Namibia, Lüderitz, 07.03. -16.03.2017, Teil 1
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Dienstag, 7. März 2017: Kapstadt - Lüderitz / Namibia 1.Tag

Bei strahlend schönem Sonnenschein, aber eher kühler Luft, fahren wir um 8h20, nach drei Wochen, aus dem Royal Cape Yacht Club von Kapstadt. Anita und Franz sind schon fleissig am Arbeiten und verabschieden uns herzlich. Wir wollen nach Lüderitz in Namibia. Wir motoren zuerst drei Stunden lang, um überhaupt aus der Bucht von Kapstadt zu kommen. Danach wird gesegelt, mit WSW Wind, 14-18 Knoten, fahren wir mit 5-6 Knoten Speed, es läuft gut. Am Nachmittag sehen wir Seehunde. Wir sind überrascht. Wir wussten nicht, dass die sich so weit vom Festland aufhalten, wir sind ca. 40 km vom Land weg.

Mittwoch, 8. März 2017: Kapstadt - Lüderitz / Namibia, 2.Tag, 132 sm

Die ganze Nacht läuft es super, jetzt mit 15-20 Knoten Südwind. Es ist saukalt! Ab etwa Mitternacht hat es Hochnebel, alles ist nass und klamm, auch im Schiff drinnen. Sehr unangenehm!

Am Morgen immer noch Hochnebel ungemütlich, feucht und kalt. Aber es läuft sehr gut mit ca. 20 Knoten Wind aus S. Endlich um 14h kann sich die Sonne gegen den Hochnebel durchsetzen und der Nachmittag wird bis zum Sonnenuntergang strahlend schön, aber es ist immer noch kühl. Paul sieht einen "pinkigen" Sonnenuntergang! Nein, er hat keine Drogen oder Ähnliches genommen! Gegen 22h30 kommt leider wieder der Hochnebel und verdeckt den schönen Sternenhimmel und den 3/4 Mond. Es ist enorm kalt! Während den Nachtwachen sitzen wir wie die Mumien in einen Schlafsack eingemummelt im Cockpit. Es hat ziemliche Wellen die uns zusammen mit der Strömung vorwärts, nach Norden, schieben.

Donnerstag, 9. März 2017: Kapstadt - Lüderitz / Namibia 3.Tag 130 sm

Wind aus S, 20 Knoten. Diesmal dauert der Hochnebel nur bis 03h30, danach wieder Sternen-himmel und schöner Mondschein und den ganzen Tag Sonne, aber trotzdem kühl. Wir begegnen drei Delfinen oder einer kleinen Walart. Die haben einen dunklen Rumpf und ganz hellgraue Köpfe. Solche haben wir noch nie gesehen. Später Seehunde, 100 km vom Festland entfernt, Wahnsinn!

 

Und jetzt ist es passiert! Es ist 16h45 und wir haben genau jetzt „längengradmässig“ die Welt umrundet! Der östlichste Punkt, wo die MABUHAY in Europa jemals war, ist 15°55'30 E / 39°31'86 N. Und das war im Herbst 2006, mit unserem Gast Markus, in Cetraro, Italien, südlich von Neapel. Jetzt sind wir bei 15°55'30 E / 29°18'06 S in Südafrika.

Aber in Wirklichkeit zählt das nicht als "Welt umrundet". Dazu muss man scheinbar sein eigenes Kielwasser (seine Spur) kreuzen.

 

20h35, wir übersegeln die rote Linie auf der Seekarte und sind jetzt in Namibia! Eine Stunde später kein Wind mehr aber auch kein Nebel mehr, müssen ab sofort motoren. Wunderschöner Mondenschein!

Freitag, 10. März 2017: Kapstadt - Lüderitz / Namibia, 4.Tag, 117,3 sm

Um 4h40 plumpst der fast volle Mond orangerot ins Meer. Diese Nacht ist es zum Glück nicht mehr so kalt. Am Morgen NNW Wind, 15 Knoten voll auf die Nase. Die Seehunde liegen auf dem Rücken im Wasser und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Sie halten alle Flossen in die Luft um sie zu wärmen. Der ganze Tag ist sehr sonnig. Es ist zwischen 17h und 18h als wir eine dicke Nebelwand durchqueren. Paul schaltet den Radar ein und entdeckt ein Schiff in 2 sm (3,7 km)  Abstand zu uns. Aber auf dem AIS können wir es nirgends sehen. Als sich der Nebel wieder lichtet, entdecken wir ein anderes Segelschiff vor uns, das auch nach Lüderitz fährt.

Samstag, 11. März 2017: Lüderitz / Namibia, 5.Tag, 114,4 sm

Kein Wind, wir müssen motoren. Während meiner Nachtwache hat es etwa 2½ Stunden dicken Nebel. Ab etwa 7h dann wieder wunderbarer Sonnenschein. Beim Diaz Point, wo man rechts in die Hafenbucht von Lüderitz einbiegt, begrüssen uns ein paar Delfine. Schön!

Nach 497 sm (915 km) sind wir um 10h in Lüderitz, wo uns Andy, ein Engländer, hilft, an einer Mooring festzumachen. Andy kennt sich prima aus und erklärt uns alles Notwendige. Er kennt auch Ian und Doris, die wir im Jahre 2008 in Brasilien kennenlernten und die hier in Lüderitz wohnen. Andy zeichnet uns einen Plan, wo wir Doris und Ian finden können. Das ist super! Wir wassern das Dinghy um zum Einklarieren zu fahren. Paul nervt sich ziemlich, weil der Aussenborder nicht gleich so will, wie er. Aber immerhin haben wir den Motor seit Rodrigues, also seit dem 14.Juni 2016, nie mehr gebraucht. Mein Mechaniker bringt aber den störrischen Motor doch noch zum laufen und so können wir zur Immigration, zum Einklarieren. Die zwei Frauen sind extra wegen uns ins Büro gekommen und deshalb (weil Wochenende ist) kostet das Pässe stempeln 80 NAD (oder Südafrikanische Rand). Die Damen sind sehr nett. Ich muss drei Formulare ausfüllen und man fragt uns, wie lange wir in Namibia bleiben möchten. Wir sagen: 3 Monate. Im Pass steht aber dann bis 10. Mai, das wären nur 2 Monate. Wir machen die Damen darauf aufmerksam und sie rechnen lange und kommen auch auf dieses Ergebnis. Sie ändern kurzerhand die 5 (für Mai) in eine 6 (für Juni) und jetzt haben wir unsere 3 Monate Aufenthalt in Namibia. Beim Zoll müssen wir 200 NAD oder Rand (fast 16 SFr.) wegen Overtime am Wochenende bezahlen. Und hier fehlt jetzt ein Ausklarierungspapier von Südafrika, aber das ist überhaupt kein Problem. Hier sind drei Frauen anwesend und wir bekommen die nötigen Papiere, nachdem ich drei oder vier Papiere ausgefüllt habe.

Bei der Port Control geht es auch sehr einfach zu. Der sehr nette Mann macht von unseren Kopien Kopien und das war's dann schon.

Inzwischen ist es 13h und Paul am verhungern, er hatte heute noch keine Zeit etwas zum Frühstück zu essen (d.h. er war zu nervös!). In Nicky's Coffee Shop essen wir ein Hühnerbein und Pommes. Dieses Lokal können wir nicht empfehlen, das Essen tropft vor lauter Fett. Aber die Bedienung ist sehr nett. Jetzt machen wir uns auf den Weg, Doris und Ian zu überraschen. Wir finden ihr Haus an der Vogelsang Strasse und Doris erinnert sich an uns, aber Ian nicht. Sofort werden wir mit Kaffee und Muffins mit selber gemachter Feigenkonfitüre bewirtet. Nun ist Ian nicht mehr zu bremsen und er zeigt uns voller Stolz seinen schönen Garten, den sie der Wüste abgerungen haben. Hier regnet es scheinbar pro Jahr 11 mm (oder 1,1 cm)!!! Wir haben sehr viel zu erzählen und werden von den beiden spontan für morgen Abend zum Essen eingeladen. Sogar schmutzige Wäsche dürfen wir zum waschen mitbringen.

Sonntag, 12. März 2017: Lüderitz

Wir haben wunderbar geschlafen, es ist Sonntag und die Sonne scheint, herrlich!

Nach dem Frühstück macht sich der Bordmechaniker daran, den Vergaser des Aussenborders zu reinigen. Mann, ist da Dreck drin!!! Nach einer ausgedehnten Probefahrt ist der Chef zufrieden. Der Motor läuft wieder wie geschmiert. Er meint: "Das Motörli läuft einwandfrei!" Ich räume unterdessen ein wenig im Schiff herum, was immer nach einer Überfahrt wieder nötig ist. Um 17h30 sind wir bei Doris und Ian zu Hause zum Abendessen eingeladen. Unterwegs treffen wir noch ein Deutsches Ehepaar, das mit einem Auto Namibia erkundet. Wir unterhalten uns, leider viel zu kurz, angeregt mit Brigitte und Alfons. Bei Doris und Ian werden wir mit einem sehr guten Abendessen verwöhnt. Aber vorher spielen wir eine Runde Memory mit dem pfiffigen 4-jährigen Alvis. Er ist mit seinem Grossvater auch hier zum Abendessen eingeladen. Es gibt feinen Braten, Kartoffeln und heisse Randen (Rote Beete). Wir haben noch nie heisse Randen gegessen, aber die sind wirklich prima und zu empfehlen! Zum Dessert gibt es Fruchtsalat mit Feigen aus dem Garten. Mmm!!! Die Zeit vergeht viel zu schnell und wir machen uns wieder auf den Weg zum Schiff, bevor es endgültig dunkel ist. Und: unsere Schmutzwäsche dürfen wir bei Doris lassen!

Montag, 13. März 2017: Lüderitz

Ein herrlicher Sonnentag bricht an. Ein paar Diamantensuchschiffe kehren von ihren Arbeitsaufenthalten auf dem Meer zurück. Gegen 10h machen wir uns auf den Weg ins Städtchen. Ich bin ganz verzaubert von diesem Lüderitz, das total "verträumt" zwischen Meer und Wüste liegt.

Zuerst geben wir zwei Dieselkanister bei der Shelltankstelle, bei Gabriel, ab. Danach laufen wir zu MTC, der namibischen Telefongesellschaft, um eine SIM-Karte für das Handy und eine für meinen Laptop zu kaufen. Von hier schlendern wir durch die sandigen Strassen und fragen bei einem Autovermieter nach den Preisen für ein Mietauto. Bei Liz, einer Deutschen im Souvenirshop, erkundigen wir uns nach Touren und Ausflügen. Im Spar-Supermarkt schauen wir, was es da so alles gibt. Und: wir glauben es nicht, es gibt sogar "Thomy-Senf" in Gläsern (keine Tuben). Auf dem Rückweg zum Schiff nehmen wir bei Gabriel 31 Liter Diesel in den zwei Kanistern mit. Mittagessen Wienerli, Brötchen und feine eingelegte Dill-Gurken (alles soeben bei Spar gekauft).

Am Nachmittag holen wir bei Doris die saubere Wäsche ab. Und man glaubt es nicht: alles ist fein säuberlich zusammengefaltet und sortiert. Merci vielmals Doris!!! Und dazu gibt es wieder einen Kaffee...

Dienstag, 14. März 2017: Lüderitz

Es scheint ein trüber Tag zu werden und deshalb schlafen wir lange. Weil meine Internetverbindung überhaupt nicht funktionieren will, geht es per Dinghy an Land und zum MTC, wo wir gestern das Internet-Guthaben gekauft haben. Es dauert ziemlich lange, bis der Mann, der uns schon gestern bedient hat, es fertig kriegt, dass das Internet funktioniert. Aber zurück auf dem Schiff haben wir trotzdem wieder keine Verbindung. Scheinbar ist das Internet hier in Namibia ziemlich wetterabhängig und im Moment bläst es wieder mal mit etwa 20 Knoten Wind. Bevor wir zur MABUHAY zurück fahren, frage ich bei einer Coiffeuse, die faul am Tisch hängt und schläft, ob sie mir die Haare waschen würde. Die Antwort lautet cool: nein! Also dann halt nicht! Im Coiffeurladen direkt daneben ist die Frau sehr freundlich und wäscht mir für 40 NAD (ca. 3.20 SFr.) die Haare.

 Mittwoch, 15.März 2017: Lüderitz

Punkt 9h, wie abgemacht rudert Andy, der Engländer mit seinem Ruderboot von seinem Trimaran zu uns, um uns beim verlegen der MABUHAY zu helfen. Wir bringen die MABUHAY an eine andere Mooringboje. Die, wo wir seit Samstag lagen, gehört einem Fischerschiff und das Schiff kann jeden Tag zurückkommen und wir müssen da weg. Jetzt legen wir uns an eine Boje, die Andy gehört und wir bezahlen jeden Tag 50 NAD dafür (ca. 3.95 SFr.). Nachdem die MABUHAY wieder fest liegt, geben wir Andy einen Kaffee. Plötzlich schlägt er uns vor, er würde uns mit seinem Cheerokee Jeep zur Grossen Bucht und zum Diaz Point fahren. Wow, das finden wir toll, für die Tour will er 50 NAD (ca. 3.95 SFr.), für den Diesel haben. Um 11h treffen wir uns beim Lüderitz Yacht Club und fahren mit ihm südlich von Lüderitz durch die Gegend. Die Strasse ist eine feste Sandpiste und diese Gegend hier besteht nur aus Sand und Felsen. Sieht ungewohnt, aber sehr schön aus. In den Meeresbuchten sehen wir Flamingos. Die Grosse Bucht ist gar nicht sooo gross, aber sehr wild und schön. Von hier geht es weiter zum Diaz Point, wo der Leuchtturm steht. Hier gäbe es ein Café, das aber zur Zeit renoviert wird. Der Wind bläst wie verrückt. Ich möchte ein Foto vom Leuchtturm machen, aber der Wind verwackelt mir den Fotoapparat dermassen, dass ich nur einen halben Leuchtturm auf dem Foto habe. Von hier geht es zur Griffith Bay, mit Blick auf Lüderitz. In dieser Bucht liegt ein Wrack halb am Land und in der Bucht hat es ganz viele Austernfarmen. Lüderitz scheint für Austern sehr bekannt zu sein. Auf dem Weg zurück nach Lüderitz sehen wir drei Springböcke. Andy meint, die seien hier sehr selten. Und auch Flamingos sehen wir wieder viele. Zurück im Ort laden wir Andy ins „Garden Café“ ein, wo wir zu Mittag essen. Paul und Andy essen „Brötchen“. Die heissen hier wirklich so und sind eigentlich runde Sandwiches. Ich nehme eine Quiche (Käsewähe) mit ein wenig Salat. Alles prima. Im Garten hinter dem Haus, wo wir essen, läuft eine grosse Schildkröte herum. Und weil wir beim Ausgang an einer Tortenvitrine vorbei müssen, können wir alle drei nicht widerstehen und wir kaufen für jeden ein Stück Quarktorte. Die sieht einfach zu „gluschtig“ aus! Wir verabschieden uns von Andy und kehren zur MABUHAY zurück. Der Wind bläst enorm. Zum „Zvieri“ gibt es heute Kaffee und Quarktorte. Dazu schauen wir "Fernsehen". Das heisst, wir schauen dem Treiben im Hafen zu. Heute ist ganz besonders viel los. Grosse Schiffe, wie z.B. die "ANNELISA" aus Manila, die Schwefel hierher gebracht hat, wird von zwei Schleppbooten rausmanövriert. Ein anderes grosses Schiff, das "LOMBOK" heisst kommt rein und legt an der Pier an.

Donnerstag, 16. März 2017: Lüderitz

Herrlicher Sonnenschein, nicht mehr so viel Wind. Wir laufen zum Internetbüro um Guthaben aufzuladen. Und nun klappt es auch endlich. Nach fast einer ganzen Woche hier in Lüderitz haben wir jetzt auf dem Schiff eine einigermassen gute Internetverbindung. Im Tourenbüro von den deutschsprechenden Namibiern Ute und Heinz buchen wir zwei Touren. Eine für Montag und die andere für die übernächste Woche. Ute und Heinz sind ein Ehepaar, beide in Namibia geboren und organisieren Touren in die Wüste. Den Nachmittag verbringen wir an Bord.

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