Freitag, 17. März 2017: Lüderitz
Als wir heute morgen den Kopf aus dem Schiff strecken, trauen wir unseren Augen nicht!!! Wer liegt da neben uns, he??? Ja genau, die "Ilusión". Das glauben wir jetzt nicht! Die haben den Royal Cape Town Yachtclub einen Tag vor uns verlassen und wir dachten, die sind längst in St. Helena. Aber nein, sie liegen mal wieder neben uns...…
Um 8h30 sind wir bei Doris und Ian, bekommen einen Kaffee und danach ihr Auto, einen Fiat. Mit dem dürfen wir nach Kolmanskop fahren und uns dort die Geistersiedlung anschauen. Eintritt 85 NAD /pro Person (ca. 6.70 SFr.).
Kolmanskop (Afrikaans; historisch offiziell Kolmannskuppe) ist eine aufgegebene Siedlung (Geisterstadt) in Namibia, ehemals Deutsch-Südwestafrika. Der Ort liegt ungefähr zehn Kilometer östlich der Hafenstadt Lüderitz und ist benannt nach dem Nama Coleman, der dort 1905 mit seinem Ochsenkarren in einer Düne steckenblieb. Er wurde gerettet, musste jedoch seinen Ochsenkarren zurücklassen.
Der Ort verdankt seine Entstehung den Eisenbahnarbeitern August Stauch und Zacharias Lewala, welche am benachbarten Bahnhof Grasplatz 1908 zufällig die ersten Diamanten fanden. Der dadurch ausgelöste Boom sorgte für ein schnelles Wachstum dieser zunächst nur als Diamantsucher-Camp gedachten Siedlung an der Nordgrenze des Diamantensperrgebiets. Der auf Diamanten gründende Reichtum der Bewohner liess einen Ort entstehen, in dem aller Luxus vorhanden war, der damals für Geld zu bekommen war – und das in einer Umgebung, die trostloser und lebensfeindlicher wohl kaum gedacht werden kann. Es gab kein Wasser, keinen Regen, keine Erde, in der auch nur das Geringste hätte wachsen können, keinerlei Infrastruktur – nur Sand, regelmässig heftige Sandstürme und eine unbarmherzige Hitze.
Trotz der lebensfeindlichen Umgebung lebten hier bis zu 400 Menschen und es entstanden hochherrschaftliche Steinhäuser nach deutschem Vorbild. Neben Unterkünften für die Arbeiter (getrennt nach Verheirateten und Junggesellen) gab es Verwaltungs- und Dienstgebäude. Zur Infrastruktur gehörten ein Elektrizitätswerk, ein Krankenhaus (mit der ersten Röntgenstation Afrikas bzw. auf der ganzen Südhalbkugel), eine Eisfabrik zur Herstellung von Blockeis für die Eisschränke der Bewohner, einen Tante-Emma-Laden, eine Metzgerei, eine Bäckerei, ein Ballsaal genanntes Gebäude mit Theater, Turnhalle und Grossküche, eine Kegelbahn und eine Schule. Sogar ein Salzwasser-Schwimmbad und eine Schmalspurbahn für den Transport von Waren und Personen innerhalb des Ortes waren hier zu finden. Das Wasser dafür und alles, was sonst noch zum täglichen Leben nötig war, musste aus dem rund 1000 km entfernten Kapstadt herantransportiert werden. Das Baumaterial für die Häuser, deren Einrichtungen, die Maschinen und alles, was man damals in Europa unter Luxus verstand, kam aus Deutschland und wurde meist in Lüderitz angelandet.
Kolmanskuppe galt damals als die reichste Stadt Afrikas, was angesichts der geringen Einwohnerzahl wohl auch stimmen mag. Dennoch war Kolmanskuppe nur ein Paradies auf Zeit. Die naheliegenden Diamantenfelder waren bald abgebaut und so verlagerte sich die Diamantenförderung immer weiter nach Süden. 1930 wurde der Diamantenabbau bei Kolmanskuppe ganz eingestellt, die Bewohner verliessen nach und nach den Ort und überliessen ihn der Wüste. Die letzte Person lebte hier bis 1953. Viele Wohnungseinrichtungen, Sportgeräte in Schulen u. ä. wurden erst gar nicht mitgenommen.
Die Wüste holte sich im Laufe der Jahrzehnte zurück, was der Mensch ihr abgerungen hatte. Die Häuser verfielen zusehends und in den Ruinen häufte sich der Sand meterhoch. Die Inneneinrichtung wurde teilweise zerstört oder mitgenommen. Kolmanskuppe wurde endgültig eine Geisterstadt. Nur ein zaghafter, zunächst auf Privatinitiative beruhender Museumsverkehr brachte gelegentlich ein bisschen Leben zurück. Erst als in den 1990er Jahren auch Lüderitz einen wirtschaftlichen Aufstieg erlebte, widmete man Kolmanskuppe wieder mehr Aufmerksamkeit. Man begann, einige erhaltenswerte Gebäude zu restaurieren, Räume wieder originalgetreu zu möblieren und nach und nach einen geordneten Museumsbetrieb einzurichten.
Die Museumsführerin Gisela erklärt uns auf Deutsch die Geschichte dieser Geisterstadt in einem etwa ¾-stündigen Rundgang. Sie teilt uns mit, dass hier alles Kamera überwacht ist und wir uns nicht bücken dürfen, um etwas aufzuheben! Das ist alles hochinteressant und eindrücklich. Nach der Besichtigung lernen wir ein Deutsches Ehepaar kennen, das uns von ihrer Reise durch Namibia, mit dem 4x4 mit Dachzelt vorschwärmt. Paul bekommt ganz glänzende Augen! Das Ehepaar war übrigens schon in Biel und hat den 100 km-Lauf mitgemacht. Der Kontakt kam überhaupt nur wegen dem T-Shirt zu Stande, das Paul heute trägt: „Die Nacht der Nächte“ vom 100 km-Lauf.
Wir kehren zu Doris und Ian zurück und am Nachmittag sind wir wieder auf der MABUHAY. Obwohl wir leider in der Geisterstadt keine Geister gesehen haben, war das echt ein toller Ausflug.
Es gibt eine kleine, hübsche Geschichte über die Entstehung der Diamanten. Als Gott die Erde erschuf, schüttete er die letzten Reste des Materials in dieser Gegend aus. Die Engel waren darüber sehr traurig und weinten. Aus ihren Tränen entstanden die Diamanten.
Samstag, 18. März 2017: Lüderitz
Es ist bewölkt. Soledad und Julio von der „Ilusión“ kommen vorbei um uns zu begrüssen und ein wenig zu quatschen. Jetzt wissen wir auch, wo die beiden unterdessen waren, in Saldana Bay. Wir leihen ihnen unsere Sackkarre um Diesel in Kanistern zu holen. Wir sind den ganzen Tag an Bord.
An Samstagnachmittagen und Sonntagen ist Lüderitz wie ausgestorben.












































