Mittwoch, 24.August 2016: Andasibe Nationalpark – Mahambo 335 km
Um 5h30 machen die Indri einen zünftigen Lärm. Ist das ihr Morgenkonzert? Sie tönen unheimlich, diese „Stimmen aus dem Wald“!
Der Indri ist der grösste lebende Lemur und lebt im nordöstlichen Madagaskar.
Indris erreichen eine Kopfrumpflänge von 64 bis 90 Zentimetern, der Schwanz ist nur ein Stummel von 4 bis 5 Zentimetern Länge – sie sind damit die einzigen stummelschwänzigen Lemuren. Ihr Gewicht beträgt 6,5 bis 9,5 Kilogramm. Die Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine. Ihr Fell ist sehr dicht und weiss-grau-schwarz gemustert, wobei die Fellzeichnung variieren kann. Tiere im Süden sind eher weisslich, während Tiere im Norden des Verbreitungsgebiets eher schwarz sind. Der Kopf, die Ohren und der Rücken sind normalerweise bei allen Indris schwarz. Das Gesicht ist durch die grossen, buschigen Ohren und die kleine, nahezu unbehaarte Schnauze gekennzeichnet.
Indris leben wie alle Lemuren nur auf Madagaskar, ihr Verbreitungsgebiet umfasst die nordöstlichen Teile der Insel. Ihr Lebensraum sind Regenwälder, sie kommen bis in 1800 Meter Seehöhe vor, bevorzugen jedoch Regionen unter 1000 Metern.
Indris sind Baumbewohner, die nur gelegentlich auf den Boden kommen. Im Geäst bewegen sie sich mit ihren kräftigen Hinterbeinen senkrecht kletternd und springend fort. Am Boden bewegt er sich wie alle Arten der Familie der Indris mit den Hinterbeinen hüpfend fort, wobei er die kurzen Arme nach oben streckt. Sie sind die tagaktivsten aller Lemuren und bewegen sich in der Nacht nur bei sehr schlechtem Wetter oder beim Angriff eines Räubers. Auf den Bäumen sieht man sie oft beim Sonnenbaden, wobei sie sich auf Astgabeln ausbreiten.
Sie leben in kleinen Gruppen von zwei bis fünf Tieren zusammen, normalerweise ein monogames Paar mit ihrem Nachwuchs. Das Weibchen ist dominant und hat bei Nahrungsquellen den Vorzug. In der Regel suchen sie nur nach dem Tod des Partners einen neuen. Sie bewohnen ein festes, rund 17 bis 40 Hektar grosses Territorium, das die Männchen mit Duftdrüsen markieren. Die täglichen Streifgebiete sind rund 770 Meter lang. Typisch für die Indris sind die lauten Morgengesänge zur Reviermarkierung oder -verteidigung. Diese Gesänge, die meist zwischen 5.00 und 11.00 Uhr erklingen, werden von beiden Partnern im Duett vorgetragen und sind 2 Kilometer weit hörbar. Indris ernähren sich vorwiegend von Blättern, in geringerem Ausmass fressen sie auch Früchte und Blüten. Sie kommen manchmal auf den Boden, um Erde zu fressen, vermutlich hilft dies, die in den Blättern vorhandenen Giftstoffe abzubauen. Wie viele andere blätterfressende Säugetiere kompensieren sie den niedrigen Nährwert ihrer Nahrung mit langen Ruhepausen.
Alle zwei bis drei Jahre bringt das Weibchen nach vier- bis fünfmonatiger Tragzeit ein einzelnes Jungtier zur Welt. Das Junge klammert sich zunächst an den Bauch der Mutter und später an deren Rücken. Mit ungefähr sechs Monaten wird es entwöhnt. Mit rund acht Monaten ist es selbstständig, bleibt aber noch über ein Jahr bei der Familie. Erst mit sieben bis neun Jahren werden Weibchen geschlechtsreif. Über die Lebenserwartung ist nichts bekannt.
Das Wort Indri bedeutet „da ist es“, offensichtlich ein Missverständnis zwischen westlichen Forschern und der madagassischen Bevölkerung, in deren Sprache das Tier Babakoto heisst. Die eheliche Treue, das gesangartige Schreien und das Verhalten beim Sonnenbaden haben zu allerlei Aberglauben geführt. So verehren die Tiere nach Meinung der Madagassen die Sonne. Auch sollen die Seelen Verstorbener in den Tieren weiterleben. Diese Ansicht hat die Indris bis vor Kurzem vollständig vor der Bejagung geschützt.
Die Vernichtung des Lebensraums stellt heute die Hauptbedrohung des Indris dar. Darüber hinaus lässt er sich nicht in menschlicher Obhut halten, sodass Nachzuchtprogramme unmöglich sind. In Schutzgebieten scheint allerdings ein Überleben der Spezies in kleinem Ausmass gesichert. Dennoch listet die IUCN den Indri als vom Aussterben bedroht.
Tagwache um 6h15, kein Strom, Abfahrt 7h00, es ist 10° kalt. Wir fahren weiter nach Nordosten, über jede Menge Hügel und Berge und Unmengen von Kurven. In Brickaville machen wir einen kurzen Stopp, weil wir schon wieder Geld brauchen. Diese Ariary gehen aber auch weg wie Wasser…. Hier sehen wir, wie Berge von grasgrünen Bananen in Lastwagen verladen werden. Wir sind in einem riesigen Bananenanbaugebiet.
Mittagessen in einem einheimischen Restaurant in Tamatave (Toamasina). Der Name bedeutet: „es (das Wasser) ist salzig“. Ich nehme ein Bol renversé, mit Reis, Pouletstückli, Gemüse und einem Spiegelei zuoberst, das ganz gut ist. Paul hat ein Zebu-Steak mit Gemüse. Das Steak erweist sich als Schuhsohle. Er muss sein Schweizer Taschenmesser nehmen, um es überhaupt schneiden zu können. Dafür ist das Essen aber günstig. 13‘500 Ariary, (4.45 SFr.) mit einer 6,5 dl Flasche Bier. Ich möchte dringendst einen Espresso haben und Paul ein Dessert. Aber beides gibt es in diesem Lokal nicht. In der Pizzeria nebenan gibt es Glacé, aber keinen Kaffee, schade. Toamasina ist enorm quirlig. In der Stadt wimmelt es vor lauter Pousse-Pousses. Es gibt jede Menge dieser Gefährte. Die Sitzbänke sind überdacht, die Gefährte bunt bemalt und mit hübschen Ornamenten und einfallsreichen Namen wie "Express", "Olive", "Soanambo" (Brotfruchtbaum), "Air France" oder "Tonga Soa" (Willkommen) verziert.
Bei der Ausfahrt aus der Stadt tankt Desy und wir bekommen bei der Tankstelle doch noch einen sehr feinen Caffé Lavazza.
Toamasina (auf Französisch Tamatave) ist eine Stadt in Madagaskar mit über 200‘000Einwohnern und ist der einzige natürliche Hafen an der Ostküste.
Toamasina wechselte häufig den Besitzer. Auf die Portugiesen folgten die Franzosen, die Briten, die Merina und schliesslich wieder die Franzosen. 1927 wurde Toamasina von einem Wirbelsturm total zerstört. Die Stadt musste danach völlig neu aufgebaut werden. 1986 wurde sie wieder durch einen Zyklon fast vollständig zerstört.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Stadt ist unter 20 Jahre alt. Die grösste Volksgruppe bilden die Betsimisaraka. Sie sind als sesshafte Bauern, Seefahrer, Fischer und Händler tätig. Neben anderen Bevölkerungsgruppen gibt es in der Stadt eine grössere Anzahl von Indern, welche zu den wohlhabenden Bürgern zählen. Gelegentlich gibt es deshalb gegen diese Pogrome.
Die bedeutendste Ölraffinerie des Landes hat ihren Sitz in Toamasina: die SOLIMA.
Toamasina entwickelte sich zum wichtigsten Handelshafen Madagaskars. In den vier Hafenbecken werden u.a. Massengüter und Container umgeschlagen.
Eine einspurige Eisenbahnlinie verbindet Toamasina mit Antananarivo (nur für Güterverkehr).
In der Innenstadt von Toamasina warten dutzende Rikschafahrer auf ein Geschäft. Das pousse-pousse, wie die Rikscha hier heisst, ist das übliche Transportmittel für kurze Distanzen. Ins Umland kommt man am besten mit dem Taxi oder dem Buschtaxi. Regelmässig fahren Sammeltaxen nach Antananarivo.
Die 90 km von Toamasina bis zum nördlicher gelegenen Mahambo sind für Chauffeur Desy wieder eine wahre Herausforderung. Er muss ständig die Strasse zwischen den tiefen Löchern suchen und finden. Um 15h45 sind wir im Ort Mahambo, wo wir für die nächsten drei Nächte Im „Hotel Pirogue“ den Bungalow Nr. 17 beziehen. Das Hotel liegt in einer wunderschönen, sauberen Gartenanlage, direkt am Indischen Ozean. Aus Anlass von Paul‘s Geburtstag laden wir Desy und Tanjona zu einem Trunk ein. Desy, der NIE Alkohol trinkt genehmigt sich zwei Rum arrangés. Das ist Rum, in dem Bananen, Orangen, Zimt, usw. eingelegt sind. Desy nimmt einmal Rum mit Ingwer und einmal Rum mit Ananas. Dabei wird er immer gesprächiger und wir haben es ganz lustig. Das Abendessen gibt es für Paul und mich im Garten, an einem 2-er Tisch, umgeben von herrlich schönen Pflanzen. Zuerst gibt es für beide einen sehr guten Salatteller mit Ei und Camembert Stückchen. Danach Filet Mignon mit Roquefortsauce und Pommes Frites. Wir sind beide ein wenig enttäuscht vom Fleisch. Entweder schneiden die Messer nicht so gut oder es liegt an unseren Zähnen, die altershalber nicht mehr so leistungsfähig sind. Volle zwei Stunden lang löchere ich das Servierpersonal, um den Code für das Internet zu erhalten. Endlich, um 21h kommt der Restaurantmanager, ein Franzose, und gibt mir den Code. Er sagt uns, der Code sei streng geheim! Wenn das Personal ihn erfährt, setzen sie sich hinter das Haus und surfen nur noch im facebook herum und die Gäste haben keinen Internetzugang. So kann Paul heute doch noch seine Geburtstagsmails lesen und sich darüber freuen.
Donnerstag, 25.August 2016: Mahambo am Indischen Ozean
Mahambo ist ein Ort mit etwa 30‘000 Einwohnern (inklusive der Umgebung). Die meisten der Einwohner sind Bauern die Reis, Bananen, ausserdem Nelken und Litschis anpflanzen.
Etwa 5% der Einwohner sind Fischer.
Der Zyklon Bonita verursachte im Januar 1996 sehr grosse Zerstörungen.
Endlich haben wir wieder einmal lange schlafen dürfen. Der Service im Hotel ist enorm langsam und ineffizient. Nach dem Frühstück laufen Paul und ich dem Strand entlang. Wir schauen uns an, was die Fischer für Fische gefangen haben. Die Frauen kaufen die Fische und verkaufen sie dann im Dorf. An einem Stand sehen wir einen blutigen Schildkrötenpanzer, der zum Trocknen an der Sonne liegt. Es ist richtig heiss heute, nach den kalten Tagen im Hochland. Wir laufen sehr weit, bis zur geteerten Hauptstrasse des Dorfes Mahambo. Ich will zum Coiffeur. In dem etwa 2x2 m grossen Salon muss ich mich auf einen Holzschemel setzen und werde geschoren. An Zuschauern fehlt es auch nicht. 6 Männer und 1 Frau schauen sehr interessiert zu und geben kichernd auf Madagassisch ihre Kommentare ab. Zum Glück verstehe ich sie nicht, ich kann nur das Wort „Vahsa“ (Weisse) verstehen. Mir läuft der Schweiss nur so runter und ich bin froh, als der Coiffeur endlich fertig geschnippelt hat. Paul hat draussen gewartet. Er findet sehr charmant, ich hätte noch NIE so einen schlechten, hässlichen Haarschnitt gehabt! Aber für 3000 Ariary (1 SFr.) kann ich ja auch keinen Pariser Star-Coiffeur erwarten oder? Auf dem Rückweg kaufen wir an einem Stand 16 kleine Bananen für 1000 Ariary (33 Rappen). Die sind heute unser Mittagessen. Wir sind immer noch satt vom gestrigen Abendessen. Ab 13h liegen wir faul am Strand und warten auf Wasser, jetzt ist Ebbe und kein Wasser da. Wir bleiben den ganzen Nachmittag am Strand, bis wir im Schatten anfangen zu frieren. Abendessen im Hotelrestaurant: 2x sehr gute Spaghetti Bolognaise mit Zebu-Hackfleisch, aber wieder sehr mühsamer Service.


































