Dienstag, 13. Mai 2014: NyaungU / Bagan - Mandalay, 155 km, sonnig, bewölkt, kurzer Regen
Eigentlich wollten wir ja die heutige Strecke unserer Reise mit einem Schiff auf dem Fluss Ayeyarwady unternehmen. Aber man sagt uns, dies sei wegen zu wenig Wasser im Fluss, am Ende der Trockenzeit, nicht möglich. Schade, wir hatten uns so auf diese Flussfahrt gefreut. So müssen wir halt wieder einen Bus nehmen. Um 7h50 werden wir von einem kleinen Bus abgeholt und zum Busbahnhof gebracht. Um 8h30 werden wir in einem grossen Bus nach Mandalay chauffiert. Fast eine ganze Stunde lang schallen eintönige, buddhistische Gebete aus dem Lautsprecher über unseren Köpfen.... Während der Fahrt fällt uns auf, dass die Felder und Höfe der Häuser picobello sauber und gepflegt sind. Aber die Strassenränder und hinter den Häusern..., oh je!!!! Gegen 13h sind wir in der zweitgrössten Stadt von Myanmar, in Mandalay, 1,6 Millionen Einwohner.
Mandalay liegt am Ayeyarwady(Irawadi)-Fluss rund 716 Kilometer nördlich von Yangon.
Von 1857 bis 1885 diente Mandalay als letzte Hauptstadt des birmanischen Königreichs. Aufgrund astrologischer Berechnungen hatte Mandalay Amarapura als politisches Zentrum Birmas abgelöst. Nach der Eroberung Mandalays am 28. November 1885 und der Plünderung des Königspalastes durch britische Truppen wurde König Thibaw Min nach Indien ins Exil deportiert und die Hauptstadt nach Yangon verlegt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Mandalay bei Kämpfen zwischen der japanischen Armee und den Briten weitgehend zerstört, der Königspalast in Schutt und Asche gelegt. Ende der 1990er-Jahre liess die Militärregierung unter anderem auch durch den Einsatz von Zwangsarbeit die alten Königspalastanlagen wieder aufbauen. Aber vom imposanten Mandalay-Palast, der einst eher eine riesige, von Mauern umgebene Stadt als ein Palast war, sind heute nur noch das Fundament, der Schlossgraben und die mächtigen Mauern erhalten. In der Umgebung von Mandalay liegen mehrere verlassene ehemalige Hauptstädte.
Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage am Transit-Verkehrskorridor zwischen Südchina und dem Indischen Ozean ist die Bedeutung der Stadt als wichtiges Wirtschaftszentrum von Birma weiter gestärkt worden. Durch die Eröffnung des Yangon-Mandalay Expressway im Dezember 2010 wurde die verkehrsgünstige Lage weiter verbessert. Der Zuzug von chinesischen Kaufleuten hat die Struktur der Stadtbevölkerung in den letzten Jahren deutlich verändert.
Neben dem Anbau von Reis in der fruchtbaren Ebene um Mandalay prägen unterschiedliche Handwerksbetriebe (unter anderem Herstellung von Blattgold, Marionetten-Puppen, Papierschirmen, Seidenweberei, Steinmetzwerkstätten) und der Tourismus das Wirtschaftsleben der Stadt.
Mandalay, die alte Königsstadt, hat einen ungewöhnlichen Reichtum an Palästen, Stupas, Tempeln und Pagoden. Die Stadt ist das Zentrum des Buddhismus und der burmesischen Kunst. Der nordöstlich des Palastes gelegene Mandalay Hill (240 m) gab der Stadt ihren Namen.
Vom (sehr schmutzigen ) Busbahnhof fahren wir per Taxi in die Stadt. Im "Royal Guesthouse" nehmen wir ein Zimmer inclusive Frühstück, für 2 Personen à 22 US$. Nach der Siesta suchen wir einen Laden, wo wir Sekundenkleber kaufen können, das ist gar nicht so einfach, weil wir nicht wissen, wie man "Sekundenkleber" auf Burmesisch sagt. Aber im vierten Laden werden wir doch noch fündig. Dann suchen wir ein Internetcafé. Wir sind vermutlich die allereinzigsten, die kein Handy, i-phone, Tablet oder Laptop dabei haben. Wir sind so richtige "Ötzis" halt! Eine Stunde im Internet kostet 300 Kyats (etwa 30 Rappen). Die Verbindung ist aber dementsprechend enorm mühsam und langsam. Danach setzen wir uns in ein Restaurant und essen "Vegetable Tempura". Diverse Gemüse in einen Bierteig getunkt und im Öl fritiert. Mmm..., sehr gut. Dazu ein kühles Bier. Die Strassen von Mandalay sind schachbrettartig angelegt und nummeriert. Am Anfang ist das ein wenig verwirrend, aber wenn man den Trick raushat, geht es ganz gut. Wir wohnen an der 25. Querstrasse und der 82. Längsstrasse. Zürück in unserem Zimmer ist Paul wieder mal der "Grösste!" Er flickt mit dem Sekundenkleber das Ladegerät der Nikon Kamera und es funktioniert wieder tadellos. Später essen wir beim "Night Market" eine Art Fondue Chinoise. Die Leute sitzen auf kleinen Hockern rund um einen Topf mit heissem Öl. Man tunkt Spiesschen mit Schweinefleisch ins Öl und isst es mit Chilisauce. Die leer gegessenen Stäbchen werden gezählt und bezahlt. Weil es noch viel zu früh ist, ins Bett zu gehen, trinken wir bei einer "Bierstation" noch ein Bier. Hier gibt es "Myanmar Bier" vom Fass. Plötzlich gesellen sich noch zwei Touristen zu uns. Es sind die Columbianerin Sybil und ihr deutscher Freund Hans. Sie wohnen in Cartagena (Columbien) und sind hier auf einer, individuell für sie, organisierten Tour unterwegs. Es ist sehr spannend, uns mit ihnen zu unterhalten und die Zeit vergeht viel zu schnell. Ein Einheimischer lässt uns immer und immer wieder Bier bringen, bis es uns fast aus den Ohren läuft. Wir haben keine Ahnung, warum dieser Myanmarer so spendabel zu uns ist. Sybil erzählt uns, dass heute Vollmond ist und die Burmesen nur bei Voll- oder Neumond "frei machen", sonst arbeiten sie immer durch, auch Samstag und Sonntag. Aber die Schulen sind an den Wochenenden geschlossen.
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Mittwoch, 14. Mai 2014: Mandalay, sonnig, sehr heiss
Wir haben hier ein sehr ruhiges Zimmer erwischt und haben gut geschlafen. Wir laufen an den Stadtmauern beim Königsplast entlang. Das Areal des Palastes ist quadratisch und riesig. Jede Seite des Quadrates misst knapp 2km. Wir wollen zum "Mandalay Hill" hinauf. Dazu bewältigen wir zuerst zu Fuss zwei Seiten des Königspalastgeländes. Wir sind auf der Strasse unterwegs, als zum Glück zufällig ein kleiner Bus kommt und uns für 1000 Kyats (ca. 1 SFr.) pro Person auf den Hügel mitnimmt. Zuoberst auf dem 236m hohen "Berg" hat es eine Pagode, von der man einen umwerfenden Blick auf die ganze Stadt Mandalay hat. Das letzte Stück müssen wir barfuss über die Treppen hinauflaufen. Oben muss ich einen Longyi, das Tuch das alle Einheimischen hier anhaben, als Rock tragen, weil meine Shorts zu kurz sind. Jetzt amüsieren sich die Einheimischen, besonders die Frauen, köstlich über mich, weil ich den Longyi bis über die Knie hochhebe, weil mir darunter viel zu heiss ist. Scheinbar hat es vom Königspalast bis hier hinauf 1729 Treppenstufen. Nachdem wir die Ausssicht auf die Stadt gebührend genossen haben, laufen wir alle diese Treppen hinunter. Unten besichtigen wir nochmals zwei sehr eindrückliche Tempel. Einen mit den 729 Gesetzestafeln von Buddha, jede in einer kleinen Pagode. Diese Anlage wird als "grösstes Buch der Welt" bezeichnet. Rund um die zweite Pagode die wir besuchen, hat es in langen Reihen 1774 kleine Pagoden die je eine Steintafel mit den eingemeisselten Kommentaren zu den Gesetzen von Buddha enthalten. Sehr, sehr eindrücklich! Aber jetzt haben wir genug von Pagoden und laufen die zwei anderen Seiten des Palastareals entlang. also haben wir dieses jetzt umrundet (8km!). Es ist enorm heiss und wir schleppen uns von Ecke zu Ecke. Unterwegs machen wir noch einen Trinkstopp und bei unserem Hotel geht Paul zum Duschen. Ich gehe in den Beauty Salon gegenüber um mich ein wenig verschönern zu lassen. Ich muss einem jungen, hübschen Burschen in den 1. Stock folgen. Hier stellt er extra für mich einen Riesenkasten von Aircondition neben mir auf. Danach schneidet er mir äusserst professionell die Haare. Dazu läuft die Musik " Ti amo" von Umberto Tozzi, super! Nach 22 Minuten bin ich, gepudert und um viele Haare leichter, wieder draussen. Gekostet hat es 1500 Kyats (1.50 SFr.!!!). Ich bin heute grosszügig und gebe 200 Kyats (20 Rappen) Trinkgeld....
Zum Abendessen sind wir wieder in der "Bierstation", wo wir gestern Abend so viel Bier getrunken haben. Gemischtes Gemüse mit Huhn aus dem Wok, für zusammen 4 SFr. Zuletzt bekommen wir noch je eine Schale mit Suppe, aber sie ist uns zu salzig und wir lassen sie stehen.
Donnerstag, 15. Mai 2014: Mandalay, sonnig, heiss, Gewitter
Jetzt hat es mich auch erwischt! Niesen, Schniefen, Husten, Fieberblase. Jetzt husten wir im Duett. Dieses Mandalay ist doch ein Dorf, 82m über Meer, ca. 1,6 Millionen Einwohner. Gestern begegneten wir in unserem Guesthouse 2 Französinnen, die in Bagan im gleichen Motel waren wie wir. Heute morgen beim Frühstück sagt mir das burmesische Mädchen, das uns den Kaffee brachte, ich sähe genau so aus wie ihre Grossmutter! Nachher spricht uns Andy, der auch hier im "Royal Guesthouse" wohnt, an. Er ist Kanadier aus Vancouver Island, wohnt in Zürich und hat seit kurzem einen Schweizerpass. Später fahren wir im Taxi zur ca. 20km entfernten U-Bein-Brücke, der längsten Teakholz-Brücke der Welt, 1200m lang, über den Taungthaman-See in Amarapura. Der Taxifahrer sagt uns, er habe uns gestern Abend in der "Bierstation" gesehen! Dorf, oder??? Wir laufen über die U-Bein-Brücke und wieder zurück. Wir schauen zu, wie Hunderte von Enten von ihrem "Hirten" über den See getrieben werden. Das ist ein schönes Schauspiel. Der Taxifahrer wartet auf uns und bringt uns wieder zurück in die Stadt. Bei der 36. Strasse steigen wir aus und schauen uns die "Goldblättchen-Hämmerer" an. 6 volle Stunden wird auf dünne Goldblättchen eingehämmert, bis sie hauchdünn sind. Diese werden dann verkauft um sie an die Buddhafiguren in den Tempeln zu kleben. Verrückt! Sind wir wirklich im Jahre 2014??? Von hier aus laufen wir alles zurück zu unserem Guesthouse. Unterwegs machen wir den 1. Iced Coffee Stopp und essen bei der Strassenküche zu Mittag, Nudeln mit Huhn für 1 SFr. für 2 Personen. Nach kaum 30 Minuten gibt es dringendst den 2. Iced Coffee Stopp, weil meine Nudeln sofort wieder raus wollen.... Kurz nach 14h30 sind wir unter der Dusche im Guesthouse. Ausgeruht machen wir uns wieder auf die Suche eines Internetcafés. Ich will die (vielen) Fotos vom Fotoapparat auf einen Stick laden. Unser Kartenlesegerät funktioniert nicht an dem PC, den man uns zugeteilt hat. Der Ladeninhaber ist sehr nett und gibt mir einen anderen Kartenleser. Und jetzt klappt es auch, aber nur sehr, sehr langsam. Ich bin über eine Stunde am Kasten, nur wegen den Fotos. Mails kann ich keine lesen, ich komme nicht in die Bluewin-Seite rein. Paul sitzt geduldig draussen auf dem Trottoir, raucht burmesisches Kraut und beobachtet den Verkehr.
Abendessen bei der "Bierstation". Gemischtes Gemüse und Chicken süss/sauer, sehr gut. Wir sitzen draussen und plötzlich fängt es an zu blasen wie verrückt. Staub, Sand und Müll wirbeln durch die Strassen. Wir verziehen uns schleunigst um zu unserer Herberge zu gelangen. Als wir dort ankommen, liegt ein grosser Ast, den der Wind heruntergerissen hat, vor unserem Guesthouse. Kurz darauf fängt es an zu schütten. Wir liegen in unseren Betten und lesen, bis mehrmaliger Stromausfall uns zum schlafen zwingt. Jetzt wissen wir auch, warum fast vor jedem Haus ein grosser Stromgenerator steht.


























































