uns sogar. Ich schäme mich jetzt ein wenig, an ihm gezweifelt zu haben. Rashid ist Mauritianer mit pakistanischen Wurzeln. Seine Vorfahrren wurden als Sklaven von Pakistan mach Mauritius verkauft, wo sie in den Zuckerrohrfeldern arbeiten mussten. Als die Sklaverei aufgehoben wurde, blieben sie in Mauritius. Wir möchten neue Lukenabdeckungen machen lassen und Patrick kommt um die Masse zu nehmen. Einen Preis konnte er uns nicht nennen, wollte aber eine Anzahlung von 1000 Rupien (ca. 28 Franken) haben. Mal schauen was dabei raus kommt. Irgendwann am Nachmittag kommt Robin, mit dem wir eine 4-Tagestour machen wollen. Er bringt uns eine Flasche Litschi-Wein. Die soll 15 € kosten. Wir hätten doch gesagt, wir möchten eine haben. Dabei hat er uns am Sonntag bei der Tourenverhandlung von sich aus gesagt, er bringe uns eine Flasche Litschi-Wein mit.
Heute morgen um 9h hätte der Schreiner Franky für die Holzarbeiten kommen sollen, aber er ward den ganzen Tag nicht gesehen!
Mittwoch, 22. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Richtig schönes und warmes Wetter. Wir warten bis um 10h auf Franky, den Schreiner. Aber dann reicht es uns und wir suchen und finden ihn, auf einem anderen Schiff arbeitend. Wir fragen ihn, wieso er denn gestern nicht wie abgemacht, zu uns gekommen sei. Scheinbar lag da ein Missverständnis vor. Jemand hatte ihm schon am Samstag gesagt, dass wir einen anderen Schreiner für diesen Auftrag nehmen würden. Wir versichern ihm, dass das überhaupt nicht stimmt und nun will er am Freitagnachmittag um 14h kommen, um mit der Arbeit zu beginnen. Wir sind gespannt!
Patrick teilt uns telefonisch den Preis für die Fensterabdeckungen mit: 3500 Rupien (100 SFr.). Wir geben das OK, der Schneider soll mit der Arbeit beginnen. Am Nachmittag kommt Patrick vorbei und sagt uns, der Schneider habe sich geirrt, der richtige Preis sei 6500 Rupien (185 SFr.) und wir müssten 3000 Rupien (ca. 85 SFr.) Anzahlung leisten. Wir schnappen nach Luft und sagen den Deal ab! Und Patrick will jetzt 500 Rupien (ca. 15 Sfr.) für die Vermittlung haben, wir geben ihm 300 Rupien, etwa 9 Sfr.
Donnerstag, 23. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Wir warten bis um 10h30 auf den Kostenvoranschlag für eine neue Arbeitsplatte in der Küche. Aber keiner kommt. Versprochen war zwischen 9 und 10h. Also bis jetzt können wir die Zuverlässigkeit der Handwerker hier noch nicht so besonders rühmen. Morgen ist es eine Woche her, seit wir in Mauritius sind und wir haben noch nicht sehr viel erledigen können.
Unsere Nikon- Fotokamera will nicht mehr. Wir gehen in die Stadt und suchen einen Nikon-Laden.
Dort ist man sehr freundlich, kontrolliert die Kamera, entdeckt und behebt den Fehler und das alles kostenlos! Wir schlendern durch Chinatown und finden sogar eine neue Eieruhr. Die Chinesische, die wir in Sumatra gekauft hatten, hat ganze 2 Tage gehalten und seitdem haben wir keine mehr gefunden. Wir hoffen, dass die neue, auch wieder eine Chinesische, länger hält. Und wir kaufen 3 Paar Crocs. Nein, keine Originalen, ein Paar für mich, 2 Paar für den Chef, als Reserve, falls wir wieder mal einen Schuh ins Meer schmeissen. Auch ein neues Ladekabel für den i-Pad finden wir, und zwar in einem winzigen Lädchen, das vollgestopft ist mit Handy-Zubehör. Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein gutes Sunda-Eis bei Mc Donald's und kehren zufrieden von diesem erfolgreichen Einkaufsbummel zurück zur MABUHAY. Heute war ein wunderbar schöner, warmer (25°) Tag, ohne einen Tropfen Regen.



















































