Freitag, 24. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Den ganzen Morgen räumen wir den Salon und das „Badezimmer“ aus, damit der Schreiner, der heute Nachmittag um 14h kommen will, Zugang zu den Schrauben hat. Um die Fussreling abzumontieren muss man die Schrauben vom Inneren des Schiffes aus lösen. Paul montiert im Bad kleine Schränke aus und ich leere die Schränklein oberhalb des Abwaschbeckens in der Küche. Mann, jetzt sieht die MABUHAY wirklich aus wie eine Baustelle!
Wir sind um 11h fertig und gehen in die Le Caudan-Shopping-Mall um EMTEL Telefonguthaben aufzuladen. Und weil es noch zu früh ist zum Mittagessen, findet der Skipper, wir könnten doch ins Museum gehen, und uns die blaue und orange Mauritius Briefmarken ansehen. Das ist eine gute Idee, befindet sich doch das Museum keine 100m von unserem Schiff entfernt. Da ist es ja auch klar, dass wir da hingehen müssen (Eintritt 225 Rupien /Person= 6.50 Sfr.). Und wir haben Glück: die beiden kostbaren Briefmarken werden pro Stunde 10 Minuten lang beleuchtet (weil Licht sie schädigt) und wir können die zwei Stückchen Papier in aller Ruhe anschauen. Es ist unglaublich, dass diese zwei Fetzchen Papier ein Vermögen wert sein sollen, nur weil der Graveur im Jahre 1847 einen kleinen Fehler gemacht hat.
Wir essen im Foodcourt Chicken, Pommes Frites und Salat und danach gibt es zum Dessert ein Frozen Yoghurt und für mich einen doppelten Espresso. Um 13h20 kommt schon der Schreiner Franky mit einem seiner Arbeiter und fängt sofort an zu arbeiten. Gegen 15h verlässt uns der Chef Franky und sein Angestellter Fanou arbeitet bis um 16h alleine (unterstützt von Paul) weiter. Um 16h kommt Franky mit einem Auto wieder und die abmontierte Fussreling und die Schienen werden aufgeladen. Franky teilt uns mit, dass die zwei sauschweren Holzbretter, die man uns als Teakholz in Gan (Malediven) mitgegeben hat, kein Teakholz sind. Franky erklärt uns, dass dieses Holz an der Sonne reisst und es wird gespalten, wenn wir da Schrauben (19 Stück pro Schiene) reindrehen. Oh Mist, also wurden wir wieder einmal übers Ohr gehauen! Da nützt auch alles positive Denken nichts!
Wir schenken Franky die zwei Bretter. Er verspricht uns, am Sonntag zwischen 8h30 und 9h kämen zwei seiner Angestellten um alles wieder zu montieren.
Gegen Abend regnet es leicht und Paul verklebt mit Abdeckband alle Löcher an der Fussreling auf beiden Seiten des Schiffes.
Die Geschichte der Blauen-Mauritius
Die Rote und Blaue Mauritius sind die ersten beiden Briefmarken aus der damaligen britischen Kolonie Mauritius. Ihre Geschichte beginnt im Jahre 1847. Das neue Postgesetz trat am 01. Januar 1847 in Kraft. Der Tarif für Inlandpost wurde festgelegt auf 1 Penny pro Brief, verschlossenem Päckchen, Prospekt, Zeitschrift und Standardpaket welche in Port Louis ausgeliefert werden sollten, sowie 2 Pence für jeden anderen Brief oder Paket, die im Inland zugestellt werden sollten.
Im Einklang mit dem neuen Postgesetz bestellten dann der damalige Gouverneur der britischen Kronkolonie Mauritius, William Maynard Gomm und seine Frau, Lady Gomm, 300 Stück der Briefmarken. Sie waren für die Einladungen zu einem Maskenball im Gouvernment House in Port Louis gedacht, den Lady Gomm am 30. September 1847 veranstalten wollte.
Joseph Osmond Barnard bekam den Auftrag, die Briefmarken mit dem Kopf der Königin herzustellen, obwohl er wenig Erfahrung im Gravieren von Portraits hatte. Barnard wurde 1816 in Portsmouth / England geboren. Er kam 1838 nach Mauritius, wo er ein Jahr später eine junge Holländerin heiratete. Eine Anzeige in der lokalen Zeitung Le Cernéen vom 09. März 1839 beschreibt Barnard als Kleinkunstmaler und Graveur.
Der Auftrag lautete jeweils 500 Stück der 1 Penny und 2 Pence Marken herzustellen, sowie die Briefmarken mit den Aufschriften »Penny« und »Post Paid« zu versehen, was «die Post wurde bezahlt» heisst. Mr. Barnard merkte sich jedoch nicht genau den mündlichen Text des Auftrages und versah die Marken beim Stechen der Druckplatten mit der falschen Inschrift. Anstelle der richtigen Angabe »Post Paid«, versah er die Marken mit der Inschrift »Post Office« was 'Postamt' bedeutet.
Am 21. September anno 1847 wurden sie dem Governeur und Lady Gomm ausgeliefert, die am selben Tag noch ihre Einladungen zum Ball verschickten. Die orangerote ein Pennymarke und die tiefblaue zwei Pencemarke wurden ab dem 22. September 1847 zum Verkauf angeboten und waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. Danach bekamen auch sie die Inschrift »Post Paid«.
Sieben dieser Einladungen zu dem Maskenball vom 30. September existieren heute noch und zwei Einladungen tragen sogar noch den Poststempel vom 21. September 1847. Mauritius war damals die erste Britische Kolonie und das vierte Land der Welt (zusammen mit den USA), die eigene Briefmarken herausbrachten.
Als der Irrtum in Sammlerkreisen bemerkt wurde, begann die Suche nach diesen Briefmarken. Heute sind noch 26 Marken vorhanden. Von der orangen-roten Mauritius sind noch 14 Stück bekannt. Von ihrer Schwester, der blauen 2 Penny Marke gibt es noch 12 Stück, von denen 6 postfrisch und 6 gestempelt sind. Ihre Preise gehen in die Millionen und sie halten sich vorwiegend in den dunklen Kammern von Safes auf.
Die Besitzer der vier ungebrauchten Blaue-Mauritius-Marken sind die folgenden:
Eine Marke befindet sich im Privatbesitz von Queen Elisabeth II.
Eine Marke befindet sich im Museum voor Communicatie in Den Haag.
Eine Marke befindet sich in der British Library in London.
Die vierte Marke befindet sich zusammen mit einer ungestempelten Roten Mauritius seit 1994 im Blue Penny Museum in Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius. Neben den Original-Marken werden dort auch zwei Kopien der Roten und Blauen Mauritius ausgestellt. Um die Qualität der Originale zu erhalten, werden für den überwiegenden Teil der Öffnungszeiten nur die Kopien angeleuchtet. Die gezeigten Kopien sind die 1912 erstellten Neudrucke von der Originalplatte in vertauschten Farben (1 Penny blau und 2 Pence rot).
Die Besitzer der zwei ungebrauchten Rote-Mauritius-Marken sind die folgenden:
Eine Marke ist seit 1995 Privatbesitz eines Westeuropäers.
Eine Marke ist im Besitz des Blue Penny Museums in Mauritius.
Bis heute gibt es kein anderes Postwertzeichen, dessen Popularität nur annähernd die der Blauen Mauritius erreicht hat. Viele denken, wenn sie das Wort „Mauritius“ hören, nicht als Erstes an die namensgebende Insel, sondern an die Briefmarken. Es ist vorwiegend Philatelisten bekannt, dass es neben der Blauen auch die beinahe ebenso wertvolle Rote Mauritius gibt.
Der Bordeaux-Brief
Der Brief ist der wertvollste Brief aller Zeiten. Seinen Wert verdankt der Brief nicht nur der einzigen bekannten Kombination der Blauen-Mauritius (1 Penny) und Roten-Mauritius (2 Pence) auf einem kompletten, gut erhaltenen Briefumschlag, sondern auch seiner Stempelvielfalt, anhand derer man den Weg dieses Briefes im Jahre 1847 zurückverfolgen kann.
Verschickt wurde der Brief am 04. Oktober 1847 in der Hauptstadt von Mauritius, Port Louis.
Jede Etappe des Briefes ist durch einen Stempel dokumentiert. Fünf Stempel auf der Rückseite des Briefes dokumentieren seinen langen Reiseweg.
Nachdem der Brief 55 Jahre unbeachtet im Archiv eines Weinhändlers in Bordeaux lag, fand ihn 1902 ein französischer Schuljunge und verkaufte ihn 1903 für 1600 Pfund.
Der Brief wechselte mehrfach den Besitzer. Den damals höchsten Preis für ein philatelistisches Stück überhaupt erzielte 1993 der Bordeaux-Brief mit 6,125 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet etwa 5,1 Millionen Euro, Stand 2012).
Etwa zur folgenden Jahrhundertwende (1900) konnten Briefmarkenhistoriker den wahren Sachverhalt ausmachen: der „Fehler“ auf den kostbaren Briefmarken war gar kein „Fehler“. Der britische Graveur und Maler Joseph Osmond Barnard war fest überzeugt, dass auf der Marke "Post Office" zu stehen habe. Ein Umstand, der damals kein Aufheben machte, der mit der zweiten Serie ein Jahr später korrigiert wurde und anschliessend in Vergessenheit geriet, bis etwa 20 Jahre darauf die Sammler genau hinsahen und – Fehldruck oder nicht – fantastische Preise dafür bezahlten.
Samstag, 25. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Nachts war bis um 01h „Musik“ (bumm, bumm, bumm!) von einem benachbarten Hotel zu hören.
Weil wir heute keinen Schreiner, Küchenbauer, Schneider, Tourguide oder sonst jemanden erwarten, machen wir uns um 10h auf den Weg zur Pferderennbahn. Jawohl, heute gehen wir an ein Pferderennen, wir die noch nie im ganzen Leben an einem Pferderennen waren. Wir laufen durch die Stadt bis zum Champ de Mars, wo wir gegen 11h eintreffen. Weil die Rennen aber erst um 12h30 anfangen (das wussten wir nicht), essen wir ein Hühnersandwich an einem Fressstand, von denen es Hunderte hat. Wir staunen über die vielen Wettbüros, die von den Einheimischen rege benutzt werden. Mann, ist hier ein Betrieb! Wir lösen ein Eintrittsticket für Paul (175 Rupien, etwa 5 SFr.). Frauen dürfen gratis rein, endlich mal ein Vorteil für Frauen! Wir setzen uns in eine gedeckte Tribüne und schauen den Vorbereitungen zu. Es kommen immer mehr Leute und um Punkt 12h30 geht es endlich mit dem ersten von acht Rennen los. Die etwa 10 Pferde laufen wie der Teufel eine Runde und schon ist das Rennen vorbei. Wir sind entsetzt wie einige der Jockeys mit der Peitsche auf die Pferde einhauen. Nach jedem Rennen gibt es einen längeren Unterbruch, bis die Pferde und die Rasenbahn bereit sind. Wir schauen uns vier von acht Rennen an und verlassen dann die Rennbahn. Uns haben eigentlich weniger die Rennen selber imponiert, sondern mehr das Geschrei, Gejohle und Gejubel der Leute, wenn ihr Favorit in die Nähe des Zieles kommt. Wahnsinn!
Nun kraxeln wir auf die Anhöhe über der Stadt und schauen uns die Zitadelle Fort Adélaide an. Der Eintritt ist frei. Ein (japanisches oder chinesisches???) Brautpaar lässt sich in allen unmöglichen Positionen fotografieren, aber sonst liegt die Festung ziemlich verlassen da. Von hier oben hat man einen umwerfenden Blick auf die grosse Stadt Port Louis. Weil es immer wieder, schon den ganzen Tag, leichten Nieselregen gibt, sehen wir einen fantastischen Regenbogen. Auf dem Rückweg zum Hafen laufen wir durch die Markthalle mit Gemüse und Früchten und kaufen ein paar Sachen ein. Die Waren sind hier wunderbar und liebevoll aufgestapelt, richtige Hingucker. Um 16h sind wir zurück auf unserem Schiff. Heute ist in der Le Caudan Waterfront „ la fête de la musique“ angesagt, aber wir empfinden die überlauten Musikbands eher als Lärm, wir sind scheinbar zu alt dafür! Es regnet immer wieder.
Sonntag, 26. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Wir stehen extrafrüh auf, aber es sind keine Schreiner in Sicht, weit und breit nicht! Im Hinterkopf hatten wir beide so etwas in der Art erwartet. Also machen wir uns gegen 11h auf den Weg zum Busbahnhof. Paul möchte wieder einmal Bus fahren gehen. Wir nehmen einen Bus nach Grand Baie, im Norden der Insel. Dort gibt es eine grosse Bucht, wo man ankern könnte und die wollen wir uns anschauen. Die Fahrt dauert etwa 50 Minuten und führt durch nicht wirklich schöne Ortschaften. Als wir in Grand Baie ankommen ist es ungefähr 13h und wir möchten etwas essen. Aber weil Sonntag ist, sind die meisten Restaurants geschlossen. Endlich, nach langem Suchen finden wir das Restaurant Sunset, direkt an der Bucht, die offen hat. Wir essen Pizza und Lasagne.
Danach laufen wir dem Strand entlang zum Grand Baie Yacht Club und möchten dort eine Glacé essen und einen Kaffee trinken. Der Kellner weist uns weg, weil wir nicht Mitglieder des Yachtclubs sind. Wir kehren zur Hauptstrasse zurück und warten sehr lange auf einen Bus der uns zurück nach Port Louis führt. Um 17h sind wir zu Hause und komplett k.o.
Abends leichter Nieselregen und nachts Regen.
Montag, 27. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Wir warten…!!! Die Schreiner kommen nicht. Die Firma, die uns eine neue Arbeitsplatte in der Küche machen wollte, telefoniert ab. Angeblich haben sie nicht das passende Material. Um 11h kommt endlich Franky und teilt uns mit, dass er uns um 13h abholt und wir mit ihm zum Holzhändler müssen, um Teakholz zu kaufen. Und tatsächlich, pünktlich kommt er und wir fahren zu einem grossen Holzgeschäft. Dort wählt Franky sehr sorgfältig das Teakholz aus, das er für unsere beiden Fussrelinge gebrauchen will. Das dauert, weil er lang mit keinem Stück zufrieden ist. Endlich hat er eines gefunden, das keine Löcher und Risse aufweist und das wählt er endgültig aus. Wir müssen zur Kasse und bezahlen. Da wir einen ganzen Riesenbalken nehmen müssen und nicht einfach zwei Bretter, machen wir bei der Rechnung fast einen Kopfstand. Der Balken kommt aus Myanmar und kostet uns 16'181,46 Rupien (462 Sfr.)! Jetzt werden daraus drei Bretter gesägt und morgen kann Franky das Material in der Firma abholen. Was wir mit dem ganzen Rest des Holzes anfangen werden ist uns noch schleierhaft. Franky verspricht uns, am nächsten Samstag zu kommen und die Arbeit zu erledigen. Nach 1½ Stunden sind wir wieder auf der MABUHAY.
Wir rufen Bertrand an, das ist ein Vertreter der Firma Benéteau, und fragen ihn, ob er jemanden kennt, der Fensterabdeckungen näht und jemanden, der Küchenabdeckungen macht. Er bringt uns schon am Nachmittag die entprechenden Leute, die Mass nehmen. Wir sind gespannt. Ich finde das alles wahnsinnig ermüdend!
Dienstag, 28. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Wir warten! Um 9h30 sollte einer für die Epoxyarbeiten kommen, um am weissen Deck kleinere Schäden auszubessern. Ich rufe an und gegen 11h kommt Garry, ein Südafrikaner der ganz begeistert ist von unserer MABUHAY. Er fotografiert alle Stellen die wir repariert haben möchten und am Nachmittag bekommen wir einen Anruf, dass die Firma KEINE ZEIT hat, diese Arbeit zu übernehmen. Auch gut, ich habe nämlich inzwischen den Überblick verloren…..
Wir machen uns auf den Weg zum Markt und schauen uns heute die Halle mit den toten Hühnern und den toten Rindern, Ziegen und Schafen an. Ich hatte es mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt. In der Halle mit Gemüse und Früchten kaufen wir Früchte ein. Zum Mittagessen gibt es irgendwo in der Stadt ein Sandwich. Wir suchen und finden neue Lager für den Windgenerator, den Paul heute morgen auseinandergenommen hat. Gegen 14h sind wir zurück auf dem Schiff und da sind zwei Arbeiter von Franky, die das Teak-Holz anpassen. Montiert wird es aber erst am Samstag. Nach einer Stunde sind die beiden stillschweigend verschwunden. Paul baut den Windgenerator mit den neuen Lagern wieder zusammen und siehe da, er funktioniert auf Anhieb wieder super.
Um 15h gehen wir zusammen ins Marina Büro um die Marinagebühren zu bezahlen. Ab 1.Juli steigen die Hafengebühren von 350 Rupien auf 400 Rupien pro Tag. Wir sind am 17.Juni angekommen und haben einen Vertrag von 20 Tagen zum alten Preis. Aber jetzt sind sechs (6) gewichtige (vom Umfang her) Männer in dem Büro und alle versuchen krampfhaft auszurechnen wieviel und bis wann wir bezahlen müssen. Schlussendlich müssen wir bis zum 30.Juni 350Rupien bezahlen und ab dem 1.Juli 400 Rupien, Vertrag hin oder her. Oh Mist, hier ist alles so kompliziert…!
Zum Abendessen kochen wir die letzten gedörrten Bohnen mit ganz vielen Späckwürfeli (weil wir kein richtiges Stück Späck haben). Dazu Salzkartoffeln. Mmm… fein!



























































