Freitag, 19.April 2013: Hanoi – Sapa (370km)
Gut geschlafen, aber beim Aufstehen habe ich höllische Rückenschmerzen. Wieder helfen die zwei Schmerztabletten (Ibuprofen) rein gar nichts. Wir gehen noch vor dem Frühstück in eine Apotheke um andere Tabletten zu kaufen, aber die helfen auch nicht. Wir müssen bis um 11h das Zimmer räumen. Wir haben für Montag ein Zimmer in diesem Guesthouse hier reserviert und dürfen deshalb einen Rucksack hier deponiert lassen.
Hanoi ist sehr laut und ermüdend (viele Motorräder). Übrigens schreibt man hier Ha Noi, Viet Nam, Sa Pa, Sai Gon, Da Nang usw.
Wegen sehr spätem Frühstück gibt es heute kein Mittagessen. Paul's Brille, die wir gestern reparieren liessen, bricht heute an einer anderen Stelle auseinander! Wir suchen einen Brillenladen und Paul bekommt drei Stunden später sein neues Brillengestell. Heute ist irgendein Feiertag, überall wehen Rote- und Vietnamflaggen. Den ganzen Nachmittag flanieren wir durch die Strassen und Gassen von Hanoi. Um 18h20 werden wir vom Busunternehmen abgeholt für die Nachtfahrt nach Sapa (Sa Pa). Im Minibus werden die Touristen zusammengeführt und um 19h30 sind wir im Liege-Schlaf-Bus nach Sapa, ganz im Norden von Vietnam. Mein Rücken tut enorm weh, trotz Tabletten aus der Apotheke, Paul hat alles Gepäck geschleppt, ich trage nur die Fototasche. Die 370km sind nicht gerade der Hit für unsere Rücken und besonders bei den Pipistopps mit den blöden Stehtoiletten leide ich Qualen. Im Bus reisen Hunderte von Kakerlaken mit uns nach Sapa und nach dem Pipistopp mitten in der Nacht, gibt es ein fröhliches Kakerlakenjagen von den jungen Backpackerinnen, begleitet von viel Gekicher....
Samstag, 20.April 2013: Sapa
Morgens um 5h45 müssen wir in Lao Cai den Bus wechseln, was uns niemand gesagt hatte. Und auch jetzt herrscht grosse Verwirrung bei den Touristen, keiner sagt uns was (die Chauffeure sprechen kein Englisch), alle Passagiere schauen ziemlich blöd aus der Wäsche und steigen nur sehr zögerlich aus.
Um 6h40 sind wir in Sapa, ca. 30 km von der chinesischen Grenze, auf 1400m Höhe, am Fusse des höchsten vietnamesischen Berges dem Fransi Pan (oder so).
Yunnan-Hochland: Gebirgslandschaft im Norden, wo Vietnam an China grenzt und sein höchster Berg Phan-xi-păng (3.144 m) liegt. Diese Region ist Siedlungsgebiet von vielen ethnischen Minderheiten, wobei die Stadt Sa Pa am Fusse des Phan-xi-păng die meisten Touristen anzieht.
Wir suchen sehr mühsam ein Hotel (Paul mit zwei Rucksäcken, einer auf dem Buckel, einer auf dem Bauch). Weil Wochenende ist und die Bergvölker am Samstag und Sonntag hier einen Markt abhalten, sind die Preise überteuert. Im Hotel Mo'Hô'ng bekommen wir im 4.Stock, kein Lift, 72 Treppenstufen, ziemlich schmuddelig, aber mit neckischen Moskitonetzen über den Betten doch noch endlich ein Zimmer für 15$. Wir laufen über den Markt, ganz nah bei unserer Herberge. Die Frauen mit ihren diversen schönen Trachten, die meisten in Dunkelblau, wollen uns alle etwas verkaufen. Es geht immer nur um $ $ $.. ! Oh je, ist das mühsam! Wir wollen in so ein Bergdorf laufen, etwa 3 km von Sapa entfernt, ziemlich steil bergab, nach Cat Cat Village. Als wir unten bei dem Dorf ankommen, heisst es, wir brauchen ein Eintrittsbillett. Dieses Ticket wird oben am Anfang der 3 km verkauft und wir haben das irgendwie verpasst. Hier ist man unerbittlich, wir müssen wieder hinauf laufen, ein Ticket kaufen und dann wieder hinuntersteigen zum Dorf. Ein Motorradfahrer bietet uns an, die Tickets oben an der Zahlstelle zu holen. Der Eintritt kostet 40'000 Dong (1.80 SFr.) pro Person, er will fast den doppelten Preis haben. Aber jetzt sind wir so wütend, dass wir das blöde Dorf gar nicht mehr sehen wollen. Wir laufen die steile Strasse wieder ein Stück hinauf , setzen uns auf zwei grosse Steine und schauen ins wunderschöne Tal mit den vielen Reisterrassen. Einfach nur schön! In den Reisterrassen suhlen sich genüsslich Wasserbüffel. Weil ich nach jeder Rast, wegen meinen Rückenschmerzen, kaum mehr aufstehen kann und Paul sich schon bald mit der „alten Frau“ geniert, die so mühsam aufsteht, gehen wir in Sapa ins Spital. Dieses liegt zuoberst im Ort und wir müssen ein paar Mal fragen, bis wir es endlich erreichen. Wir fragen den Pförtner, wo wir einen Arzt finden. Er sagt einfach nur klar und strikt: “nein!“ Wir schauen ziemlich belämmert drein, laufen dann aber unbeirrt weiter. Bei der „Notfallstation“ finden wir drei Krankenschwestern die sich um mich kümmern. Ich muss sofort auf ein Bett mit roten Wolldecken liegen, ob ich will oder nicht. Dann wird mein Blutdruck gemessen. Ich sage der Krankenschwester, das sei nicht nötig, ich habe „nur“ Rückenprobleme. Aber nichts da: der Blutdruck und danach Fieber müssen gemessen werden! Der Fiebermesser, so ein alter, mit Quecksilber, wird mir unter den Arm geklemmt und ich habe mich still zu halten! Nachdem das Thermometer, wie erwartet, kein Fieber anzeigt, wird es mir abgenommen und sofort, ohne es abzuwischen, der nächsten Frau (einer in Tracht) in die Achselhöhle gegeben. Oh Mann, wo bin ich da hingeraten? Und als ich so auf dem Bett liege, fällt mein Blick an die Decke und die Wand, die ein einziger Schimmelfleck ist. Die Türe der „Notfallstation“ steht nach draussen in den Hof offen und ein paar neugierige Trachtenmänner von den Bergstämmen schauen sehr interessiert zu, was jetzt da drinnen mit der weissen Touristen-Frau passiert. Nach etwa 20 Minuten kommt der Doktor. Er hebt meine Beine in die Luft, bis ich schreie! Er verschreibt mir kurzerhand 4 Medikamente, zusätzlich zu dem, das ich schon in der Apotheke in Hanoi gekauft habe. Aber ich will eine Spritze haben. O.K., sagt der Doc und verschreibt mir trotzdem die 4 Medikamente. Er gibt mir, nach einiger umständlicher Herumsucherei in den Ampullenvorräten, eine intramuskuläre Spritze in den Oberarm. Sehr zur Unterhaltung der Männer vor der offenen Türe.... Wir bezahlen 300'000 Dong (etwa 13.50 SFr.) für die Untersuchung und die Spritze und laufen zurück in den Ort. Dort essen wir schon nach 14h ein verspätetes Mittagessen. Nudelsuppe für Paul, für mich Nudeln mit Huhn und Gemüse. Danach muss ich ins Bett, sagt Dr. Paul! Die Duschtücher in unserem Hotel sind so klein wie zwei Waschlappen und so dünn wie das Moskitonetz über den Betten.
Das Abendessen gibt es mit den Einheimischen beim Strassen-Barbeque. Wir essen nur Fleisch und Gemüse vom Grill, mmm...gut!
Sonntag, 21.April 2013: Sapa
Sehr gut geschlafen. Das Frühstück, mit Blick auf die schöne Bergwelt ist eher mittelmässig. Wir bestellen Iced Coffee mit süsser Kondensmilch und bekommen heissen Kaffee ohne Zucker. Wir trinken ihn aber trotzdem. Von 9h20 bis 15h laufen wir durch Reisterrassen bergauf und bergab. Heute kaufen wir rechtzeitig die Eintrittstickets für das Dorf Cat Cat Village und schauen es uns an. Es ist schrecklich touristisch. Jedes noch so bescheidene Haus ist ein Souvenirladen und es geht auch hier wieder nur um $ $ $. Die Landschaft ist einmalig schön. In einem alten Turbinenhaus, neben einem Wasserfall, schauen wir uns eine kurze, aber sehr schöne Tanzvorführung an. Wir laufen nochmals etwa 4 km weiter bis zum Dorf Sin Chai und hier sehen wir das wirkliche Leben.
Hier will uns keiner etwas verkaufen, ausser die Männer eine Motorradfahrt. Hier ist es richtig erholsam. Wir staunen, wie an den steilsten Hängen fleissig terrassiert und etwas (Mais?) angepflanzt wird. Wir sind die einzigen Touristen hier und die Leute bestaunen uns wie wir bei einem kleinen Lädchen Nudelsuppe mit Ei verdrücken. Die Kinder in ihren traditionellen Kleidern kommen eifrig zum Laden und kaufen alle nur Schleckzeug! Dementsprechend schlecht (sprich FAUL) sehen auch ihre Zähne aus, schrecklich! Und die Verpackungen, egal von was, fliegen natürlich direkt auf den Boden. Unsere Wanderung ist sehr interessant und abwechslungsreich. Wir sehen, wie mit einem Wasserbüffel eine winzige Reisterrasse gepflügt wird, oder auch wie sich einige Wasserbüffel genüsslich im Schlamm suhlen. Plötzlich steht nach einer Kurve ein mächtiges Wasserbüffel-Exemplar vor uns auf der Strasse. Puhhh..., der macht aber Eindruck! Wir sehen auch kleine Mädchen, vielleicht 6 Jahre alt, die ihre kleineren Geschwister in einem Tuch auf dem Rücken tragen. Die Kleinen die schon selber laufen können, bis etwa 2½ Jahre alt, tragen oben rum dicke Pullover oder sogar Skijacken, und unten sind sie splitterfasernackt. Das spart Windeln und Arbeit...Viele der Kinder, auch Grössere, starren vor Schmutz und prächtiger Rotz läuft ihnen aus den Nasen. Gegen 15h sind wir wieder oben im Ort Sapa. Wir sind ungefähr 10 km oder so gelaufen und haben etwa 200 Mal „no, thank you“ gesagt, wenn uns ein Mann auf seinem Motorrad nach Sapa zurück chauffieren wollte, natürlich gegen $$$. Beim Laufen geht es meinem Rücken sehr gut, aber nach jeder Rast ist es immer wieder schlimm.
Am Markt und im Ort Sapa überwiegen die Leute vom Stamm der H'Mong. Sie sind ganz dunkel (dunkelblau oder schwarz) gekleidet, sehen sehr adrett aus, Frauen haben riesige, schwere Ohrringe die ihre Ohrläppchen in die Länge ziehen und alle haben sehr lange, schwarze, gerade Haare, die sie kunstvoll unter einer Mütze drapieren. Sie machen sehr schöne Handarbeiten, die mit „Indigo“ blau gefärbt sind und unangenehm abfärben. Sie wollen einem ständig etwas verkaufen und verfolgen uns richtig. Ein „nein“ wird nicht akzeptiert. Sie sind sehr aufdringlich, manchmal auch aggressiv, einfach nur enorm mühsam. Vor lauter Frust kaufen wir gar nichts!
Um 18h30 geht es die 370km im Nachtbus wieder zurück ins Getümmel von Hanoi.









































































