Südafrika, Am Kap der Guten Hoffnung, Townships, 28.02. - 04.03.2017, Teil 2
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Wir kehren um und fahren wieder Richtung Cape Town. Wir wollen jetzt ins Motoren Museum. Beim Weingut „L‘Ormarin“ befindet sich das gesuchte Motoren Museum. Der Eintritt kostet 80 Rand pro Person (ca. 5.60 SFr.).

In vier riesigen Hallen, extra dafür gebaut, befinden sich die über 200 kostbaren Oldtimer. Das Museum ist wunderschön angelegt und sehr sauber, man sieht auf den Autos kein einziges Stäublein. Alles glänzt und blinkt wunderbar, die Autos sehen aus wie neu. Wir sind begeistert! In Stellenbosch, auch ein berühmter Weinort, gönnen wir uns einen Kaffee und kaufen im Pick n‘ Pay Getränke ein, jetzt wo wir das Auto noch haben, müssen wir die schweren Sachen bunkern für die Weiterfahrt nach Namibia. Bei der Rückkehr nach Cape Town haben wir wieder Glück. Stadt auswärts hat es eine Riesenkolonne von Autos, auf unserer Seite fast keine. Wir bringen die Einkäufe zum Schiff und fahren danach nochmals in die Stadt (ohne Stau!) um das Mietauto abzugeben. Zu Fuss geht es danach zurück zur Marina, wo wir gegen 17h45 eintreffen. Unterwegs sehen wir, wie oberhalb der Stadt ein Waldbrand wütet. Aber trotzdem, was für ein schöner Tag! Den ganzen Abend hat es kein bisschen Wind. Ludovic ruft an, um sich nochmals bei uns zu bedanken und um sich zu verabschieden. Er fliegt morgen schweren Herzens zurück nach La Réunion, um dort wieder zu arbeiten.

Mittwoch, 1.März 2017: Kapstadt

Kurz vor 9h kommt Steven wieder einmal mit den Teilen der Kuchenbude und diesmal klappt es endlich. Die Teile passen einigermassen zusammen und wir sind zufrieden. Endlich, das hat ja immerhin fast zwei Wochen gedauert. Jetzt warten wir „nur“ noch auf das reparierte Ruder.

Nachmittags kommen tatsächlich die Brüder Gerry und Andrew und helfen Paul das Ruder zu montieren. Auch hier: endlich! Auch das hat zwei ganze Wochen gedauert! Abends wieder sehr heftiger Wind.

Donnerstag, 2. März 2017: Kapstadt

Es ist fast schon 9h30 als wir in die Stadt laufen. Das Wetter ist wieder wunderschön, aber am Morgen immer eher kühl. Ich rufe beim Busunternehmen an, das Stadttouren macht und frage, wann die Tour zu den Townships geht. Man sagt mir, ab 9h alle 30 Minuten. Gegen 10h15 sind wir in der Long Street, beim Hauptbüro „City Sightseeing Tours“ der Busse für Stadttouren. Hier sagt man uns, die nächste Tour zu den Townships sei um 11h. Ok, wir lösen die Tickets und trinken geduldig einen Cappuccino. Nachdem wir eine Stunde gewartet haben, ist unser Bus immer noch nicht in Sicht. Wir fragen nach und man sagt uns, ja, der Bus komme gleich. Endlich, um 11h45, also nach 1½ Stunden warten kommt der Kleinbus. Wir sind die Einzigen, die diese „LaGugu“-Tour machen und haben einen Chauffeur und einen Guide. Aber, was sind überhaupt APARTHEID? Und „TOWNSHIPS“?

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid wer mehr darüber wissen will, bitte hier klicken.

Als Township bezeichnet man die während der Rassentrennungspolitik in Südafrika und im südafrikanisch verwalteten Südwestafrika zahlreich eingerichteten Wohnsiedlungen für die schwarze, die farbige oder die indische Bevölkerung. Sie besitzen teilweise die Ausmasse von mittleren und grossen Städten. Bekannte Beispiele sind Soweto, ein Stadtteil von Johannesburg, Mdantsane unweit der Hafenstadt East London oder der Stadtteil Cato Manor in Durban.

 

Die erste offizielle Rechtsgrundlage für die gezielte Errichtung von Townships für die eingeborene Bevölkerung als Instrument der Rassentrennungspolitik in Südafrika ist ein Gesetz aus dem Jahre 1945. Dieses Gesetz forderte die lokalen Behörden auf, separate Wohngebiete für die „nichtweisse“ Bevölkerung zu schaffen. Ihrem Charakter nach sollten diese Siedlungen immer nur vorübergehende Unterkünfte für die vorrangig schwarze Bevölkerung sein, da man nach der Apartheidsdoktrin deren Heimat in den Homelands sah. In diesem Sinne argumentierte die Bantu Administration 1967 in einer Direktive für die Lokalbehörden: keine „grössere, bessere, attraktivere und luxuriöse Bedingung“ zu schaffen; es muss „bedacht werden, dass ein städtisches Bantu-Wohngebiet kein Heimatland, sondern Teil eines weissen Gebietes ist. Wenn diese Bedingungen zur Folge haben, den Bantu nicht nur an einen fremden Geschmack zu gewöhnen, sondern ihm auch einen Luxus aufzwingen, den sein Heimatland nicht bieten kann, und ihn so von dem entfremdet, was das Seinige ist, ...“. In den 1960er Jahren waren die Probleme in den Townships so enorm angewachsen, dass die Regierung Südafrikas mit ihrer Bantustanpolitik den Strom der Wanderarbeiter in die Homelands zu lenken versuchte.

 

Die ständig wachsende Einwohnerzahl in Townships ist heute noch eines der grössten Probleme des Landes. Die Bevölkerung lebt in Grosswohnsiedlungen, in einfachen Hüttenvierteln mit geringer Infrastruktur. Rund 74.000 schwarze Familien wohnen in Kapstadt in besetzten Häusern oder Hostels. Anfang 1997 fehlten dort über 134.000 Wohneinheiten.

Die Einwohnerzahl eines Townships ist statistisch nur schwer erfassbar. Diese Siedlungen liegen meistens an den Stadträndern oder im nahen Umland urbaner Kerne. Die Behausungen, so genannte „Shacks“ (engl. Für Baracke, Bretterbude), sind meistens ungeordnet ausgerichtet und erbaut. Nichtsesshafte Bewohner kommen und gehen in diesen Arealen. Aus dem gleichen Grund ist es auch allgemein schwierig, eine Aussage über die Wohnqualität zu treffen.

 

Häufig wird beim Begriff Township an massenhafte Behausungen aus Wellblechhütten, Pappkartons und eine extrem hohe Bevölkerungsdichte gedacht. Es werden eine hohe Kriminalität, grosse Armut, Hunger, Krankheiten und hohe Gewaltbereitschaft vermutet. Diese Beschreibung trifft auf einige dieser Grosssiedlungen zu; bei anderen hat sich die Lage erheblich verbessert.

Eine Besonderheit stellten die sogenannten „Hostels“ (deutsch etwa: Herberge) dar, welche als einfache Sammelunterkünfte für allein lebende Männer und Frauen dienten, die im „weissen“ Gebiet arbeiteten. Diese Hostels konnten beachtliche Ausmasse annehmen. Beispielsweise lebten 1977/1978 nach offiziellen Angaben in den zehn Hostels von Soweto etwa 38.000 Personen. Schätzungen sprechen jedoch von etwa 60.000 Personen. Im Township Alexandra riss man die kleinen Wohnhäuser der schwarzen Anwohner ab und errichtete grosse Hostels in Form riesiger Betonblöcke, darunter zehn Gebäudekomplexe für Männer und fünf für Frauen.

Nach dem Ende der Apartheid (1994) änderten sich die Zustände zwar nur langsam, doch es gibt allmählich Verbesserungen. So wurden beispielsweise gelegentlich zu dicht nebeneinander gebaute Häuser verlegt, um ein effizienteres Strassen- und somit auch Versorgungsnetz aufbauen zu können. Oft findet heute die Nahversorgung durch Kleingeschäfte, den „Tante-Emma-Läden“ statt. Nach wie vor gibt es Hostels.

Zuerst fahren wir Richtung Flugplatz aus der Stadt und erreichen die Township „Langa“.

1927 wurde das Township Langa zwölf Kilometer südöstlich von Kapstadt für 850 Personen gebaut, 1989 umfasste die Siedlung jedoch bereits 16.500 Einwohner. Nach Schätzungen waren es in den 2000er Jahren über 80.000.

Es gibt zahlreiche Trinkwasserentnahmestellen und Betonwasserbecken und in unregelmässigen Abständen sieht man graue Toilettenhäuschen. Für die Anwohner ein Riesenfortschritt.

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Architektur der Hütten als sehr abwechslungsreich und farbenfroh. Sie wird dadurch bestimmt, wie viel Geld und welche Baumaterialien zur Verfügung standen und wie lange der Hausherr schon an diesem Platz wohnt. Wer länger hier lebt, baut nach und nach und Stück für Stück etwas an seine Hütte an oder setzt sogar ein Stockwerk drauf. Fayo, der vor 4 Jahren mit seiner Frau hierher kam, begann mit einem kleinen Shack (Hütte).

Nun hat er eines der schönsten zweistöckigen Häuser im Camp. Er öffnet zwar noch jeden Morgen den Verschlag, aus dem er früher Zigaretten verkaufte, das Geld für neue Ware ist ihm aber schon lange ausgegangen. Jetzt hat er sich auf dem Dach, dem neuen 2. Stockwerk, eine kleine Werkstatt eingerichtet, wo er aus altem Holz Möbel für die Nachbarn baut, so dass er es zu einem bescheidenen Wohlstand bringen konnte.

Der Guide erklärt uns, wie Townships während der „Apartheid“ entstanden sind und wir besuchen ein winziges „Museum“ wo wir ein paar Fotos anschauen und die Texte dazu, natürlich in Englisch, lesen sollen. Danach schauen wir uns zwei „Wohnungen“ an, wo die Leute drin leben. Oh je, bei uns haben es die Tiere besser!!! Der Guide sagt uns, 48% der Bewohner hier seien arbeitslos. Aber irgendwie können wir das nicht verstehen. Wenn sie schon arbeitslos sind, könnten sie doch wenigstens den vielen Müll rund um die Häuser und Hütten beseitigen. Aber, so der Guide, jeder versucht irgendetwas zu verkaufen. Nun fahren wir langsam durch die Strassen von Langa, der ältesten Township von Südafrika. Für uns unfassbar, wie die Leute hier wohnen. Nun fahren wir weiter zur Township „Gugulethu“.

Gugulethu: Fläche 6,5 km² / Einwohner 98.468 (2011) / Dichte 15.172,3 Ew./km² Gugulethu gehört zu den südlichen Vororten Kapstadts. In der Zeit der Apartheidpolitik in Südafrika wurde Gugulethu als Township 15 Kilometer vor Kapstadt errichtet. Die meisten Einwohner gehören dem Volk der Xhosa an; die mit 89 % in Gugulethu vorherrschende Sprache ist daher isiXhosa.

 

Bis zur Errichtung von Gugulethu war das zwölf Kilometer südöstlich von Kapstadt gelegene Langa, ursprünglich für 850 Personen gebaut, Kapstadts einziges Township. Wegen der drückenden Überbevölkerung in Langa wurden östlich von Kapstadt in den 1950er und 60er Jahren zwei weitere Townships erbaut, Nyanga und Gugulethu. Der Name Gugulethu entstammt der Sprache der Xhosa und ist eine Zusammenziehung der Wörter igugu lethu, die so viel wie „unser Stolz“ bedeuten. Viele schwarze Bewohner Kapstadts, wurden damals nach Gugulethu ausgesiedelt.

Am 3. März 1986 wurden an der Kreuzung der Strassen NY1 and NY111 sieben junge Männer (Systemkritiker) von Angehörigen der Spezialeinheit der Polizei erschossen. Das 2005 errichtete Gugulethu Seven Memorial am Tatort erinnert daran. Sieben durchbrochene Granitblöcke stehen hier als Symbol für die sieben Männer.

 

Zur Zeit der Apartheid wurden keine Strassennamen in den neu gegründeten Townships vergeben, sondern Kürzel und Nummerierungen. Die Hauptstrasse, die durch Gugulethu führt, hiess NY1 (Native Yard 1), wurde aber 2012 in Steve Biko Drive umbenannt. Ebenso werden die anderen Strassen schrittweise umbenannt.

Nach Ende der Apartheid 1994 kamen Tausende Südafrikaner aus ländlichen Gegenden nach Gugulethu, um in Kapstadt Arbeit zu finden.

Es werden viele Anstrengungen unternommen, die Infrastruktur Gugulethus zu verbessern, Strom- und Wasserversorgung zu garantieren und den Tourismus mit Übernachtungsmöglichkeiten zu fördern. Innerhalb Gugulethus entwickelten sich Restaurants und Treffpunkte wie Mzoli’s und Tiger’s mit Auftrittsmöglichkeiten für Musiker.

 

Hier wird uns ein Monument gezeigt zur Erinnerung an 7 junge Männer (Schwarze), die hier von den Weissen erschossen wurden. Ausserdem zeigt man uns ein Restaurant, das Mzoli’s wo man sich Fleisch aussucht, es wird gegrillt und man isst es mit „Pap“ (Maisbrei) im Restaurant oder man nimmt es mit nach Hause. Wir würden gerne hier essen, aber unser Chauffeur gibt uns 10 Minuten (!), also verzichten wir darauf. Irgendwie sind wir enttäuscht von dieser Tour, teuer genug war sie, 320 Rand/Person (etwa 22.50 SFr.). Um 14h lädt man uns bei der Waterfront aus und nun gibt es endlich für mich etwas zu Essen. Paul isst nichts. Kurz nach 16h sind wir wieder auf der MABUHAY. Und jetzt jagen wir Wellington, der unser Schiff polieren wollte, zum Teufel. Am Anfang, die ersten zwei Tage sah seine Arbeit richtig gut aus. Aber dann liess er über eine Woche das Kabel seiner Poliermaschine und den Eimer mit dem Material einfach bei uns herumliegen, ohne sich wieder zu zeigen. Paul hatte ihm gesagt, dass er nicht mehr kommen und die Aussenhülle des Schiffs NICHT mehr polieren solle. Heute, nachdem wir den ganzen Tag nicht anwesend waren, hat er einfach weiterpoliert. Ausserdem hat er unsere neuen dunkelblauen Fensterabdeckungen mit weisser Farbe beschmiert, die vermutlich nie mehr weg geht. Auch sonst hat er mehr Schaden angerichtet, als geholfen. Wir sind ziemlich wütend und bezahlen ihm nur die Hälfte des ausgemachten Preises.

Am Abend laden uns Anita und Franz, unsere Schweizer Stegnachbarn, die jeden Tag fleissig an ihrem neuen Schiff am Innenausbau arbeiten, zum Sundowner im Restaurant des Yacht Clubs ein. Danach kocht Paul für uns beide an Bord das Abendessen. Es gibt südafrikanische Bauernbratwurst mit Pfeffersauce, dazu Salzkartoffeln. Alles ist sehr gut, nur leider ist anschliessend die ganze Küche total fettverspritzt und es gibt einiges zu putzen.

 

Freitag, 3. März 2017: Kapstadt

In der Nacht hat es geregnet. Vermutlich viel zu wenig, Kapstadt wartet sehnlichst auf viel Regen, ihre Trinkwasservorräte gehen langsam zu Ende. Aber es ist kalt, ich habe den ganzen Tag Eisfüsse!

Im Laufe des Nachmittags bewölkt es immer mehr, aber es regnet nicht, es ist einfach nur kalt!

 

Samstag, 4. März 2017: Kapstadt

Die Sonne scheint wieder! Aber kalt ist es immer noch. Im Schiff haben wir 16,3° und ich Eisfüsse! Paul putzt die MABUHAY aussen mit einem Kessel voll Wasser. Mehr darf er nicht benutzen, wegen des Wassermangels ist es verboten, die Schiffe mit dem Schlauch zu waschen.

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