Sonntag, 19. März 2017: Lüderitz
Um 10h spazieren wir mal auf die „Rückseite“ von Lüderitz. In der Nähe des Hafens hat es eine katholische Kirche. Weil wir daraus Gesang hören, gehen wir hinein. Die Kirche ist gestossen voll. Unsere Pfarrer würden sich freuen!!! Der Gesang wird von einem „Orchester“ begleitet. Von zuhinterst können wir nur zwei grosse Blechinstrumente sehen und ein Schlagzeug sowie Flöten hören. Es tönt laut und sehr, sehr „schräg“! Wir laufen weiter und kommen bei den Quartieren vorbei, wo die Schwarzen wohnen. Hier hat es zum Teil sehr hübsche bunte Häuschen. Mir fällt am meisten auf, dass es zwei (2) Treppen und Eingänge an diesen kleinen Häuschen hat. Wir treffen nochmals auf eine katholische Kirche und ich gehe wieder hinein. Auch diese Kirche ist voll! Der Gesang wird von Instrumenten begleitet, die ich nicht sehen kann. Hier tönt es viel leiser und auch
nicht so „schräg“! Ein kleines Mädchen schäkert ein wenig mit mir, legt sich dann mitten im Kirchengang auf den Boden und ist in Sekunden eingeschlafen. So etwas habe ich noch nie gesehen! Jetzt kommen wir von „hinten“ her wieder in den Ortskern von Lüderitz und laufen zum „Hotel Nest“, das direkt am Meer liegt. Hier essen wir auf der Terrasse ein nicht besonders gutes Sandwich und kehren danach zur MABUHAY zurück.
Lüderitz
Einwohnerzahl: 12.500 (2011)
Fläche: 15,3 km²
Einwohnerdichte: 815,4 Einw./km²
Höhe: 5,7 m ü.M
Lüderitz (ehemals und inoffiziell auch Lüderitzbucht) ist eine namibische Hafenstadt an der Lüderitzbucht am östlichen Südatlantik. Sie liegt im Süden Namibias und wurde am 12. Mai 1883 gegründet.
Der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz landete 1487 auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien als erster Europäer in der Grossen Bucht. Die heute Lüderitzbucht genannte Bucht nannte er Angra Pequena (‚Kleine Bucht‘). Bevor Diaz weitersegelte, errichtete er traditionsgemäss als Zeichen der Inbesitznahme ein Steinkreuz mit Wappen, an der Diaz-Spitze auf der Lüderitzhalbinsel.
Eine tatsächliche Inbesitznahme der Bucht und des umgebenen Landes fand in den folgenden Jahrhunderten indes weder durch Portugiesen noch durch eine andere europäische Macht statt. Lediglich die der Küste vorgelagerten Pinguin-Inseln, deren reiche Guano-Vorkommen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgebeutet wurden, wurden ab 1861 von den Briten in Besitz genommen.
Der Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz landete 1883 in der Angra Pequena. Lüderitz wollte das allgemein als wertlos angesehene Land um die Bucht erwerben, weil er hoffte, dort Bodenschätze zu finden. Durch seinen Mitarbeiter und Teilhaber Heinrich Vogelsang handelte er dem Orlam-Führer Josef Frederiks II in Bethanien ein zirka 40 Meilen langes und 20 Meilen tiefes Landstück ab, um darauf einen Handelsposten zu errichten. Frederiks erhielt 100 Goldpfund sowie 250 Gewehre für das nach seiner Ansicht zirka 70 × 35 Kilometer grosse Gebiet. Nach Vertragsabschluss wurde dem Verkäufer klargemacht, dass es sich nicht um englische Meilen (zirka 1,6 Kilometer), sondern selbstverständlich um preussische Meilen zu 7,5 Kilometer handelte und er damit den Grossteil seines Stammesgebietes von 300×150 Kilometer verkauft hatte. Dieser Handel ging als „Meilenschwindel“ in die Annalen ein.
Im April 1884 gab die deutsche Reichsregierung dem Ansinnen Lüderitz’ statt, seine Erwerbung vor britischen Ansprüchen zu schützen. Am 7.August 1884 wurde auf den in der Lüderitzbucht liegenden deutschen Korvetten auf Anweisung von August Lüderitz die deutsche Flagge gehisst und das Land offiziell unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt.
Als Lüderitz' umfangreiche und teure Suche nach den erhofften Bodenschätzen erfolglos blieb, geriet er in wirtschaftliche Bedrängnis und musste Lüderitzland 1885 an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Nach Lüderitz' Tod 1886 verlieh die Kolonialgesellschaft der Bucht Angra Pequena den Namen Lüderitzbucht.
Einen sehr bescheidenen Aufstieg erlebte der kleine Ort erst 1904 mit der Stationierung der hier im Kampf gegen die aufständischen Herero und Nama benötigten Schutztruppen-Soldaten. In dieser Zeit war die Stadt vor allem für das vor der Küste auf der Shark Island errichtete Konzentrationslager bekannt. Hier wurden die im Krieg Gefangengenommenen mit ihren Familien interniert. Von den rund 2.000 Inhaftierten überlebten wegen der dort herrschenden schlechten Hygiene- und Witterungsverhältnisse nur zirka 450 Stammesangehörige. Das Lager wurde erst auf energisches Drängen der im Lande tätigen Missionare geschlossen und ins Landesinnere verlegt.
Erst lange nach dem Tode von Adolf Lüderitz, er galt seit 1886 als im Rahmen einer Erkundungstour zum Oranje verschollen, wurden im Jahr 1908 beim Bau einer Schmalspurbahn Diamanten bei Lüderitz entdeckt, was zu einem kurzzeitigen Boom führte. Der zunehmend industriell betriebene Diamantenabbau, die mit ihm ins Land strömenden Glücksritter und der Bau der Diamantensiedlung Kolmanskuppe brachten auch für Lüderitz einen steilen Aufstieg zu einer ausgesprochen wohlhabenden Stadt mit sich. In der Folgezeit entwickelte sich Lüderitz zu einem florierenden Handelshafen. Seine Rolle als wichtigster Hafen der Kolonie musste Lüderitz aber bald an das zentraler gelegene Swakopmund abtreten, wo ein künstlicher Hafen angelegt wurde.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Lüderitz am 13.September 1914 kampflos von südafrikanischen Truppen besetzt. Die deutsche Zivilbevölkerung wurde in Südafrika interniert.
Ab 1920 verlor Lüderitz stark an Bedeutung, da sich der Diamantenabbau immer weiter nach Süden verlagert hatte. Kolmannskuppe wurde zur Geisterstadt. In Lüderitz konnten sich eine bescheidene Fischfangindustrie und in ihrem Umfeld einige Bootswerften etablieren. Daneben existierten noch einige kleinere Teppichwebereien, da im Süden des heutigen Namibia die Karakulschafzucht mit einigem Erfolg betrieben wurde. Ansonsten aber hatte Lüderitz bald nichts mehr zu bieten, sodass der einst wohlhabenden Stadt ein ähnliches Schicksal wie Kolmanskuppe zu drohen schien.
Die Einwohnerzahl von Lüderitz wurde zwischen 2001 und 2011 – je nach Quelle – mit 18.340 bis 23.000 Menschen angegeben. Die Volkszählung 2011 ergab eine Einwohnerzahl von nur 12.500 Menschen. Die Bevölkerungszahl von Lüderitz hat sich von zirka 2000 Einwohner in den 1970er-Jahren auf immerhin zirka 12.500 im Jahr 2011 mehr als versechsfacht. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 60% und damit über dem namibischen Durchschnitt.
Die Wirtschaft beruht heute vorwiegend auf Fischfang und Tourismus. Besonders der Fang von Langusten, die nach Spanien und Japan exportiert werden, hat eine gewisse Bedeutung. Allerdings mussten die Fangquoten auf Grund massiver Überfischung vermindert werden. Deutschland stellte Namibia ein Überwachungsschiff für die Fischereikontrolle zur Verfügung.
In Lüderitz wurde eine vielversprechende Austernzucht aufgebaut, die autark bezüglich der notwendigen Saataustern geworden war. Sie gelten zusammen mit den Austern aus Walvis Bay als die besten der Welt.
Auch eine wirtschaftliche Verwertung von Seegras wurde ins Auge gefasst. Daraus sollten Extrakte für die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie gewonnen werden. Ebenso brachte der Aus- und Neubau des Hafens Lüderitz Arbeitsplätze für viele auch neu zugezogene junge Menschen.
Diamanten werden heute vorwiegend im Meer in Richtung Süden (Oranjemund) abgebaut. Seit 2007 wird in Lüderitz mit der Lüderitz Speed Challenge alljährlich einer der wichtigsten internationalen Kite- und Windsurf-Wettbewerbe ausgetragen.
Die Gemeinde verfügt über fünf staatliche Schulen.
Grosse Teile der Stadt stammen aus der wilhelminischen Kaiserzeit und sind im Jugendstil errichtet. Ausgedehnte Strassenzüge wurden während der 1990er-Jahre grosszügig restauriert.
Andere Gebäude in Lüderitz sind die Lesehalle und die Turnhalle, beides Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit; sie erfüllen heute noch ihre Aufgaben als Bücherei beziehungsweise als Turnhalle und Veranstaltungssaal.
Jetzt friere ich mir seit einer Woche hier die Füsse ab , trotz dicken Socken. Aber heute Abend ist ein wunderbarer lauer Abend, wo man lange draussen sitzen kann. Herrlich! Der leichte Wind kommt aus Südosten, also über die Wüste und ist deshalb so warm. Es ist 22h45, Paul schläft friedlich neben mir. Ich versuche seit zwei Stunden zu schlafen. Plötzlich rumpelt etwas draussen am Schiff. Ich wecke Paul auf und wir sind im Nu oben an Deck. Weil es keinen Wind hat, stehen alle Schiffe durcheinander und unser Nachbarschiff, die „Sedina“ ein alter Gaffelschoner, der früher mit Touristen herumsegelte, hat uns angerempelt. Jetzt kann ich natürlich erst recht nicht mehr schlafen. Um 23h45 schaue ich nochmals nach und wieder sind wir sehr eng an der unbewohnten „Sedina“ dran.
























