Myanmar (Burma, Birma): Hsipaw und Nyaungshwe am Inle See, 20.05. - 22.05.2014, Teil 7
1 View

Dienstag, 20. Mai 2014: Hsipaw- Nyaungshwe, sonnig bis bewölkt, ganz kurzer Regen

Ich stehe um 6h auf und schaue zu, wie vor dem Guesthouse unendlich viele Mönchlein ihre Gaben entgegennehmen. Alle sind barfuss und haben einen Sammeltopf dabei. Jeder bekommt eine Schaufel voll Reis in den Sammeltopf und jeder eine Tüte Waschpulver. Die Frau von unserem Guesthouse, die die Sachen verteilt, macht das jeden Dienstag, weil sie an einem Dienstag geboren wurde. Meiner Zehe geht es wieder gut. Aber dafür habe ich seit vorgestern Nacht schrecklichen Durchfall. In den letzten zwei Nächten bin ich mindestens je 5 mal auf den Topf gerannt. Dr.Paul verordnet mir heute zum Frühstück 3 kleine, furztrockene Toastscheiben und Grüntee. Da ich Dr.Paul's verordneter Diät nicht so recht traue und weil wir heute Nachmittag 14 Stunden im Bus zum Inle-See verbringen werden, kaufe ich in der Krankenstation des Guesthouses etwas gegen Durchfall. Es heisst "Imotil" und ist so etwas wie "Immodium". 10 Kapseln (aus Bangladesh) kosten 500 Kyats oder 50 Rappen. Danach schlendern wir in die Stadt, um den Busbahnhof zu suchen, finden ihn aber nicht. Über den farbenfrohen Markt spazieren wir zu unserem Guesthouse zurück. Den Nachmittag verbringen wir lesend vor dem Guesthouse. Wir sind so müde, dass wir uns sehnlichst ein Bett wünschen. Aber das Zimmer mussten wir ja um 12h abgeben. 

Endlich, um 15h50 kommt unser bestelltes TukTuk und bringt uns zum Busbahnhof. Hier nehme ich heute meine zweite Mahlzeit ein; eine Banane. Obwohl ich immer noch Bauchkrämpfe habe, hat sich die Situation dank den 2 "Imotil" Kapseln enorm gebessert. Mit 20 Minuten Verspätung fährt der Bus um 16h50 los. 40 Minuten später gibt es schon den 30-minütigen Abendessens-Stopp. Nach sehr kurzer Fahrt müssen wir 210 Liter Diesel tanken. Dann gibt es eine Kontrolle vom Militär in Zivil. Bei zwei Burmesen weden die Rucksäcke und Taschen, ja sogar die Schuhe total durchsucht. Was suchen die eigentlich? Wir wissen es nicht. Wir sehen einen traumhaft schönen Sonnenuntergang aus dem Bus. Bei der tiefen Schlucht, die wir am Samstag mit dem Zug passiert hatten, hat es viele sehr enge Kurven. Es sieht aus wie die alte Gotthardstrasse, die Tremola. Es ist gegen 20h30 als es plötzlich saumässig nach verbranntem Gummi riecht. Paul sagt eine Kupplungspanne voraus! Um 21h stehen wir an einer Strassenzahlstelle. Der Chauffeur kann keine Gänge mehr einlegen, weder vor- noch rückwärts. Zuerst blockieren wir etwa 20 Minuten lang die einzige Zahlspur. Die anderen Autos müssen über die Lastwagen-Waage fahren, um weiterzukommen. Jetzt wird am Kupplungsgestänge (gemäss Dr.Paul) herumgeklopft und geschraubt, bis der Rückwärtsgang eingelegt werden kann. Der Bus wird rückwärts von der Zahlspur weggestellt, damit er repariert werden kann. Während der Reparatur esse ich meine zweite Banane heute. Nach etwa einer Stunde geht die Fahrt etwa 500m weiter, zu einer Raststätte, die mit Pyin U Lwin angeschrieben ist. Paul isst hier eine grosse Portion Reis mit 2 Sorten Gemüse und Huhn. Später verdrückt er noch eine Portion Pop Corn. Nach insgesamt zwei Stunden Unterbruch können wir weiterfahren. Aber ab jetzt wird jede Stunde angehalten, kontrolliert und gekühlt. Einmal dauert das 20 Minuten, meistens aber nur kurz. Bei den grösseren Stopps werden die Reifen mit Wasser gekühlt.

Mittwoch, 21. Mai 2014: Nyaungshwe am Inle See, 875 m hoch, sonnig bis bewölkt

Trotz dieser mühsamen, aber sehr abwechslungsreichen Nachtbusfahrt, kommen wir doch schon nach 14 Stunden in Nyaungshwe, im Shan Staat, an. Aber vorher werden wir im Ort Shwenyaung aus dem Bus ausgeladen. Wir haben keine Ahnung, wo wir hier überhaupt sind. Unsere Rucksäcke werden von zwei Männern gepackt und weggetragen. Paul bekommt sofort "Vögel" und fürchtet um die Rucksäcke! Aber diese werden, zusammen mit uns in ein TukTuk gesetzt, ohne dass wir wissen, was mit uns passiert. Nach etwa einer Stunde Warten, ist das TukTuk fast voll und wir tukern los zum Inle See. Unterwegs, vor dem Ort Nyaungshwe hat es eine Zahlstelle, wo die Ausländer, und nur sie, 10 US$ pro Person für die Region Inle See bezahlen dürfen!!! Die TukTuk-Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Und man glaubt es nicht, aber wir haben heute mit unseren Transportmitteln wirklich Pech. Plötzlich bleibt das TukTuk stehen, kein Benzin mehr! Aber der junge Fahrer weiss sich zu helfen. Er bläst in den Benzintank und wir können wieder ein paar Meter fahren. Dies wiederholt er drei Mal, bis wir an der Tankstelle sind. Danach bringt er uns ganz ans Ende des Ortes Nyaungshwe, zum Guesthouse "Four Sisters". Wir beziehen ein Zimmer für 20US$. Dann essen wir eine Kleinigkeit zum Frühstück und lernen dabei "Sister Number One" (so stellt sie sich vor) kennen. Aber wo sind Sister Number Two bis Four? Wir sind so müde von der aufregenden Nachtfahrt, dass wir uns ein 2-stündiges Schläfchen gönnen. Mir geht es wieder sehr gut. Das "Imotil" aus Bangladesh hat sofort und gut geholfen. Wir machen einen langen Spaziergang durch die Reisfelder und schauen uns, entgegen aller Vorsätze, wieder eine Pagode an. Nach einer erfrischenden Bierpause im Ort, geht Paul zum Coiffeur. Ich muss der Coiffeuse die Schermaschine aus der Hand nehmen, und ihr zeigen, was Paul für eine "Frisur" haben möchte, nämlich ganz kahl. Die Chefin schneidet und drei junge Frauen schauen ganz fasziniert zu. Das kostet 2000 Kyats (2 Sfr.) Ha, bei mir hat es in Mandalay nur 1500 Kyats gekostet! Nun machen wir noch einen Abstecher zu einem Internetcafé. Ich kann zwar die Mails lesen, aber nichts senden, sehr mühsam. Nach einem langen Abendspaziergang essen wir irgendwo in Nyaungshwe zu Abend. Nyaungshwe hat circa 130.000 Einwohner.

Der Inle-See

Höhe über Meeresspiegel: 875 m

Fläche: 120 km²

Länge: 22 km

Breite: 10 km

Maximale Tiefe: 3,7 m (Trockenzeit)

Mittlere Tiefe: 1,5 m (Trockenzeit) + 1,5 m (in der Monsunzeit)

 

Der Inle-See ist ein Süsswassersee im Shan-Staat in Myanmar. Er ist bekannt durch seine Einbeinruderer und schwimmenden Dörfer und Gärten. Das Leben dieser Menschen ist völlig auf den See ausgerichtet. Der Inle See ist der zweitgrösste See Myanmars.

Innerhalb des Sees und am Seeufer gibt es insgesamt 17 Dörfer, welche überwiegend von der Intha-Bevölkerung bewohnt sind. Die Häuser sind auf Pfählen gebaut. Insgesamt wohnen hier 70.000 Menschen.

Die Bevölkerung baut Gemüse, Früchte und Blumen an. Viele der Kulturen werden auf schwimmenden Feldern bestellt. Basis dieser schwimmenden Felder ist eine sehr fruchtbare feste Masse bestehend aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen, die mittels Bambuspfählen am Seeboden befestigt sind.

Die Fortbewegung in den schmalen Kanälen der Ortschaften, auf den Feldern sowie in Ufernähe erfolgt in schmalen Kanus. Typisch für den See ist die hier angewendete Bein-Rudertechnik. Der Rudernde steht am Heck des Bootes. Werden die Hände beispielsweise beim Fischen benötigt, so wird ausschliesslich mit dem Bein gerudert, indem das Ruder mit dem Bein eingeklemmt wird. Für grosse Strecken auf dem See sind heute jedoch nur die grösseren Boote mit Aussenbordmotor erlaubt.

Donnerstag, 22. Mai 2014: Nyaungshwe am Inle See, sonnig, bewölkt, Regen

Wir haben geschlafen wie Steine! Um 7h40 steigen wir in ein Boot, das wir gestern ganz alleine für uns beide bei der "Sister Number One" gemietet haben. Wir haben einen Bootsführer und einen Helfer. Auf einem Kanal fahren wir zum Inle See. Der Inle See ist malerisch von Bergen umrahmt in einem weiten Tal. Die Fahrt auf dem See ist wunderbar und wir geniessen sie enorm. Wir sehen auch die berühmten sogenannten "Beinruderer". Aber leider sehen wir sie nicht so richtig aus derNähe.

Man hat uns gesagt, wir fahren zum "schwimmenden Markt" in Ywama. Der Markt ist zwar da, aber nicht "schwimmend", sondern an Land. Unser Ausflug entwickelt sich nun langsam zu einer "Werbefahrt" ( Kaffeefahrt). Wir besuchen eine Silberschmiede, eine Lotus-, Seiden- und Baumwollweberei, einen Souvenirladen wo allerlei handgefertigte Sachen verkauft werden. Hier sitzen vier "Giraffenhals-Frauen" an Webstühlen. Zuletzt schauen wir noch zu, wie die "Cheeroot" - Zigarren hergestellt werden. Die Frauen haben beim Drehen der Zigarren eine unglaubliche Fingerfertigkeit. Und jetzt weiss Paul endlich auch, was er für ein Kraut raucht. Er deckt sich gleich mit einem Berg von Zigarren ein, mit Aenisgeschmack, mit Mintgeschmack und Nature. Im gleichen Gebäude hat es im oberen Stock ein sehr schönes Restaurant, das "eyful lake", mit wunderschönem Blick auf den Inle-See. Hier essen wir sehr gediegen zu Mittag.

Ich habe mir heute ganz fest vorgenommen, keinen einzigen Buddha zu fotografieren. Aber wir besuchen noch 3 grosse Pagoden und Klöster im See....

Dann fahren wir durch die "schwimmenden Gärten". Hier gedeihen Gurken, Auberginen, Melonen und Tomaten, Tomaten, Tomaten..., soweit das Auge reicht. Die werden in Booten nach Nyaungshwe gebracht. Dort, überall rund um unser Guesthouse, verlesen, in Kisten gepackt, auf Lastwagen geladen und jede Nacht nach Mandalay, Yangon und andere Städte auf die Märkte gefahren. Wahnsinn, das ist alles unglaublich interessant und wir könnten noch lange schauen. Aber gegen 13h fängt es leider an zu regnen und wir fahren schleunigst, etwa eine Stunde lang, zurück zu den "Vier Schwestern". Drei davon hocken imRestaurant am Boden und spielen Karten.

 Unser Ausflug auf den Inle See-war einfach toll, er hätte ruhig noch ein wenig länger dauern können. Nach dem Duschen gehen wir wieder in den Ort und staunen wieder über die Tomatenverladerei! Wir müssen eine neue Speicherkarte für den Fotoappart kaufen. Wir haben eindeutig zu viel fotografiert!

Kommentare
()
Einen neuen Kommentar hinzufügenEine neue Antwort hinzufügen
Ich stimme zu, dass meine Angaben gespeichert und verarbeitet werden dürfen gemäß der Datenschutzerklärung.*
Abbrechen
Antwort abschicken
Kommentar abschicken
Weitere laden