Mittwoch, 29. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Und wir warten weiter! Um 9h sollte einer kommen, der die Stoffabdeckungen für 5 Luken näht. Er kommt gegen 11h und dann müssen wir ihm sagen, wie die Teile genäht werden müssen. Oh jeee, ob das gut kommt? Jedesmal, wenn ich mit den Einheimischen hier Französisch spreche, habe ich meine liebe Mühe damit, ihre Antworten zu verstehen. Sie fallen immer sofort in ihr Creolisch zurück und ich verstehe immer nur Bahnhof.
Um 14h sollten zwei Männer kommen, um die Küchenabdeckung auszumessen. Um 15h ruft Bertrand an, dass die Messieurs erst morgen um 9h kommen werden. Und wir warten weiter! Aber vorher laufen wir noch zum Supermarkt um einzukaufen.
Donnerstag, 30. Juni 2016: Mauritius, Port Louis
Ein Wahnsinn! Pünktlich um 9h kommen die zwei Herren Steven und Didier und begeben sich in unsere Küche um ein „Schnittmuster“ für die neue Küchenabdeckung zu erstellen. Das dauert 2¼
Stunden und gibt uns Hoffnung, dass die Arbeit dann auch gut erledigt wird. Und wir warten weiter. Diesmal wieder auf einen anderen Monsieur, der mit Epoxy umgehen kann. Man hat uns gesagt, er komme vielleicht heute noch, sonst halt morgen. Wir sitzen auf der MABUHAY und warten. Aber der Typ, er heisst Desiré, kommt nicht. Es ist verrückt, aber das Warten stresst uns. Am Abend sind wir beide so gefrustet, dass wir um die Ecke ins Restaurant „Sunset“ gehen. Bis 19h gibt es „Happy Hour“, das heisst zwei Bier bestellen und nur eines bezahlen und ab 19h gilt das gleiche für Pizza. Wir bestellen zwei Pizzas und bezahlen nur eine.
Freitag, 1.Juli 2016: Mauritius, Port Louis
Und das grosse Warten geht weiter! Der Desiré-Typ kommt nicht, wir versuchen ihn telefonisch zu erreichen, aber vergebens, er nimmt nicht ab. In unserer Verzweiflung fragen wir unseren Nachbarn,
den Inder Sunil, ob er jemanden kennt, der mit Epoxy arbeitet. Ja klar, kennt er jemanden. Er ruft sofort irgendwo an und teilt uns mit, dass am Nachmittag einer komme. Hier ist es üblich, dass jeder einen Freund hat, der einen Freund hat, der jemanden kennt…..
Wir warten den ganzen Tag und wagen uns keinen Schritt vom Schiff weg, kein Epoxy-Mann kommt. Um 16h kommt Fanou, einer der Arbeiter von Schreiner Franky und bringt uns die alten Hölzer der Fussreling und die Schienen die darauf montiert waren zurück. Die Schienen sind noch genau so schmutzig und oxidiert, wie er sie mitgenommen hat. Paul flucht erst mal eine Runde, und diesmal zu Recht. Nur bin leider wieder ich der Blitzableiter, ist ja sonst keiner da! Wir sitzen seit einer Woche tatenlos hier auf dem Schiff herum und warten. Paul hätte X-Mal Zeit gehabt, die 38 Schrauben aus den beiden Schienen zu entfernen und die Schienen so wie die Schrauben zu putzen. Morgen will Fanou das neue Holz und die Schienen darauf montieren. Paul macht sich sofort an die Arbeit, während zwei Stunden arbeitet er ununterbrochen, teilweise mit meiner Unterstützung, um die festgehockten, oxydierten Schrauben zu lösen. Über Nacht weichen wir die Schrauben mit Öl ein.
Samstag, 2. Juli 2016: Mauritius, Port Louis
Wir stehen um 7h30 auf. Nach dem Frühstück machen wir uns sofort daran, die festgehockten Schrauben aus den Schienen zu lösen. Mit dem Hammer und Gewalt schaffen wir das auch. Fanou hat versprochen, um 8h hier zu sein. Er kommt um 9h10. Gegen 9h50 beginnt er mit der Arbeit. Paul hat festgestellt, dass die meisten Schrauben krumm sind oder zerdepperte Gewinde haben. Wir müssen 25 Stück von den grossen, 10 cm langen Schrauben und ein paar kleinere ersetzen. Fanou hat keine neuen Schrauben dabei. Paul fährt mit Rashid und seinem Taxi zum Schiffzubehörladen, um neue Schrauben zu kaufen. Die haben aber keine solche Schrauben, erst am Montag können wir sie abholen. Fanou arbeitet unterdessen an der Fussreling, und was er macht sieht sehr gut aus. Allerdings hatten wir erwartet, dass die Arbeit heute noch abgeschlossen würde, aber ohne die richtigen Schrauben wird das wieder nichts, obwohl Paul hilft wo er kann. Seit 10 Tagen sieht es in unserem Schiff saumässig aus. Der Salon halb ausgeräumt, die Schränke im Salon, in der Küche und im Bad leer geräumt und zum Teil sogar ganz entfernt. Die Waschmaschine steht mitten im Raum, damit man von innen an die Schrauben rankommt. Nichts ist mehr an seinem gewohnten Platz und es ist überhaupt nicht mehr lustig hier drin zu wohnen.
Fanou arbeitet bis um16 h, dann hat auch er seinen wohlverdienten Feierabend. Aber vorher hat er noch mit der Schleifmaschine die beiden Holzleisten abgeschliffen und jetzt sieht die MABUHAY aus wie ein Sägewerk. Innen und aussen überall feiner Staub. Wir spritzen das ganze Schiff (nein, nur aussen!) mit dem Schlauch, ab um es wieder einigermassen bewohnbar zu machen. Nach dem Abendessen, gehen wir in zwei Minuten hinter das Hotel Labourdonnais und haben Glück. Auf dem Platz dort tanzt eine Gruppe aus Rodrigues eine Stunde lang Sega-Tänze. Wir sind nun schon 1½ Monate in Mauritius und Rodrigues und haben noch keinen einzigen Sega-Tanz gesehen. Paul findet zwar, die Tänze seien immer gleich, aber ich bin begeistert. Die Frauen schwingen ihre bunten Stufenröcke und ihre Hintern und die Einheimischen singen die Lieder und machen bei den Tänzen voll mit. Schön, aber für mich leider viel zu kurz..
Sega entstand im 18. Jahrhundert auf den Inseln im westlichen Indischen Ozean, als Vermischung von europäischer und afrikanischer Kultur. Traditionelle Instrumente wie die Rassel Maravanne, Handtrommel Moutia, der Triangel und die Fidel Bobre. Ursprünglich handelte es sich um improvisierte Musik, die mit starken, emotionalen Elementen das Leiden einer versklavten Bevölkerung ausdrücken soll. Sie wurde auch als Trauermusik und für die traditionelle Teufelsaustreibung verwendet. Sega wird meist als typisch mauritisch angesehen.
Obwohl es hauptsächlich réunionesische und mauritische Musik ist, ist die Sega-Musik nun auch auf den Seychellen, den Komoren, Mayotte, der Insel Rodrigues und Teilen der Küste von Madagaskar verbreitet.
Sonntag, 3. Juli 2016: Mauritius, Port Louis
Heute ist es wieder mal an der Zeit Bus fahren zu gehen. Um 10h machen wir uns auf den Weg zum Busbahnhof, diesmal aber zu dem, wo die Busse Richtung Süden abfahren. Wir steigen in den Bus nach Flic en Flac, einem Badeort an der Westküste der Insel. Nach ca. 50 Minuten Fahrt steigen wir dort aus. Wir machen einen sehr langen Strandspaziergang und essen danach einen Teller voll Mine Frites (Nudeln). Mmmm, sehr gut! Wir laufen weiter, bis wir durch eine Mauer aufgehalten werden. Weiter südlich sind die Strände „privat“, d.h. sie gehören zu den Hotels und sind durch Mauern abgeschirmt. Wir nehmen den Bus zurück nach Port Louis und sind gegen 16h wieder in der Marina. Schön war's, auch wenn es am Schluss leicht zu regnen anfing, aber da waren wir ja sowieso im Bus.
Montag, 4. Juli 2016: Mauritius, Port Louis
Um 10h machen wir uns auf den Weg, die 25 grossen Schrauben zu holen, die Paul am Samstag bestellt hat. Wir fragen einen Taxifahrer wieviel hin- und zurück kostet. 800 Rupien (23 Sfr.) teilt er uns mit. Wir sagen nein Danke und laufen davon. Das Taxi fährt uns nach und jetzt kostet die Fahrt 500 Rupien (14.30 Sfr.) Wir sagen nochmals Danke und laufen zum Busbahnhof. Für 84 Rupien (2.40 Sfr.) fahren wir zum Laden und zurück. Im Laden teilt man uns mit, die Schrauben seien nicht da, der Verkäufer mit dem Paul am Samstag gesprochen habe, sei krank. Wir sollen morgen wieder kommen. Aber der Schreiner kommt heute um 13h und braucht diese Schrauben! Der Verkäufer telefoniert mit dem Kranken und staucht ihn, so wie es tönt, zünftig zusammen. Jetzt sagt man uns, wir sollen in einer halben Stunde wieder kommen. O.K., damit können wir leben. Wir laufen im Quartier herum, trinken irgendwo einen Orangensaft und können nach einer guten Stunde die Schrauben in Empfang nehmen. Uff!!! Um 13h sollte Fanou kommen, er kommt um 14h20! Und auch heute ist er wieder alleine. Paul hilft wo und wie er kann und auch ich werde eingespannt. Fanou montiert die Schiene und die Schrauben von oben, dann geht er nach unten und bringt von hier die Unterlagsscheiben und die Muttern an. Paul zieht sie oben mit der Ratsche an. Ich reiche Fanou das Material an, damit er nicht wegen jeder Unterlagsscheibe und Mutter die er braucht, von der Arbeit weg muss. Um 16h ist Feierabend und es ist erst eine Seite gemacht. Fanou wollte heute fertig werden, So muss er morgen Nachmittag wieder kommen um die zweite Seite zu erledigen. Ich fange sofort an zu putzen und die Schränke wieder einzuräumen, wo die Arbeit fertig ist. Am Mittwoch wollen wir mit Robin auf die 4-Tagestour gehen.
Dienstag, 5. Juli 2016: Mauritius, Port Louis
Fanou kommt statt um 13h um 14h15 und das erst, nachdem ihn Paul auf dem anderen Schiff geholt hat. Wie schon gestern arbeiten wir mit ihm zusammen. Um 16h kommt Franky und hilft noch ein wenig mit. Um 17h ist fast alles fertig und wir müssen bezahlen, 9000 Rupien (257 Sfr.). Fanou schenken wir ein grosses Schweizer Taschenmesser, ein Feuerzeug und eine Kappe. Er freut sich und strahlt wie ein Maikäfer! Wir finden, er habe gut gearbeitet, wenn er denn endlich mal da war. Wir fangen sofort an zu putzen, Schränkli einbauen, Waschmaschine fixieren wo sie hingehört usw.
Morgen geht es auf die 4-Tagestour, auf die wir uns sehr freuen. Wenn wir am Samstag wieder zurück kommen, gibt es noch mehr zu putzen und wieder einzuräumen. Aber im Moment sind wir nur froh, dass wir schon so weit gekommen sind….














