Sonntag, 14.August 2016: Manakara
Um 00h30 heute Nacht sind wir mit dem Zug von Fianarantsoa in Manakara angekommen. Haben nur sehr kurz geschlafen. Um 9h holen uns Tanjona und Desy mit dem Auto ab und wir fahren zur Anlegestelle der Flusspirogen. Aber bevor wir losfahren, muss ich noch schnell mein T-Shirt wechseln. Ausgerechnet heute trage ich ein rotes T-Shirt. Und das ist ein „Fady“! Der Guide hat Tanjona gesagt, auf dem Fluss dürfe man nichts „Rotes“ tragen“.
Fady (malagasy fady) sind Verbote (Tabus) auf Madagaskar, die das tägliche Leben der Madagassen regeln. Sie gibt es für alle Lebensbereiche. Die fady entstehen im familiären Bereich einer Dorfgemeinschaft und haben den Rang eines religiösen Gebotes.
Es gibt fady, die jedes Mitglied eines Dorfes beachten muss, und solche, die nur für die Frauen oder nur für die Männer gelten. Andere wiederum sind auf eine Familie oder sogar nur eine einzelne Person beschränkt.
Die fady legen das Leben auf allen Ebenen fest: die elterliche Autorität, Schicksalsfragen, Verbote, die den Verzehr von Tieren und Pflanzen betreffen, die Gründung eines Hauses, eine Beerdigung und die Umbettung der Toten. Nur das älteste Mitglied einer sozialen Gruppe hat das Recht und die Pflicht, neue fady auszusprechen und alte aufzuheben, wenn dies zur Erhaltung des Lebens notwendig ist.
Oft ist die Verletzung eines Tabus für einen Madagassen schlimmer als der Tod, was durch ein madagassisches Sprichwort belegt wird:
„Ich würde lieber sterben, als etwas zu essen, das fady ist“
Für Besucher des Landes ist es wichtig zu wissen und zu respektieren, dass es viele Verbote gibt, die zum Beispiel die zahlreichen Gräber der Insel, aber auch manche nicht sofort als solche erkennbare und noch heute verehrte Naturheiligtümer (Bäume, Teiche) betreffen.
Satisfait, so heisst unser Flussguide und drei seiner Helfer rudern uns auf dem Pangalanes Kanal in einer Piroge herum.
Der Canal des Pangalanes, ist eine durchgehende 645 km lange Wasserstrasse und verläuft parallel zum Indischen Ozean auf der Ostseite der Insel Madagaskar von Toamasina (Tamatave) bis nach Farafangana.
Während der Kolonialzeit wurden in achtjähriger Bauzeit künstliche Verbindungen zwischen den natürlich entstandenen Lagunen geschaffen. Der Kanal ist die Lebensader der Region, denn es gibt keine Strasse. Er schlängelt sich durch eine Dünenlandschaft und ist an manchen Stellen stark versandet. Die Landzunge zwischen Kanal und Ozean ist stellenweise nur 100 m breit.
Piroge bezeichnet einen einfachen, historischen Schiffstyp. Eine Piroge ist ein Einbaum, bei dem die Seitenwände durch aufgesetzte Planken erhöht wurden. Spanten verstärken oft den Innenraum. Ausleger stabilisieren das Boot. Zur Fortbewegung dienen traditionell Ruder und Segel. Heutzutage werden Pirogen auch mit Aussenbordmotor ausgerüstet. Das Wort Piroge ist abgeleitet vom französischen pirogue
Wir legen bei einem kleinen Dorf an. In dem Dorf spielt ein Junge vor einem Haus an seinem selber gebastelten „Schlagzeug“ richtig souverän. Wir sind begeistert! Das „Schlagzeug“ besteht aus Plastikbidons, alten Blechdosen und Deckeln aus Blechscheiben. Der Junge spielt so gut, dass es einfach supergenial ist! Satisfait (so heisst der wirklich) und seine Helfer zaubern ein gutes Mittagessen für uns her. Sie sitzen alle am Boden an einem Feuerchen und kochen und brutzeln. Mitten im Palmenhain, mit Blick auf die anstürmenden Wellen des Indischen Ozeans, sitzen wir mit Tanjona an einem kleinen Tisch (mit Tischtuch) und speisen. Tanjona und ich je eine Languste, danach einen ganzen, grossen Fisch für uns beide, dazu Reis. Für Paul wird extra ein Omelett mit Speckwürfeli gereicht, weil er ja kein Meeresgetier isst.
Zum Dessert gibt es für alle drei Ananas. Das Essen ist super. Leider bläst ein heftiger, kalter Wind.
Nach dem Essen geht die Paddelfahrt in der Piroge weiter bis zu einer Destillerie, wo aus natürlichen Pflanzen Öle hergestellt werden. So zum Beispiel Eukalyptusöl oder Nelkenöl. Die Rückfahrt in der Pirogue ist eher kühl, weil der Wind immer noch bläst, und das gegenan. Aber trotzdem ist die Fahrt wunderschön. Besonders als die Crew noch anfängt Lieder zu singen und im Singrythmus dazu paddelt. Toll! Um 16h30 sind wir zurück im „Hotel Lac Vert“.
Während wir im Hotel das Abendessen geniessen, regnet es. Paul isst einen „Salade Lac Vert“, ich Pouletcurry an Kokossauce und Kartoffeln. Alles prima!
P.S. Leider sind die Fotos von heute, 14. August 2016, verschollen. Wir haben keine Ahnung, wohin und warum. Aber es ärgert uns mächtig, wegen den Fotos von dem Jungen mit dem Schlagzeug.
Montag, 15.August 2016: Manakara – Fianarantsoa 240 km
Bis morgens um 04h30 hören wir Musik vom nahen Restaurant, wo seit gestern Abend ein Karaoke Anlass stattfindet. Von 7h00 bis 9h00 hat es im ganzen Hotel keinen Strom. Um 9h00 geht unsere Reise wieder zurück nach Fianarantsoa. Aber vorher schauen wir uns noch den schönen Strand und den quirligen Markt von Manakara an. Was man da wieder alles so sehen kann! Unterwegs sehen wir viele Bananenplantagen und riesige Zebuherden, die zum Markt getrieben werden. Mittagessen in Ranomafana. Das Teuerste, das wir in Madagaskar je hatten. 17'000 Ariary (5,60 SFr.) für mein verbrutzeltes Zebu-Hack-Plätzli mit Frites. Paul hat einen sehr kleinen Salatteller für 7000 Ariary (2.30 SFr.). Und besonders gut war es auch nicht! Um 16h sind wir wieder in Fianarantsoa und beziehen wieder das „Hotel Cotsoyannis“. Wir laufen in die Stadt und lassen von den Frauen, die immer noch auf dem kalten Trottoir an ihren Handnähmaschinen sitzen, die aufgegangenen Nähte an meinen Hosen nähen. Abendessen im „Chez Dom“. Tomatensalat mit Mozzarella, Zebu-Filet mit Pilzen, gemischtes Gemüse und Pommes Frites, ausser den Pilzen, die wir nicht essen, alles prima. Wir lernen einen Deutschen Vater aus Thübingen mit einem seiner 16-jährigen Zwillingssöhnen kennen. Der zweite Zwilling liegt krank im Hotelbett. Wir unterhalten uns lange angeregt mit den beiden.
Es regnet ein paar Tropfen.
P.S. Leider sind auch die meisten Fotos von heute, 15. August 2016, verschollen. Wir haben keine Ahnung, wohin und warum.
Dienstag, 16.August 2016: Fianarantsoa – Ranohira – Isalo Nationalpark 300 km
Tagwache 6h00. Abfahrt 7h00. Obwohl es hier im Winter NIE regnet, wie uns Tanjona versichert, regnet es heute Morgen ganz zünftig. Aber bis wir in Ambavalao (54 km) sind, scheint schon wieder die Sonne. Hier schauen wir uns an, wie Wildseide produziert wird. Ausserdem schauen wir zu, wie aus der Rinde des Maulbeerbaumes Papier hergestellt wird. Beides ist äusserst interessant und erstaunlich. Leider auch heute KEINE Fotos mehr da, obwohl wir das ganze Prozedere feinsäuberlich fotografiert haben. 13 km später besuchen wir den privaten „Anja-Park“. Wir müssen wieder obligatorisch einen Guide nehmen, der kostet 30'000 Ariary (etwa 10 SFr.) und der Eintritt ist 10'000 Ariary /Person (3.30 SFr.). Wir sind kaum richtig mit dem Führer Franklin im Park, als wir schon den ersten Katta mit schwarz/weiss geringeltem Schwanz sehen. Wir klettern wie die Gemsen durch und auf den Felsen herum. Überall sehen wir die Kattas, jöh, sind die herzig! Nach zwei Stunden verlassen wir den tollen Park, mit wunderschönen Felsformationen wieder, wir sind ganz begeistert. Wir essen im Park-Restaurant zu Mittag. Ich Omelette mit Tomaten, Paul Saucisse mit Sauce, Reis und Gemüse. Alles gut aber sehr knapp. Weiter geht die Fahrt nach Ihosy. Die Strasse besteht stückweise nur noch aus Löchern. Aber unser Hyundai 4x4 Galopper meistert das alles problemlos. Bis um 14h45. Da haben wir nämlich einen zünftigen Platten, hinten rechts. Der Pneu ist seitlich aufgeschlitzt. Paul zückt unser Werkzeug, das wir eigentlich verschenken wollten, und hilft beim Radwechsel. Wir sind hier mitten in der Pampa, auf einer riesigen Ebene mit goldgelbem Savannengras. Nach einer ½ Stunde ist der Schaden behoben und wir können weiterfahren. Desy bekommt die Werkzeuge geschenkt. Aber sonst scheint nicht Desy's Glückstag zu sein. Er wird von der Gendarmerie aufgehalten. Aber er braucht keine Papiere zu zeigen, weil er mit dem Polizisten freundlich plaudert. Aber nach der Reifenpanne, bei der Einfahrt nach Ranohira, werden seine Papiere gründlichst kontrolliert. Man stellt fest, dass er ein „Mietauto“ fährt, was so nicht stimmt, er ist einfach ein Chauffeur für seinen Chef. Weil er aber keine Papiere für ein „Mietauto“ dabei hat, muss er eine Busse von 5000 Ariary (1,65 SFr.) bezahlen und regt sich darüber mörderlich auf: Korruption !!!
Im Dorf Ranohira gehen wir sofort zum Isalo-National-Park-Büro und bekommen für morgen einen Guide zugeteilt. Der kostet 124'000 (ca. 41.00 SFr.), wir, und andere Touristen, finden das heftig, enorm viel, aber das sei der Tarif! Um 16h40 sind wir im „Hotel Isalo Ranch“, wunderschön am Fusse des Isalo Gebirges gelegen. Nach dem Bezug des Bungalow setzen wir uns sofort an den Pool und geniessen den traumhaften Sonnenuntergang.
Abendessen im Hotel, es ist zu weit bis zum Dorf: beide panierte Schweineschnitzel, Kartoffeln und gemischtes Gemüse. Das Schwein ist sehr mit Sehnen durchzogen, an den Kartoffeln ist Koreander dran (!!!) und das Gemüse ist zu sehr „al dente“, also nicht so besonders.
Mittwoch, 17.August 2016: Isalo Nationalpark 14 km zu Fuss
Aufstehen um 6h00. Frühstück 6h30, Abfahrt vom Hotel ins Dorf zum Büro des Nationalparks.
Eintritt pro Person 64‘000 Ariary (ca. 21.00 SFr.). Im Dörfchen kaufen wir Brot, „La vache qui rit Chäsli“ und Wasser ein. Der Guide Petterson steigt zu uns ins Auto und wir fahren zum Parkeingang. Petterson erklärt uns, dass es im Park ein „fady“ gibt. Man darf NICHT mit ausgestrecktem Zeigefinger auf etwas zeigen! (Für uns ist das viel schwieriger als man denkt.) Das Isalo Gebirge ist „heilig“, weil es dort Gräber der Vorfahren (und auch Neue) hat.
Um 7h40 laufen wir los. Tanjona kommt auch mit uns mit. Wir wandern durch das wunderschöne Sandsteingebirge mit enorm schönen Felsformationen. Es ist ganz, ganz toll! Petterson zeigt uns Gräber in den Felsen und verschiedene Heilpflanzen. Unterwegs gibt es an einem sehr schönen kleinen See mit Wasserfall einen ersten Badehalt. Wir baden nicht, unterhalten uns aber mit einer sehr netten Franzosenfamilie aus Paris. Bei einem Campingplatz essen wir unser Picknick. Andere werden auf Vorbestellung teuer bekocht, mit Vorspeise, Zebufleisch, Reis und Dessert. Aber wir finden das nicht nötig, essen wir doch am Abend im Hotel wieder viel. An dem Platz, wo wir beide sitzen, haben wir jede Menge Lemuren, die ganz nah an uns herankommen. Es sind Kattas und braune Rotstirnmakis. Die Braunen sind viel frecher als die mit dem schwarz/weiss geringelten Schwanz, die Kattas. Sie stossen Laute aus wie ein „Grunzen“ für die Kommunikation und ein „Miauen“ um die Weibchen anzulocken. Wir amüsieren uns köstlich.
Nach dem Essen laufen wir in den Canyon hinein, bis zum „piscine bleu“ und zum 50 m weiter gelegenen „piscine noir“. Beide wunderschöne natürliche „pools“. Hier könnte man in beiden „pools“ baden, aber es sieht kalt aus! Für Paul ist der Weg bis hierher, mit seiner Höhenangst, eine echte, grosse Herausforderung. Wir müssen Bäche durchqueren, und auf schmalen Simsen ganz am Rande der Schlucht laufen. Er macht das prima, obwohl er auf dem Weg umkehren will. Es braucht ein paar aufmunternde Worte von mir, dass er weitergeht. Und das Ganze müssen wir ja auch wieder zurück! Auf dem Rückweg treffen wir das junge, französische Paar aus Paris, das vor 14 Tagen geheiratet hat und auf der Hochzeitsreise ist. Der Mann sitzt mit verdrehtem Knöchel am Boden. Ich gebe ihm zwei Bandagen aus meinem Rucksack mit der Hoffnung, dass sie ihm ein wenig helfen. Um 13h, nach ca. 14km wandern sind wir zurück in unserem Hotel. Nach der Dusche geniessen wir bis zum herrlichen Sonnenuntergang die Sonne in den Liegestühlen hinter unserem Bungalow. Abendessen im Hotel: Paul Minestrone und dann beide Tournedos de Zébu an Rotweinsauce (aber wir finden die Sauce nicht), Reis, Kartoffeln und gemischtes Gemüse. Alles gut.
Der Nationalpark Isalo ist ein Nationalpark in Madagaskar, der 1962 ausgewiesen wurde. Seine Grösse beträgt 81.540 ha und er befindet sich auf einer Höhe von 900 m bis 1082 m über dem Meeresspiegel. Am besten erreicht man ihn vom Dorf Ranohira aus. Das Gelände ist eine wild zerklüftete Gebirgslandschaft (Isalo-Gebirge) mit tiefen Schluchten, bizarren Felsformationen und ausgewaschenen Höhlen. Zu sehen gibt es unter anderem endemische Pflanzenarten sowie Lemuren (Katta, Larvensifaka, Rotstirnmaki), Fossas und Madagaskar-Boas.






































































