Sonntag, 17.Mai 2015: Goa, Benaulim – Mumbai
Unser Zug, der „Mandovi Express“, fährt um 9h15 vom Bahnhof Margao ab. Am Anfang sind wir ganz alleine in unserem 8-er Abteil und können uns gemütlich ausbreiten. Wir trinken Tee und Lassi. Das ist Joghurt in einer kleinen Plastiktüte. Am Nachmittag kommen immer mehr Leute dazu und bei jedem Halt gibt es ein grosses Palaver. Obwohl die Sitzplätze nummeriert sind, gibt es jedesmal einen Salat. Zwei junge Fussballer (18 Jahre alt) setzen sich zu uns und wollen unbedingt mit uns Fotos haben. Sie erzählen uns, dass sie an einem Fussballturnier waren und von 28 Mannschaften 3. wurden. Wir gratulieren ihnen und sie strahlen! Wir kaufen nochmals Tee und werden wieder einmal beschissen, der junge Mann will uns das Rausgeld nicht geben. Es ist zwar nicht viel, aber trotzdem bestehen wir darauf. Bis zum Schluss sind wir 19 Erwachsene im 8-er Abteil. Einige Leute stehen 5 Stunden lang! Die Leute entsorgen einfach alles, Plastikflaschen, Aluteller, Plastiktüten, fein säuberlich aus dem Fenster. Einmal wird Paul gebeten, 5 Plastiktüten vom Lassi aus dem Fenster zu werfen. Er weigert sich energisch. No Problem, der Vater der Familie schmeisst das Plastikzeug einfach durch das Fenster auf der anderen Seite des Zuges. Mit 30 Minuten Verspätung erreichen wir um 22h10 unser Ziel, Mumbai (früher, bis 1996 Bombay). Wir haben seit heute Morgen 588 km zurückgelegt, mit einem Schnitt von 45,6 km/h. Paul hat das GPS vom iPad mitlaufen lassen. Weil Paul ziemliche Rückenprobleme hat, haben wir für den Moment genug vom Zugfahren. Am Bahnhof Victoria Terminus in Mumbai fragt uns ein netter Taxifahrer, wo wir hin wollen. Wir brauchen ein Hotel, teilen wir ihm mit. Er schnappt sich unsere schwere Reisetasche und trägt sie zu seinem Taxi. No Problem! Er weiss zwei Hotels. O.k., wir sind froh!
Das erste Hotel ist voll besetzt. Im zweiten Hotel zeigt man uns ein Zimmer, aus dem eben ein junger Mann herauskommt. Er hat auf dem Bett gelegen und fern geschaut…! Wir sind bereit, das sehr kleine Zimmer zu nehmen, mit der Bedingung, dass das Bett frisch bezogen wird. No Problem! teilt man uns mit. Während wir einchecken und die Pässe dabei gründlich untersucht und kontrolliert werden, wird das Bett frisch bezogen. Wir begutachten das Bett und finden, es sei nicht frisch bezogen, es ist noch genau das gleiche Leintuch darauf, wie vorher, mit einem kleinen Loch. Der Bursche behauptet aber, er habe das Leintuch gewechselt. Nun kommt unser Taxifahrer und reisst höchstpersönlich das Leintuch und die Kissenbezüge herunter. Wir schauen zu, wie das Bett frisch bezogen wird und sind jetzt überzeugt. Inzwischen ist es 23h. Das Zimmer kostet 2000 Rupien (ca. 30 Sfr., ohne Frühstück). Wir legen das Gepäck ab und waschen nur schnell die Hände, bevor uns Raju, so heisst der Taxifahrer, in ein Restaurant bringt, wo wir ein Bier trinken. Wir laden auch Raju dazu ein. Er nimmt ein grosses Kingfisher „strong“ (8% Alkohol), wir ein Kingfisher Premium (5% Alkohol). Es ist 23h45 als wir endlich in unserem Bett liegen.
Montag, 18.Mai 2015: Mumbai
Ich schlafe eine Stunde lang nicht schlecht, aber dann, von 01h bis 03h lausche ich dem Film im Fernsehen aus dem Nachbarzimmer. Als endlich wieder Ruhe ist, ist es für die Moslems schon wieder Zeit für die Moschee und sie tratschen lauthals im Gang. Um 9h30 holt uns Raju ab. Wir stehen mit Sack und Pack unten auf der Strasse. Raju weiss ein anderes Hotel für uns, aber das Zimmer ist erst ab 11h bezugsbereit. Also gehen wir mit ihm, wie gestern beim Bier vereinbart, auf eine 3-stündige Stadtrundfahrt.
Mumbai ist mit 12,5 Millionen Einwohnern in der eigentlichen Stadt (das heisst ohne Vorortgürtel) die grösste Stadt in Indien und eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Mit 18,4 Millionen Einwohnern in der „Mumbai Metropolitan Region“, die auch die nördlichen Gebiete einschliesst, gehört Mumbai auch zu den grössten Metropolregionen der Welt (Zahlen jeweils Volkszählung 2011).
Umweltprobleme: Der zunehmende Verkehr führt zu steigender Luftverschmutzung
Zu den grössten Umweltproblemen der Stadt gehören die unzureichenden Entsorgungs- und Reinigungskapazitäten für Abwasser, Abgase und Abfälle. Obwohl sich die Wasserversorgungslage der Haushalte seit Anfang der 1980er Jahre verbessert hat, verfügen nur wenige Haushalte über eine Abwasserentsorgung. Mehr als die Hälfte der Bewohner Mumbais lebt in Slums, ohne Wasseranschluss und Kanalisation. Verschmutztes und verseuchtes Wasser tragen wesentlich zur Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten bei.
Probleme bereitet auch der jährlich auftretende Monsun. Nach acht Monaten Trockenheit kommt es während des viermonatigen Monsuns regelmässig zu Überschwemmungen. Der Regen spült dabei immer wieder Müll in die Abflüsse und führt zu deren Verstopfung. Ein teilweiser Zusammenbruch der Kanalisation und eine Vermischung von Trink- und Abwasser sind die Folge. Auch hier kommt es zum Ausbruch von Infektionskrankheiten.
Die beiden grössten Religionen sind Hinduismus und Islam.
Zuerst besuchen wir den „Gateway to India“ einen Triumphbogen am Meer. Das Wahrzeichen von Mumbai wurde 1924 erbaut. Das Bauwerk, errichtet zur Erinnerung an den Besuch von König Georg V. und seiner Frau Maria im Jahre 1911, war ursprünglich als feierlicher Landungspunkt für mit P&O-Dampfschiffen ankommende Passagiere gedacht. Am 28. Februar 1948 verliessen von hier aus die letzten noch auf indischem Boden verbliebenen Truppen an Bord der „Empress of Australia“ das unabhängig gewordene Land.
Jetzt sehen wir das berühmte „Taj Mahal Palace Hotel“, wunderschön, aber nicht unsere Preisklasse. Es wurde am 16. Dezember 1903 eröffnet. Im Hotel übernachteten berühmte Persönlichkeiten wie Mick Jagger, Prinz Charles, The Beatles, Bill Clinton und Jacqueline Kennedy Onassis. Bei den Anschlägen am 26. November 2008 kam es in der indischen Metropole Mumbai an zehn unterschiedlichen Stellen, unter anderen auch im „Taj Mahal Palace Hotel“, innerhalb kurzer Zeit zu 17 Explosionen, Angriffen mit Schnellfeuerwaffen und Geiselnahmen. Verübt wurden diese durch etwa zehn Angreifer, die sich in mehrere Gruppen aufgeteilt hatten. Die Terroristen wurden nach heftigen Gefechten von der Polizei festgenommen oder erschossen. Nach Angaben der indischen Behörden gab es dabei mindestens 239 Verletzte und 174 Tote.
Danach fahren wir zum Fischmarkt und staunen über die einfachen Holzboote der Fischer. Während wir uns die Sachen anschauen, bewacht Raju unser Gepäck, das ja alles im Auto ist, bis wir das neue Hotelzimmer haben. No Problem! Raju zeigt uns die öffentliche Wäscherei, die mich enorm beeindruckt, besonders weil hier die Männer von Hand waschen. Sie waschen in 1026 mehr als 140 Jahre alten Steintrögen, draussen unter der brennenden Sonne. Enorm eindrücklich.
Die Wäscherei liegt in einem riesigen in Stein gehauenen Waschviertel „Open Laundry“ („Dhobi Ghat“). Dort waschen etwa 10.000 Menschen die Wäsche aus den Restaurants, Hotels, Krankenhäusern und Privathaushalten der Stadt. In hunderten von Betonbecken nebeneinander steht je ein Mann in Seifenlauge und schlägt Wäschestücke auf einen Stein. Die Frauen bügeln die Wäsche mit Bügeleisen, die mit glühender Kohle betrieben werden. In der nahegelegenen Siedlung wohnen die Arbeiter. In einer Hütte leben etwa 15 bis 20 Personen. Gearbeitet wird täglich 14 Stunden und sieben Tage in der Woche für 150 Rupien (2,40 Euro) pro Tag. Wegen fehlender Gummihandschuhe sind Krankheiten und Verletzungen an Händen und Füssen, hervorgerufen durch die verwendeten Chemikalien, an der Tagesordnung. Eine staatliche Krankenversicherung gibt es in Indien nicht und auch die Rente obliegt der Selbstvorsorge, die sich keiner der dort Arbeitenden leisten kann.
Nach dem Jain-Tempel (eine der vier Hindu Glaubensrichtungen), besuchen wir die Hängenden Gärten auf dem Malabar Hill, ein Kunstwerk des Gartenbaus. Zu sehen sind Büsche und Sträucher mit der Form von Affen, Elefanten, Giraffen und anderen Tierarten. Zahlreiche Menschen sorgen ständig für die Pflege der Ziergärten. Nachdem wir auch noch den Strand von Mumbai gesehen haben, ziehen wir in unser Hotel „Zam Zam Palace“ ein. Hier haben wir ein viel schöneres und grösseres Zimmer mit allem was wir brauchen für 1590 Rupien (ca.24 Sfr.) Wir bezahlen für zwei Nächte 3180 Rupien und Paul muss sich schon wieder masslos ärgern. Man gibt uns einfach die 20 Rupien nicht heraus. Aber Paul besteht darauf und wir bekommen sie. Wieder ist es nicht viel Geld, aber es geht uns ums Prinzip und dafür können wir eine Flasche Mineralwasser oder zwei Brötchen kaufen. Zum Mittagessen sind wir in einem Einheimischenlokal und essen Chicken Biryani (Reis mit Huhn) und bestellen dazu noch ein gut gebratenes, sehr feines Hühnerbein. Wir teilen uns beides (Kosten mit zwei Literflaschen Wasser 175 Rupien = ca. 2.60 Sfr.).





























































