Myanmar (Burma, Birma): Hsipaw, 18.05. -19.05.2014, Teil 6
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Sonntag, 18. Mai 2014: Hsipaw, sonnig,

Hsipaw liegt auf 700m Höhe. Um 8h45 laufen wir los auf eine kleinere Wanderung (das heisst hier "Trekking"), mit einem Guide, 3 Finninnen, 2 Holländern, 3 Schweizerinnen und wir beide. Zuerst schauen wir uns am Ortsrand in der "Noodle Factory" an, wie Nudeln hergestellt werden, alles von Hand. Phhh..., sehr interessant! Weiter geht es durch viele Reis,-Mais- und Sojabohnenfelder. Wir schauen kurz zu, wie ein Schmied glühendes Eisen bearbeitet. Wir wandern durch verschiedene Dörfer der Shan, wo alle Häuser nur aus Teak-Holz oder Bambus sind.

 

Das Volk der Shan ist die grösste nationale Minderheit in Myanmar. Es gehört zur Familie der Tai-Völker.

Die Shan leben hauptsächlich im Shan-Staat mit der Hauptstadt Taunggyi im Osten Myanmars, wo sie mit 8,5 % (etwa vier Millionen) die grösste Minderheit bilden. Andere Quellen beziffern die Anzahl der Shan mit sieben bis acht Millionen, wobei allerdings nicht nur dieses Tai-Volk, sondern auch noch Pa-o, Padaung, Wa, Kachin, Akha und Lalu dazugezählt werden und so wohl eher die Gesamtbevölkerung des Shan-Staats genannt wird. Kleine Gruppen von Shan finden sich auch an der Grenze zur chinesischen Provinz Yunnan, in Laos und in Thailand.

 

Der Guide zeigt uns einen Thanaka-Baum, aus dem die Thanaka-Paste hergestellt wird.

 

Thanaka ist eine gelblich-weisse Paste aus einer fein geriebenen Baumrinde. In Myanmar wird sie von Kindern und Frauen in jedem Alter in das Gesicht gestrichen und wird salopp als birmanisches Make-up bezeichnet.

Die Thanakapaste wird von Jung und Alt als natürliche Kosmetik benutzt. Sie verleiht dem Gesicht ein frisches, jugendliches Aussehen, schützt gegen die UV-Strahlung der Sonne und wirkt kühlend. Zudem hat sie den Ruf, gegen Hautalterung und bei Krankheit gegen Husten und Erkältung zu wirken. Während sich Kinder und Frauen meistens das ganze Gesicht bis auf die Ohren und den Hals mit der Crème einreiben, beschränken sich die Knaben meistens auf die Wangen. Junge Frauen geben sich gerne besonders Mühe beim Make-up, weshalb manchmal schöne runde oder eckige Muster das Gesicht zieren.

Thanaka wird aus der Rinde des Indischen Holzapfelbaumes (Limonia acidissima) gewonnen, die in Südostasien verbreitet sind. Es sind kleine Bäume mit schlankem Stamm.

Der Indische Holzapfelbaum wird maximal zehn Meter hoch und blüht im Mai bzw. Juni; die kugeligen, apfelgrossen Früchte mit harter Schale reifen im November bzw. Dezember. Das Fruchtfleisch ist dunkelbraun und musartig und schmeckt nach Marmelade. Das Holz des Baumes ist sehr hart, gelblich gefärbt und verströmt einen angenehmen Duft. Das beste Thanaka wird von älteren, etwa 35 Jahre alten Bäumen gewonnen.

Im Handel kann man entweder die Paste fertig gemahlen oder Holzstücke von mindestens fünf Zentimeter Durchmesser kaufen, deren Rinde die Konsumenten auf einem dafür vorgesehenen Reibestein mit Wasser anrühren. Auf jedem Markt, vor vielen Tempeleingängen und auf den Strassen werden die Zutaten zu Bergen aufgetürmt angeboten.

 

Wir balancieren auf zum Teil sehr schmalen (etwa 20cm) Wegen zwischen den Feldern hindurch. Dabei stolpere ich über den einzigen Wurzelstock weit und breit und haue mir dabei die grosse Zehe an. Sie schwillt immer mehr an und tut weh. Wir besuchen ein Kloster, wo kleine Mönchlein im Tempel vor der Buddhastatue herumalbern und einen kleinen Boxkampf austragen. Das Mittagessen gibt es irgendwo unterwegs. Solche Nudeln, wie wir sie heute morgen in der Produktion gesehen haben. Ich esse meine Nudeln mit der Plastikgabel aus dem Flugzeug, leider vergesse ich danach, sie wieder in den Rucksack zu packen. Nun laufen wir weiter zum Fluss Dhutawady und fahren mit einem Holzboot 1 Stunde lang den Fluss hinauf, zum Baden. Das Holländerpaar kommt nicht mit, zu viel Sonne für die junge Frau. An den Flussufern waschen Frauen sich und ihre Wäsche und die Wasserbüffel geniessen bis zu den Ohren im Wasser das kühle Bad. An einer wunderschönen Stelle, mit vielen Stromschnellen, badet unser Guide mit 6 jungen Bikinifrauen (3 Finninnen und 3 Schweizerinnen) im Fluss. Paul und ich kühlen nur die Füsse und lassen uns von kleinen Fischlein die Füsse anknabbern. Nach der Rückkehr zum Guesthouse trinken wir vor dem Duschen noch etwas mit den 3 Schweizerinnen Mirijam, Sandra und Nadine, aus dem Fricktal. Mit den 3 Frauen essen wir auf einer Terrasse am Fluss zu Abend. Dies ist ein sehr schönes, gediegenes Restaurant. Das Essen ist super, der Service toll und die Stimmung wunderschön, so direkt am Fluss und mit Kerzenlicht auf dem Tisch. Und; wir sind platt! Die 3 Schweizerinnen spendieren uns spontan das feine Abendessen. Nein, das haben wir nicht erwartet!  Merci vielmals an die 3 grosszügigen Spenderinnen Nadine, Mirijam und Sandra !!! Leider geht auch dieser wunderschöne Tag viel zu schnell zu Ende.

Montag, 19. Mai 2014: Hsipaw, sonnig bis bewölkt,

Meine grosse Zehe ist schön blau und geschwollen. Nach dem Frühstück laufen wir zum Shan Palace, der 1924 vom letzten Shan-Fürsten erstellt wurde. Der Fürst lebte zusammen mit seiner österreichischen Frau Inge Sargent bis 1962 in dem Palast. Die Machtergreifung der Militärregierung, seit der ihr Gatte vermisst wird, bedeutete das Ende ihres Lebens als "Shan Prinzessin", über das sie in ihrem Buch "Dämmerung über Burma" erzählt. Heute wohnt in dem langsam zerfallenden und vor sich hingammelnden Haus eine Verwandte, sie heisst Fern. Sie empfängt gerne Besucher und erzählt uns die spannende Geschichte der Familie. Sie sagt uns, wenn sie aus diesem Haus ausziehe, schnappt sich die burmesische Militärregierung das Haus...! Wir gehen weiter und trinken bei "Miss Popcorn", so heisst ihr Gartenrestaurant superguten Lemonsaft mit Minze. Popcorn gibt es keines. Danach schauen wir uns wieder einmal einen Tempel an, mit unzähligen Schreinen für die vielen burmesischen Nats (Geister). In "little Bagan" hat es viele Pagoden, die am Zerfallen sind. Auf dem Rückweg kommen wir bei einem Haus vorbei, wo von zwei Männern und einer Frau ein enorm tiefer Brunnen gegraben wird. Ein Mann sitzt unten im Brunnen und füllt einen Kessel mit Erde und Steinen. Ein Mann sitzt oben an einem Seil und zieht die Eimer hoch. Die Frau trägt sie zu einem Haufen und leert sie aus. Wahnsinn, und das alles von Hand und bei dieser Hitze im Jahre 2014! Den Nachmittag verbringen wir auf der Terrasse im „Guesthouse Mister Charles“, lesend. Später versuche ich in einem Internetcafé Mails zu lesen. Ich habe keine Chance, komme nicht bis zu den Mails durch. Das kostet 300 Kyats, ca. 30 Rappen. Abendessen bei "Yuan Yuan". Paul gemischtes Gemüse aus dem Wok, ich auch, aber mit Huhn, das sich als Rind entpuppt. Sehr gut!

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