Sonntag, 21.August 2016: Antananarivo, Besuch bei Père Pedro
Aufstehen 6h45, Zmorge 7h00, ein Chauffeur bringt uns, Desy, Tanjona und uns beide nach Akamasoa, einem Stadtteil von Tana. Wir wollen zu Père Pedro‘s Gottesdienst. In einer riesigen Halle sitzen 6000 bis 7000 Menschen auf eiskalten Betonstufen und warten auf Père Pedro. Es ist kalt! Um 8h30 beginnt der katholische Gottesdienst. Dieser Père Pedro hat eine unwahrscheinliche Ausstrahlung! Es wird aus vollem Herzen gesungen, geklatscht und getanzt. Alle machen mit, Kinder und Erwachsene, Alte und Junge, Arme und Reiche. Viele der Ärmsten sind barfuss, aber sie haben ihre schönsten Sonntagskleider angezogen.
Unglaublich was hier passiert und was dieser Priester zu Wege gebracht hat. Der Gottesdienst wird auf Madagassisch abgehalten. Père Pedro spricht zu den Ausländern, also zu uns, in perfektem Französisch. Er macht dieses „Spektakel“ jeden Sonntag, seit 27 Jahren, wie er selber sagt. Die Messe dauert 2½ Stunden und ist keinen Moment langweilig. Sogar Paul ist fasziniert.
Pater Pedro Opeka (* 29. Juni 1948 in Buenos Aires, Argentinien) ist ein katholischer Missionar.
Er wurde als Sohn einer slowenischen Auswandererfamilie in einem Vorort von Buenos Aires geboren. Nach einer Maurerlehre bei seinem Vater entschied er sich mit fünfzehn Jahren für den Priesterberuf und besuchte das örtliche Seminar der Lazaristen. Mit zwanzig Jahren setzte er seine Ausbildung in Ljubljana, der Heimat seiner Eltern, in der damaligen Republik Jugoslawien, fort. Zwei Jahre später begab er sich erstmals nach Madagaskar, arbeitete als Maurer in Pfarreien der Lazaristen und ging dann mit dem Entschluss, Missionar zu werden, nach Paris, um dort sein Theologiestudium zu beenden. Am 28. September 1975 erhielt er in Buenos Aires die Priesterweihe und wurde dann einer Pfarrei in Vangaindrano im Südosten von Madagaskar zugewiesen.
1989 wurde er mit der Leitung eines Priesterseminars in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, betraut. Dort begann sein Engagement für die Obdachlosen und "Müllkinder" in den Elendsquartieren am Rande der Stadt. Noch im selben Jahr gründete er die humanitäre Vereinigung Akamasoa ("Gute Freunde" auf madagassisch) und richtete mit Unterstützung dieses Vereins in der Folgezeit in der Umgebung von Antananarivo fünf Siedlungszentren bestehend aus insgesamt achtzehn Dörfern ein, in denen mittlerweile über 44.000 Personen leben, davon rund 60 % Kinder unter 15 Jahren. In den Schulen der Akamasoa werden mehr als 12.500 Schulkinder täglich betreut und mit einer warmen Mahlzeit versorgt, allein für diesen Teller Reis müssen wöchentlich 10.000kg Reis zur Verfügung gestellt werden.
Über sein Leben sind mehrere Bücher und Dokumentarfilme veröffentlicht worden. 2005 wurde er, ebenso wie zuvor Mutter Teresa, mit der World Service Medal ausgezeichnet. Ausserdem wurde er im Oktober 2007 für seinen unermüdlichen Einsatz vom französischen Staatspräsidenten zum Chevalier de la Légion d’Honneur ernannt.
2009 bekam er die höchstmögliche nationale Auszeichnung Sloweniens. 2010 wurde ihm vom Papst Benedikt XVI. der Kardinal-Nguyen-Van-Thuan-Menschenrechtspreis verliehen. 2011 erhielt er den grossen Verdienstorden der Republik Madagaskar. 2012 bekam er von der Präsidentin der französischen Region "Vendée", Mme. Jacqueline Roy, die Goldmedaille der "Ligue Universelle du Bien Public", überreicht.
Veröffentlichungen über Pedro Opeka
„Combattant de l'Esperance“: deutsche Bearbeitung von Gérard Turbanisch: Kämpfer der Hoffnung - Wie ich den Kindern Madagaskars eine Zukunft gab, Ullstein, Berlin 2007, ISBN 978-3-550-07893-4.
https://www.youtube.com/watch?v=kUCW3qGGH0M (deutsch)
https://www.youtube.com/watch?v=knKFvn3xsRo (französisch)
paterpedro.de (deutsch)
pere-pedro.org (deutsch)
madagaskar-und-wir.eu (deutsch)
akamasoa.com (deutsch)
perepedro.com (französisch und deutsch)
Zurück im Hotel laufen Paul und ich in die Oberstadt zum Rosengarten und essen im „Restaurant du Jardin“
2x salade du Chef, prima. Danach laufen wir durch das ständige Markttreiben (trotz Sonntag) bis zum Bahnhof, wo wir im Garten draussen madagassischen Kaffee trinken. Hier treffen wir die nette französische Familie, die wir unterwegs ein paar Mal getroffen haben. Sie fliegen heute nach Paris zurück. Der Bahnhof von Antananarivo ist seit längerer Zeit ausser Betrieb (nur noch Güter) und beherbergt ein schönes Restaurant und einige Souvenirläden. Die WC‘s befinden sich in einem Bahnwaggon.
Wir nehmen ein Taxi, ganz bewusst einen Döschwo (2 CV) von 1970 und fahren damit ratternd und keuchend zum Anosy See hinauf. Dies ist ein künstlich angelegter See. In der Mitte das Sees steht, verbunden mit einem Weg, eine Säule mit einem goldenen Engel zuoberst, zum Gedenken an die gefallenen madagassischen Soldaten der beiden Weltkriege. Wir möchten gerne zu dieser Säule gelangen, aber ein paar junge Männer wollen von uns 5000 Ariary (1.65 SFr.) Wegzoll haben. Wir lehnen ab und laufen dafür rund um den See. Unterwegs überkommt mich ein sehr dringendes Bedürfnis (Durchfall) und wir rennen ins ***** Sterne Hotel Carlton, um nochmals Kaffee zu trinken…Uff! Danach beenden wir die Seeumrundung. Der See und sein Ufer sind eine einzige Müllhalde, pfui Teufel!!! Für die Rückfahrt zurück zum Bahnhof nehmen wir wieder ein Taxi. Diesmal ganz bewusst einen Renault R4 von 1973. Wir sind froh, dass das Vehikel unterwegs nicht auseinander fällt! Vom Bahnhof aus kehren wir zum „Hotel Chalet des Roses“ zurück, das wir nun spielend wiederfinden.
Abendessen im Hotel: „Fettucine con ricotta“ sehr gut und genug.
































