Myanmar (Burma, Birma): Pyin U Lwin und Hsipaw, 16.05. - 17.05.2014, Teil 5
1 View

Freitag, 16. Mai 2014: Mandalay - Pyin U Lwin

Mit einem Taxi werden wir beim "Royal Guesthouse" abgeholt und nach Pyin U Lwin transportiert, 2 Stunden sehr kurvige Fahrt, 67 km von Mandalay entfernt, auf einer sehr abenteurlichen Strasse.

 

Der Strassenverkehr hat sich in Myanmar zum wichtigsten Verkehrsträger entwickelt. Das Strassennetz ist insgesamt 27.000 km lang. Allerdings sind nur 3.200 km asphaltiert. Der Strassenverkehr sieht sich mit schwierigen klimatischen Verhältnissen konfrontiert. Während der Regenzeit sind zahlreiche Strassen wegen Unterspülungen unterbrochen, in der Trockenzeit weicht die Hitze den Asphalt auf. Allerdings sind die Einheimischen sehr einfallsreich, um derartige Hindernisse zu überwinden. Das Benzin ist rationiert. Privatfahrer erhalten offiziell nur neun Liter Benzin am Tag.

 

Unser Fahrer kaut den ganzen Weg grüne Blätter und Betelnuss. Ständig spuckt er den roten Saft aus dem Fenster. Richtig ekelhaft! Wir sitzen mit einem Holländer zu dritt auf dem Hintersitz und es ist ziemlich eng. Um 11h30 sind wir im "Guesthouse Golden Dream". Dieses Guesthouse ist sehr basal und ziemlich schmuddelig, kostet aber auch nur 16 US$ für 2 Personen, inclusive Frühstück. Wir haben ein Bad mit Dusche/WC. Aus der Dusche kommt praktisch kein Wasser raus. Paul schraubt kurzerhand den Duschkopf ab und reinigt mit seinem Sackmesser jedes einzelne Loch. Nun funktioniert es tadellos und wir können duschen. Danach laufen wir sofort durch den farbenfrohen Markt. Mann, was es da so alles gibt! Hier sehen wir auch viele Bergbewohner der Umgebung, die ihre Waren aus den Bergen auf dem Markt verkaufen. Wegen dem angenehmen Klima war Pyin U Lwin, es hiess früher Maymyo, ein beliebter Wohn- oder Ferienort der englischen Kolonialherren auf 1100m Höhe. Rund um Pyin U Lwin baut man Kaffee, Baumwolle, Papaya, Ananas sowie Chrysanthemen an, die als Opferblumen an den Tempeln in der Ebene verkauft werden. Wir finden eine Küche, wo wir sehr gut zu Mittag essen. 1 x gemischtes Gemüse, 1 x Nudeln mit Gemüse, Huhn und einem Spiegelei, 4 x ein Glas Bier, alles zusammen 5600 Kyats (ca. 5.60 SFr.) und es sind Riesenportionen, die wir uns teilen. Auf der Strasse auf der anderen Seite des Marktes laufen wir zurück zu unserem Guesthouse, zur Siesta! Danach mieten wir für eine Stunde eine Pferdekutsche, die hier als ganz normales Transportmittel gilt. Wir kommen uns vor wie im wilden Westen. Der Kutscher zeigt uns den Markt des Shan-Volkes, ein altes englisches Kolonialhaus, das jetzt eine Schule ist und einen schönen Chinesischen Tempel. Er macht das gut und deshalb stellen wir ihn und sein Ross für morgen an. Sie sollen uns zum Bahnhof bringen. Auch er kaut Betelnuss und hat ganz rote Zähne. Wir kehren zurück zum Hotel, um vor dem Abendessen noch ein wenig auszuruhen. Plötzlich geht gegen 18h45 der Strom aus und ein riesiger Generator wird mit einem Höllenlärm und Dieselgestank direkt vor unserem Fenster gestartet. Wenn das die ganze Nacht so geht, werden wir kein Auge zu tun können. Und Paul sagt, er wolle nicht an Dieselabgasen sterben...! Also gehen wir zur Hotelchefin und fragen, ob sie für uns ein anderes Zimmer hat. Ja, sie habe eines, genau das gleiche, einen Stock höher. Nein Danke, das wollen wir nicht! Die Chefin wird nun böse und Paul auch. Wir packen unsere Sachen zusammen und verlassen das lärmige "Golden Dream Guesthouse". Die Dusche und die Handtücher haben wir benutzt, ohne dafür zu bezahlen. Aber dafür hat Paul ja die Dusche geflickt! Tja, von wegen golden Dream!!! Etwa 15 Minuten später sitzen wir in unserem neuen Zimmer im "Bravo Hotel". Na bravo, dieses ist zwar fast doppelt so teuer (30 US$), aber wirklich schön und vor allem ruhig. Abendessen gibt es am gleichen Ort wie das Mittagessen, weil es dort so gut war. Wir essen zusammen eine Riesenportion Gemüse mit Huhn, sehr gut. Heute Abend wäre ich, seit sehr, sehr langem, wieder einmal froh um lange Ärmel an der Bluse. Immerhin sind wir hier auf 1100 m Höhe.

Samstag, 17. Mai 2014: Pyin U Lwin - Hsipaw, sonnig,

Sehr gut geschlafen, ohne Air Condition oder Ventilator und vor allem ohne höllischem Generatorenlärm. Um 7h sind wir schon beim Frühstück im obersten Stock des Hotels. Ha, Überraschung! Der Holländer, der gestern mit uns von Mandalay bis hier im Taxi war, wohnt auch hier. Um 7h30 sitzen wir in der Rosskutsche und werden in etwa 10 Minuten zum Bahnhof gebracht. Was für ein Gewimmel an diesem Bahnhof. Hier kaufen wir die Bahnbillette. Für 6½ Stunden Zugfahrt in der Upper Class (beste Klasse die es gibt) kostet das 2750 Kyats (ca. 2.75 SFr.!). Allerdings zahlen wir mehr als die Einheimischen. Es gibt einen Einheimischen- und einen Ausländerpreis. Die "Weissen" dürfen ihre Billette direkt im Büro des Bahnhofchefs kaufen und müssen dazu den Pass vorweisen! Die Burmesen müssen am Schalter in der langen Schlange warten. Ist eigentlich ungerecht, oder? Um 8h50 (statt 8h20) fährt der Zug ab. In unserem "Upper Class"-Waggon ist der Gang total vollgestopft mit Säcken und Körben voller Mangos. Wir müssen darüberklettern, um an unsere reservierten Plätze zu gelangen.... Das Land ist sehr fruchtbar, viel Gemüse und Blumen. Bei der ersten Station werden vor den Zugfenstern von den Einheimischen Bündel mit Karotten verkauft. Der Zug rattert und holpert und die Leute kauen eifrig ihre Betelnuss und spucken den scheusslichen roten Saft aus dem Fenster. Ich kann das Geräusch, wenn die Spucke hervorgewürgt wird, fast nicht ertragen! Überall wird sehr fleissig auf den Feldern gearbeitet. Ochsen- oder Wasserbüffelgespanne pflügen und eggen. Die Erde ist meistens rot, einfach nur wunderschön! Nach 55 km geht es im Schritttempo über den "Gokhteik Viadukt". Dieser Viadukt überspannt eine 300m tiefe Schlucht und galt bei seiner Fertigstellung 1903 als Pionierleistung der Brückenbaukunst. Sehr eindrücklich! Unterwegs kaufen wir an einem Bahnhof aus dem Zugfenster eine Plastiktüte voll Nudeln mit Gemüse. Mmm..., sehr lecker! Wir essen gemeinsam aus dem Plastiksack, Paul mit den mitgelieferten Stäbchen, ich mit einer Plastikgabel aus dem Flugzeug. Um 15h15 kommen wir in Hsipaw an. Im Zug lernen wir zwei Ärztinnen aus Manchester (England) kennen. Sie werden ins "Guesthouse Mister Charles" gefahren und wir schliessen uns ihnen an. Wir bekommen ein gutes Zimmer im Parterre mit Frühstück, Ventilator, WC/Dusche für 20 US$. Das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Nach dem Duschen laufen wir in den Ort Hsipaw und trinken einen guten Fruchtsaft. Dann laufen wir etwa 1 Stunde lang weiter auf einen Berg zu einer Pagode, wo wir den schönen Sonnenuntergang bewundern. Von hier oben hat man einen wunderschönen Ausblick auf den Fluss Dhutawady. Wir laufen alles zu Fuss wieder runter, über den Fluss und durch den ganzen Ort Hsipaw. Abendessen bei "Yuan Yuan". Nudeln mit Gemüse und Huhn (Paul glaubt es sei Beef). Es gibt eine Riesenportion für 1.50 SFr., die wir uns teilen. Dazu gibt es ein Süppchen und ein Schälchen mit Gurken/Zwiebeln, beides mit Koriander. Wir geben es zurück und bekommen beides "ohne dieses Kraut". Der Wirt, der sehr gut Englisch spricht, schreibt für Paul einen Zettel auf Burmesisch (ich glaube es heisst korrekt Birmanisch)"Kann keinen Koriander essen!" Mal sehen, ob das hilft. Zum Schluss fotografiert der Wirt uns noch für "facebook". ("Yuan Yuan")

Kommentare
()
Einen neuen Kommentar hinzufügenEine neue Antwort hinzufügen
Ich stimme zu, dass meine Angaben gespeichert und verarbeitet werden dürfen gemäß der Datenschutzerklärung.*
Abbrechen
Antwort abschicken
Kommentar abschicken
Weitere laden