Madagaskar: 1.Woche, Antananarivo - Antsirabe, 02.08.2016
1 View

Dienstag, 2.August 2016: Antananarivo – Antsirabe 170 km

Nach dem Frühstück haben wir noch ½ Stunde Zeit, bis uns Baba abholt. Wir laufen an unserer Strasse entlang und schauen uns das quirlige Markttreiben an. Ich will gerade ein Foto von Paul schiessen, wie er uralte rostige Ersatzteile für Motoren anstaunt. Da reisst mir ein vorbeilaufender junger Mann den Fotoapparat (die kleine Lumix) aus der Hand und rennt davon. Ich habe ein Riesenglück, dass der freche Dieb nicht so gute Übung im Klauen hat! Der Fotoapparat fällt auf den Boden und ich kann ihn wieder aufheben. Paul hat von dem allem nichts gemerkt, das ging viel zu schnell. Viele der Marktleute haben den Vorfall gesehen, aber keiner kümmert sich darum. Das scheint hier normaler Alltag zu sein. Um 9h werden wir von Baba an unseren Fahrer Liver übergeben und um 9h15 fahren wir mit einem schönen Renault Clio los. Überall hat es Bettelkinder und kleine Kinder die mit dem kleinen Geschwisterchen auf dem Rücken betteln. Es ist absolut trostlos!!!

Liver fährt mit uns hinauf, auf den höchsten Hügel der Stadt, wo sich die „Rova“, der Königinnenpalast, befindet.

Der Rova fiel am 6. November 1995 einem Brand zum Opfer, nur Steinbauten wie der Palast der Königin und der Tempel blieben zumindest von der Fassade erhalten. Die Wiederaufbaumassnahmen zogen sich wegen begrenzter finanzieller Mittel lange hin, konnten aber zu den Feier der 50-jährigen Unabhängigkeit Madagaskars im Juni 2010 im Wesentlichen abgeschlossen werden.

Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt Tana. Auf der RN7 (Route Nationale) fahren wir raus aus der Stadt Richtung Süden. Hier sehen wir, wie aus Lehm Backsteine hergestellt werden. Dabei sehen wir auch, wie Kinder, 6 oder 7 Jahre alte, Backsteine herumschleppen. Das schönste Beispiel von Kinderarbeit. Irgendwo unterwegs macht Liver einen Tankstopp. Er tankt 15 Liter Benzin. Wir fahren weiter und etwa 10 km später sagt Liver plötzlich: „Sorry, aber wir müssen umkehren und zurück zur Tankstelle. Die Tankuhr macht seit dem tanken keinen Wank, die haben mich betrogen!“ Wir kehren um und Liver reklamiert an der Tankstelle. Es gibt ein grosses Palaver mit sämtlichen Tankstellenangestellten aber es nützt nichts, man behauptet einfach die Tankuhr von Livers Auto sei defekt. Aber später, als an einer anderen Tanke nochmals getankt wird, macht der Tankuhrzeiger sofort einen Sprung nach oben….

Mittagessen gibt es im Dorf Behenjy, wo gerade Markttag ist. Das Dorf ist bekannt für sein „foie gras“. Klar müssen wir in einem extra „foie gras-Lokal „ für Touristen ein Menü essen. „Foie gras“ auf Salatteller, Ente mit viel Reis, Fruchtsalat. Nicht schlecht, aber „foie gras“ ist nicht so unser Ding.

Foie gras, Französisch für ‚fette Leber‘), im Deutschen Gänsestopfleber bzw. Entenstopfleber ist eine kulinarische Spezialität, die aus der Leber von fünf bis sechs Monate alten Gänsen oder Enten gewonnen wird. Aus der Leber wird auch die Pâté de foie gras (Gänseleberpastete) hergestellt.

Später machen wir einen Stopp bei einem Wald, wo Harz aus Fichten gewonnen wird für China, wie man uns sagt.

Danach besuchen wir noch eine Werkstatt, wo aus recyceltem Aluminium neue Pfannen hergestellt werden. Die Männer schmelzen am offenen Feuer alte Aluminumteile, Kabel, Getriebegehäuse usw. und füllen das flüssige Aluminium in Formen aus Sand. Dabei arbeiten sie ohne jeden Schutz. Sie haben keine Handschuhe die sie vor Verbrennungen schützen oder Masken gegen die Dämpfe und sie arbeiten sogar barfuss. Aber sie singen! Wir (besonders ich!) haben wieder einen Schock und es kommt uns vor wie Sklavenarbeit vor 200 Jahren. Gegen 16h15 sind wir in Antsirabe (die Strasse zwischen Tana und hier, die RN 7 besteht mehrheitlich aus Löchern) in unserem Hotel Camélia. Ein wunderschönes Hotel. Wir wollen uns die Stadt ein wenig anschauen.

Antsirabe (deutsch:„wo es viel Salz gibt“) ist eine Stadt in Madagaskar mit ca. 250'000Einwohnern. Es hat einen sehr schönen renovierten Bahnhof, von wo aber keine Züge mehr fahren! Antsirabe ist der zweitgrösste Industriepol Madagaskars. Die grösste Textilfabrik des Landes befindet sich in dieser Stadt.

Zur Kolonialzeit wurde Antsirabe wegen seiner Thermalquellen das Vichy Madagaskars genannt.

Mohammed V und sein Sohn, der spätere König Hassan II. von Marokko, lebten hier 1955 im Exil.

 

Zwei Pousse-Pousse-Fahrer, die Brüder Basil und Michel verfolgen uns den ganzen Weg, über den Markt und zurück zum Hotel. Sie wollen uns unbedingt in ihren Pousse-Pousse durch die Stadt kutschieren. Aber wir sind heute den ganzen Tag im Auto gesessen und laufen jetzt sehr gerne ein wenig. Basil und Michel haben eine Rikscha ohne Fahrrad. Sie ziehen das Gefährt, manchmal sogar rennend, barfuss durch die Strassen.

 

Überall warten dutzende Rikschafahrer auf ein Geschäft. Das Pousse-Pousse, wie die Rikscha hier heisst, ist das übliche Transportmittel für kurze Distanzen und eine Möglichkeit für die besonders Armen, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Baba kommt zu uns ins Hotel. Er wohnt hier in Antsirabe und heisst uns in seiner Stadt willkommen. Er empfiehlt uns das Restaurant „Zandina“ für das Abendessen. Als wir aus dem Hotel kommen stehen schon wieder Basil und Michel da und wollen uns in ihren Pousse-Pousse herumfahren. Zum Abendessen nimmt Paul Pizza und ich Poulet mit Kokossauce. Mmm! Und als wir aus dem Restaurant kommen stehen schon wieder Basil und Michel da und erwarten uns. Sie sind beide barfuss und haben erbärmlich zerrissene Kleider an. Am Abend ist es hier sehr kalt.

Kommentare
()
Einen neuen Kommentar hinzufügenEine neue Antwort hinzufügen
Ich stimme zu, dass meine Angaben gespeichert und verarbeitet werden dürfen gemäß der Datenschutzerklärung.*
Abbrechen
Antwort abschicken
Kommentar abschicken
Weitere laden